Die Suche nach dem Leck
Funktionäre und Händler suchen nach der undichten Stelle in der Ländle-Landwirtschaft.
Schwarzach. 75 Vorarlberger Landwirte erhielten am 1. Dezember von ihrem Dünge- und Futtermittelhändler per E-Mail eine Aufforderung, die nichts an Deutlichkeit vermissen ließ: „Da wie ihr sicher bemerkt habt die Vorarlberger Landwirtschaft durch die VN durch den DRECK gezogen wird, würde ich euch bitten die VN abzubestellen denn nur so können wir stärke zeigen. Die VN … Entwickelt sich mehr und mehr zum Revolverblatt (Schweineskandal) …“.
Der Hohenemser Thomas Bischof hat nach eigener Aussage über 500 Tonnen Hühnerdung-Pellets aus Deutschland ins Land importiert und verteilt (was bis heute übrigens legal ist). Vom Verzicht, zu dem Landesrat Erich Schwärzler und die Landwirtschaftskammer aufgefordert haben, hält er offenbar nichts. Und auch der Schweineskandal, der 2011 für Empörung gesorgt hat, ist für den umtriebigen Händler – schließt man auf die Aussagen in seiner E-Mail – eine Einmischung in bäuerliche Angelegenheiten.
Suche nach Schuldigen
Wenn auch nicht so direkt wie Bischof, so waren und sind die Reaktionen offizieller Vertreter der Landwirtschaft nicht minder eindeutig. So klagt der Lehrer der Landwirtschaftsschule Hohenems, Elmar Weißenbach, in der Zeitung „WIR“ über Rufmord an allen Bauern und macht auch die Schuldigen dafür aus: „Ein Agronom ist dem Anderen das Zahnweh neidig und denkt darüber nach, wie er den ungeliebten Nachbarn in die Pfanne hauen könnte. Sein Name war der Zeitung ja zu entnehmen.“ Er nimmt damit Bezug auf einen von den VN befragten Landwirt, den Hohenemser Karl Anton Mathis, der auch in Versammlungen bereits für die Unbill verantwortlich gemacht wurde. Trotz einiger kritischer Töne zur Landwirtschaft kommt der Lehrer zu dem Schluss, dass die Presse – namentlich die Vorarlberger Nachrichten – Schuld an der für die gesamte Ländle-Landwirtschaft nicht immer vorteilhaften Diskussion hat.
Dass diese Debatte vielleicht doch nicht nur ein Aufreger ist, sondern reale Ursachen in der Landwirtschaft und ihren Praktiken hat, ist für beide Herren nicht nachvollziehbar. Das zeigen auch offizielle Veröffentlichungen der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, die den Untersuchungen der Bundesanstalt für Alpenländische Milchwirtschaft Rotholz vorgreifen und behaupten: „Aufgrund der Stoffwechselprozesse im Käse und der bisherigen Erfahrungen kann kein kausaler Zusammenhang zwischen Hühnermistdünger und Rissbildung im Käse hergeleitet werden“, so Milchwirtschaftsreferent Othmar Bereuter. Dass die Wissenschaftler Klaus Dillinger und Peter Zangerl auch auf mehrfaches Nachfragen kein Urteil vor Abschluss der Untersuchungen fällen wollten, geht dabei oft unter.
Bange wurde es auch einem Andelsbucher Bauern, der bei der Suche nach dem Informanten ins Fadenkreuz seiner Genossen von der Sennerei geriet. Als sein Name in den Gasthäusern und unter den Milchbauern kursierte, wusste er keinen anderen Ausweg mehr, als Journalisten von ORF und VN um Beistand zu bitten. Der Bauer, der mit der Veröffenlichung nichts zu tun hatte, legte bei der Versammlung eidesstattliche Erklärungen vor. Landesrat Erich Schwärzler, der im Zuge der Berichterstattung ebenfalls bei Gesprächspartnern der VN intervenierte, versichert indes glaubhaft, dass die Erfahrungen in der Causa Hühnerdung/Gärkäse seriös aufgearbeitet werden: „Wir werden die Erwartungen der Vorarlberger Konsumenten in die Landwirtschaftsstrategie 2020 einfließen lassen.“
Wir werden die Erwartungen der Konsumenten sicher in die Landwirtschaftsstrategie 2020 einfließen lassen.
Erich Schwärzler