Bei „Rhesi“ heißt’s: Bitte warten

Vorarlberg / 25.01.2013 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Rhein als Ort der Erholung und Entspannung – dies wäre ein Teil des „Rhesi“-Projekts. Foto: heimat
Der Rhein als Ort der Erholung und Entspannung – dies wäre ein Teil des „Rhesi“-Projekts. Foto: heimat

Hochwasserschutz-Pläne am Rhein auf Eis gelegt – bis zur Klärung der Trinkwasserfrage.

Widnau. Die resolute Widnauer Gemeindepräsidentin Christa Köppel redet derzeit nicht über die Weiterentwicklung des 500-Millionen-Euro-Projekts zum Hochwasserschutz am Rhein, kurz Rhesi (Rhein, Erholung und Sicherheit) genannt. Das hat einen Grund: „So lange die Frage des Trinkwassers nicht gelöst ist, kann ich nur sagen: Stopp für die Weiterplanung.“ Noch immer führt sich die seit 1999 in der knapp 9000 Einwohner zählenden Ostschweizer Grenzstadt regierenden Bürgermeisterin von der Vorgangsweise der Projektbetreiber brüskiert. „Die haben einfach zwei Varianten auf den Tisch gelegt, ohne uns in wichtigen Sachfragen zu kontaktieren. Und dann hätten wir innerhalb von zwei Wochen dazu Stellung beziehen sollen. Das geht bei einem derartigen Projekt doch nicht.“

Trinkwasserkonzept

Nicht müde wird Köppel, die Bedeutung der Grundwasserfrage fürs Rheintal zu betonen: „Es muss geklärt werden, welche Brunnen erhalten werden können und ob es für diese Alternativen gibt. Hier geht es um ein existenzielles Versorgungsbedürfnis. Bevor diese Fragen nicht beantwortet sind, kann es keine Weiterentwicklung von Varianten für ,Rhesi‘ geben“, macht Köppel, die Sprecherin der Schweizer Rheintalgemeinden, deutlich. Erst kürzlich gab es ein Treffen mit Projektverantwortlichen und Politikern diesseits und jenseits des Rheins. Darin wurde die Erarbeitung eines Trinkwasserkonzepts beschlossen. Auch sollen künftig die Vertreter der betroffenen Gemeinden stärker in die Planungen eingebunden werden.

Mähr überrascht

„Rhesi“-Projektleiter Markus Mähr (38) gibt zu, von der massiven Kritik überrascht worden zu sein. „Ich habe natürlich mit einer Diskussion gerechnet. Aber nicht mit einer derart heftigen Kritik. Wir haben bei den vorgestellten Varianten noch nicht über jeden Brunnen nachgedacht. Wir wollten transparent bleiben, auch wenn noch nicht alle Abklärungen getätigt sind.“ Man habe sich in einer Gesamtbetrachtung der Grundwassersituation vorerst damit zufrieden gegeben, „die Frage, ob wir genug Wasser haben, eindeutig mit Ja beantworten zu können“. Die Konsequenzen für das „Rhesi“-Projekt sind angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen nicht unerheblich. „Wir werden jetzt alle Trinkwasserkonzepte im unteren Rheintal genau prüfen und diese Frage zu klären versuchen“, erläutert Mähr die weitere Strategie. Die Folgen: Weder werden auf absehbare Zeit die beiden ersten Varianten des Projekts weiterentwickelt, noch eine dritte Variante konzipiert. „Mit der Varianten-Weiterentwicklung wird es wahrscheinlich erst in einem Jahr weitergehen“, verdeutlicht Mähr.

Lins für Variante eins

Ganz klar deklariert sich indes Naturschutzanwältin Katharina Lins in der Variantenfrage. Für sie ist die großflächige Lösung mit geplanten Dammabrückungen und der Schaffung einer ökologischen Zone etwas, was sie ins Schwärmen geraten lässt. „Es ist dies eine Jahrhundertchance, den Hochwasserschutz mit der Schaffung einer Naherholungszone zu verbinden. Ich bin überzeugt, dass man die Grundwasserproblematik lösen kann.“ Als nachrangig sieht Lins die Ansprüche der Landwirtschaft. „Die alten Verträge zur Nutzung des Rheinvorlandes sehen vor, dass die Landwirtschaft dort nur temporäre Befugnisse hat.“ Markus Mähr bestätigt das.

Fakten zu ,,Rhesi“

» Planungsbeginn: 2011

» Geplanter Baubeginn: 2018

» Geplante Baudauer: 20 Jahre

» Betroffen: Zwei Staaten, das Bundesland Vorarlberg, der Kanton St. Gallen, 26 Kommunen

» Ungefährer Kostenrahmen: 400 Millionen Euro