Den Glauben vererbt bekommen

Vorarlberg / 13.01.2013 • 20:31 Uhr
Tamara (10) und Luka (9) hören gern zu, wenn ihr Papa seinen Glauben erläutert. In der Hand hält er die Ikone des Hl. Nikola. Foto: VN/Matt
Tamara (10) und Luka (9) hören gern zu, wenn ihr Papa seinen Glauben erläutert. In der Hand hält er die Ikone des Hl. Nikola. Foto: VN/Matt

Für den 45-jährigen Arbeiter Dejan zählt sein orthodoxes Christentum klar zur Identität.

Hard. „Crepuljarevic“, seinen Nachnamen schreibt Dejan (45) lieber gleich selber auf den Notizblock. Svetlana (39) schmunzelt. Der Name ihres Mannes erinnert an „Crepulja“, eine im Tongeschirr geschmorte Köstlichkeit der serbischen Küche. In Dörfern hat man so gekocht. „Früher war das so, heute ist das selten geworden.“ Auch die Ikonen an der Wand in ihrem Harder Wohnzimmer muten altertümlich an. Wie Grüße aus einer entschwundenen Welt. Aber das täuscht.

Die sind Ikonen in Gebrauch. Ganz alltäglich. Sein Glaube ist Dejan sehr wertvoll. Das war nicht immer so.

Aufgewachsen ist der Dreher einer Harder Fabrik noch im kommunistischen Serbien, 170 Kilometer von Belgrad entfernt. „Gott und Kirche waren verboten.“ Aber dann starb 1992 Dejans Großmutter. Und er war der nächste männliche Verwandte, um den Schutzpatron der Familie zu übernehmen. „Jede Familie hat einen.“ Behutsam nimmt Dejan das Bild des Heiligen Nikola von der Wand. Dejan trug die Ikone damals zu seinem Pfarrer und fragte ihn, was da auf ihn zukomme. „Ich trat ein in eine völlig neue Welt.“

Im Religionsunterricht

Lange Abende hindurch hat er jeden Donnerstag und Samstag mit anderen Erwachsenen Religionsunterricht erhalten. „Wir haben über alle Themen geredet, auch über Drogen und Alkohol. Alles aus religiöser Sicht.“ So lernte Dejan, den Schutzpatron seiner Familie als Mittler zu Gott zu begreifen. Heute sagt er: „Ich bin viel zu klein für ein Gespräch mit Gott. Alle Probleme berede ich mit meinem Schutzpatron.“ Nur in den acht Wochen Fastenzeit vor dem orthodoxen Weihnachtsfest wendet sich der Gläubige direkt an seinen Schöpfer. Ganz rituell tut er das, in der Kirche kniend vor einer Christusikone.

Als er mit seiner Frau 2001 die Wohnung in Hard bezog, hat ein orthodoxer Priester das neue Heim geweiht. Dejan hat irgendwann angefangen, in der Pfarrei zu helfen. Heute singt er im Gottesdienst in Bregenz St. Gebhard. Die alten Bücher, die den Wechselgesang zwischen Priester und Volk beinhalten, sind ganz abgegriffen.

Sein Glaube, der ihm auch während des Jugoslawienkrieges half, wurzelt in einer alten Tradition. Vom heiligen Sava spricht er ehrfurchtsvoll. Das Andenken an den 2009 verstorbenen Patriarchen Pavle, Metropolit von Belgrad, hält Dejan hoch. Gott ist für ihn „große Liebe“, aber gleichzeitig auch einer, für den sich das Kämpfen lohnt.

Wie kann er sich eigentlich so sicher sein, dass es Gott gut mit ihm meint? Da denkt Dejan kurz nach, dann sagt er: „Ich lebe. Und ich habe drei gesunde Kinder. Ist das nicht genug Beweis?“

Aufgewachsen bin ich im Kommunismus. Gott war verboten.

Dejan Crepuljarevic

Serbisch-orthodoxe Kirche

Nach der katholischen Kirche bildet die serbisch-orthodoxe Kirche laut Angaben des statistischen Landesamts mit rund 9000 Mitgliedern die zweitgrößte christliche Konfession in Vorarlberg. Weltweit gehören der serbisch-orthodoxen Kirche 40 Diözesen mit gut 3600 Gemeinden und 2000 Priestern an. Einer der größten Heiligen der serbischen Orthodoxie, der heilige Sava (1175 bis 1236), wurde, was heute nur mehr wenige wissen, im 16. Jahrhundert auch von der römisch-katholischen Kirche als Heiliger anerkannt. Die ihm geweihte Kathedrale steht in Belgrad.

Religionsserie. Alle bisherigen Teile der VN-Serie „Woran ich glaube“ zum Download.