Das „rabenschwarze“ Vorarlberg

Vorarlberg / 21.03.2013 • 19:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Reinhard Hellmair und seine „Gretl“. Bis vor drei Jahren durfte der Uhu noch Rabenkrähen jagen. Foto: vn/paulitsch
Reinhard Hellmair und seine „Gretl“. Bis vor drei Jahren durfte der Uhu noch Rabenkrähen jagen. Foto: vn/paulitsch

Besonders das Rheintal leidet unter einer Krähenplage. Bodenbrüter im Ried sind bedroht.

Lustenau. Wie ein Baby hält der Schweizer Ried-Aufseher Reinhard Hellmair (52) seine Gretl im Arm und streichelt sie. Gretl schmiegt sich an den Weidmann und genießt die Zuwendung. Gretl ist ein 21 Jahre alter großer Uhu. „Wir würden sie für die Jagd auf die Krähen dringend brauchen“, sagt Hellmair. Da stimmt ihm sogar Ornithologe Alwin Schönenberger zu. „Wir haben eindeutig zu viele Raben sowohl im Schweizer Ried als auch im Naturschutzgebiet Rheindelta. Ich hätte keine Bedenken, sie auch mit Hilfe eines Uhu zu bejagen. Schließlich geht es um den Schutz der Bodenbrüter. Vor allem der Kibitz ist durch die Massen von Rabenkrähen akut bedroht. Die Krähen rauben die Nester der Kibitze aus. Diese sind zu sehr mit der Abwehr gegen ihre Feinde beschäftigt und finden keine Ruhe mehr“, argumentiert Schönenberger.

Gretl, die Topjägerin

Das Problem mit der Jagd auf Krähen: Die Vögel fallen unter die EU-Vogelschutzrichtlinie – sind also geschützt. Ausnahmen zur Bejagung gewähren die Bezirkshauptmannschaften, wenn eine Notwendigkeit nachgewiesen werden kann. Diese Notwendigkeit ist nach Ansicht von Hellmair und Schönenberger gegeben. Bis zum 28. Februar dieses Jahres durften die Vögel auch tatsächlich gejagt werden. Die Jagderlaubnis müsse ausgeweitet werden, verlangt Hellmair. Und er würde auch gerne wieder seine Gretl dafür einsetzen. Mit der könne er am erfolgreichsten das Problem bekämpfen. Wie das funktioniert? „Ich setze Gretl am Tag dort hin, wo Krähen sind. Da der Uhu der größte Feind der Krähen ist, versuchen diese, sie zu vertreiben und nähern sich Gretl in Scharen. Dann kann ich sie abschießen.“ Bis vor drei Jahren durfte Hellmair Gretl noch für diesen Zweck einsetzen und schoss bis zu 300 Krähen pro Jahr.

„Wie im Mittelalter“

Für den Tierarzt und Tierschützer Erik Schmid ist das untragbar. „Das sind Methoden wie im Mittelalter. Hier wird ein nachtaktives Tier am Tag einem ungeheuren Stress ausgesetzt.“ Schmid gab bei der Bezirkshauptmannschaft eine diesbezügliche Expertise ab. Seit diesem Zeitpunkt ist die Krähenjagd mit dem Uhu verboten. Ornithologe Schönenberger widerspricht Schmid: „Das ist kein unnatürlicher Stress für den Uhu. Das Tier kann ähnlichen Stress in für ihn natürlichen Situationen bekommen. Und kommt damit klar.“ Hellmair meint sogar: „Gretl genießt die Jagd. Sie wartet nur auf die Krähen.“

Pommes frites im Schnabel

Die Rabenkrähen sind hochintelligente Tiere, die sich schnell auf bestimmte Situationen einstellen. Im Schweizer Ried finden sie vor allem beim Abfallverwerter Häusle Nahrung, aber auch bei Futtersilos von Bauern in der Region. Besonders das Anwesen des Rinderhändlers Hans Werner König, bei dem viele Lebensmittelabfälle landen, ist ein Paradies für die schwarzen Vögel. „Man sieht gelegentlich Krähen mit Pommes frites im Schnabel herumfliegen“, berichtet Schönenberger von eigenen Beobachtungen. Der Krähenbestand im Schweizer Ried hat in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent zugenommen. Wobei es zwischen Reviervögeln, die sich dauerhaft im Ried aufhalten, und sogenannten Beute-Trupps zu unterscheiden gelte, betont der Vogel-Experte. Für Erik Schmid ist das einerlei. Seiner Meinung nach wird die Bejagung der Vögel das Problem nicht lösen. „Nicht, solange das Nahrungsangebot dort so groß ist.“

Ich sehe die Notwendigkeit einer Jagd auf Krähen gegeben. Sie bedrohen Boden­brüter.

Alwin Schönenberger
Massen von Krähen werden im Schweizer Ried immer mehr zu einem Problem. foto: ap
Massen von Krähen werden im Schweizer Ried immer mehr zu einem Problem. foto: ap