Jürgen Weiss

Kommentar

Jürgen Weiss

Korridor geschlossen

Vorarlberg / 01.04.2013 • 19:22 Uhr

In einigen Wochen wird man ohne Gegenverkehr durch den Pfänder fahren können. Das ist nicht nur ein Sicherheitsgewinn, sondern verringert auch das Risiko, dass das Stadtgebiet von Bregenz wegen Überlastung der Autobahn oder bei Tunnelsperren zugestaut wird. Dem steht als Nachteil gegenüber, dass die günstige Korridorvignette für Fahrten in die Schweiz künftig nicht mehr erhältlich sein wird. Wer sich die Anschaffung einer Vignette ersparen will, wird dann wie früher den kurzen Autobahnabschnitt vermeiden und durch Bregenz fahren. Bei über 1,3 Millio­nen Korridorvignetten pro Jahr kommt da schon etwas zusammen.

Dass diese Ausnahmeregelung für die Stadt mit der zweiten Tunnelröhre automatisch wegfallen wird, wurde bei der Einführung vor fünf Jahren ohne Widerspruch von Bregenz vom Nationalrat beschlossen. Seit dem Näherrücken dieses Datums bemüht sich die Stadt um eine Fortführung der Korridorvignette. Jene Gemeinden, die in dieser Verkehrsverlagerung Nachteile sehen, wehren sich naturgemäß dagegen. Um die Auseinandersetzung, ob die Verkehrsministerin dem Bürgermeister einen Gesprächstermin verweigert oder er statt einer konkreten Terminanfrage lediglich eine Presseaussendung gemacht hat, ist es wieder ruhig geworden. Aber auch in der Sache selbst ist nichts mehr zu hören.

Das ist auch kein Wunder. Es bedürfte angesichts der knappen Zeit schon eines Gewaltaktes, um noch eine Gesetzesänderung zustande zu bringen. Dazu kommt, dass auch andere Regionen vergleichbare Wünsche haben und der Bund einen Dammbruch befürchtet. So würden die Wiener, Grazer und Linzer in ihrem Stadtgebiet die Autobahn gerne ohne Vignette benützen, und in Salzburg wird verlangt, das Teilstück zwischen Salzburg-Süd und –Nord zu befreien. Dort werden nämlich im Internet Schleichwege durch Wohngebiete für jene empfohlen, die aus Deutschland mautfrei in die Stadt Salzburg fahren wollen.

Dass es auch anders geht, kann man in Tirol sehen. Dort wird zwischen den Anschlussstellen Kufstein-Nord und –Süd einfach nicht kontrolliert, woraus auf Anfrage auch gar kein Geheimnis gemacht wird, man kann sich also darauf verlassen. Damit soll vermieden werden, dass der Verkehr Richtung Kitzbühel und Pinzgau durch die Stadt rollt. Die Verantwortlichen dort schaffen es offenkundig, ein formloses Entgegenkommen immer wieder zu verlängern. Was haben die Kufsteiner, das die Bregenzer nicht haben?

juergen.weiss@vn.vol.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
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