Lauterach baut auf zwei „Türme“

Zwei 18 und 20 Meter hohe Wohnbauten sollen am Bahnhof entstehen – Anrainer steigen auf die Barrikaden.
Lauterach. (VN-ger) 64 Meter misst der Kirchturm der Lauteracher Pfarrkirche Hl. Georg – ihres Zeichens das höchste Gebäude im Ortszentrum der Hofsteiggemeinde. Weit in den Himmel hinauf ragen sollen bald zwei weitere Türme. 18 und 20 Meter messen die beiden Gebäude der geplanten Wohnanlage „Üs’r Fellentor“ am Lauteracher Bahnhof. „Viel zu hoch“, sagen die Anrainer, für deren Interessen sich seit geraumer Zeit Paul Bargehr starkmacht. Weitere Kritikpunkte gibt es obendrein.
Bargehr wurde im Bauverfahren zwar keine Parteienstellung gewährt, weil die Bahnlinie und eine Zufahrtsstraße zwischen seinem Grundstück und jenem der Wohnanlage verlaufen. Direkte Auswirkungen hat der Physiotherapeut dennoch zu befürchten. Und noch hat er die Hoffnung auf eine Lösung im Sinne aller Betroffenen nicht aufgegeben. „Ich habe alle Nachbarn kontaktiert – sie sind alle dagegen, haben aber aus verschiedensten Gründen letztlich keinen fristgerechten Einspruch erhoben“, sagt er und bekräftigt: „Es geht uns nicht um das Gesamtprojekt, sondern um die Höhe. Dass die dörflichen Strukturen erhalten werden und es zu keiner Verstädterung kommt.“
Zwölf-Meter-Verordnung
Bargehr führt dabei eine Verordnung der Landesregierung ins Treffen, die bestimmt, dass die Errichtung und wesentliche Änderung von Bauwerken mit einer Höhe von über zwölf Metern (im Betriebsgebiet von über 15 Metern) Bauvorhaben sind, die die Interessen des Schutzes des Orts- und Landschaftsbildes besonders berühren können und daher einem Gutachten des Amtssachverständigen bedürfen. „Es gibt keine objektiven Kriterien, wann diese Ausnahmen gewährt werden. Da vermischt sich Politik mit Wirtschaft“, bemängelt der Anrainersprecher.
„Minarette-Paragraf“
Bürgermeister Elmar Rhomberg versteht die Aufregung nicht und spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten „Minarette-Paragrafen“, den man in Lauterach im Übrigen schon öfters gezogen habe – bei Gewerbebauten und fast allen größeren Wohnanlagen. „Es ist vollkommen klar, dass Nachbarn solche Höhen nicht wollen“, räumt Rhomberg ein. „Ich denke aber, dass es in Zukunft eher in die Höhe gehen wird. Der Druck auf hohe Gebäude wird kommen.“
Es gäbe Hotspots in den Gemeinden, an denen laut Experten größere Höhen möglich sein müssten. Einen eben solchen ortet der Bürgermeister am Bahnhof. „Dort schaffen wir es, dass die Leute auf Bus und Bahn umsteigen.“ Auch der Gestaltungsbeitrag hätte dem Projekt „nur Positives abgewonnen“ und der Amtssachverständige „keine Einwände“ erhoben. Neben der Höhe werden von den Anrainern die mangelnden Parkmöglichkeiten kritisiert – so sind bei über 60 Wohnungen lediglich zehn Besucherparkplätze sowie 0,6 Abstell- und 0,7 Einstellplätze pro Wohnung vorgesehen. „Wir halten die Stellplatzverordnung genau ein“, sagt der Bürgermeister und verweist einmal mehr auf die Nähe zum Bahnhof und die alternativen Verkehrsmittel.
Bürgerbeteiligung gefordert
Wünschenswert für Bargehr wäre jedenfalls, dass ab gewissen Gebäudegrößen bzw. -volumen eine Bürgerbeteiligung durchgeführt wird. „Bei uns fährt man da einfach drüber. Es war auch praktisch kein Informationsfluss vorhanden“, merkt er an.
Noch ist der Baubescheid nicht erlassen. Gemeindechef Rhomberg rechnet jedoch damit, dass das in wenigen Wochen passieren wird. Insgesamt sind am Lauteracher Bahnhof fünf Gebäude geplant, die von i+R Schertler-Alge und der Wohnbauselbsthilfe errichtet werden sollen. Neben den beiden, von den Anrainern kritisierten „Türmen“ (Erdgeschoss plus vier beziehungsweise fünf Stockwerke) sind noch drei niedrigere Bauten (Erdgeschoss plus zwei beziehungsweise drei Stockwerke) vorgesehen.
Es geht darum, dass die dörflichen Strukturen erhalten werden und es zu keiner Verstädterung kommt.
Paul Bargehr, Anrainer
Ich denke, dass es in Zukunft eher in die Höhe gehen wird.
BGm. Elmar Rhomberg
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