Starkstrom auf nie dagewesenem Niveau

Erste VN-Testfahrt mit dem neuen Porsche Cayenne Electric. Der stärkste Serien-Porsche aller Zeiten leistet brachiale 1156 PS.
Barcelona Porsche setzt eine Baureihe nach der anderen unter Strom und geht dabei unterschiedliche Wege. Für das Oberklasse-SUV Cayenne hat der Sportwagenhersteller den Starkstrom-Stecker ausgepackt. Mit 1156 PS wird das geländetaugliche 5-Meter-Ungetüm zum Porsche der Superlative. Stärker, größer, mächtiger: Dieser Zuffenhausener wäre in jedem Auto-Quartett die Siegerkarte.

Ein Gewinnertyp ist der Cayenne seit jeher. 2002 hat Porsche sein Angebot um das große SUV erweitert und damit neue Kundenschichten erreicht. Knapp 25 Jahre später steht der elektrische Cayenne als technologische Speerspitze der Baureihe für die Zukunft der Marke. So laufen zwar Verbrenner-Varianten und Plug-in-Hybrid weiter, der technische Fokus liegt aber ganz beim Electric.

Aus Fehlern wird man schlau: Porsche hat beim kleineren Macan auf die Verbrenner ganz verzichtet und damit richtig viel Geld verbrannt. Es gibt Märkte und Kundengruppen, die noch Jahre nach Benzinmotoren verlangen. Für sie baut der Hersteller den bisherigen Cayenne weiter. Den Neuen gibt es allerdings ausschließlich mit Elektroantrieb und dem Versprechen, bei Leistung, Komfort und Alltagstauglichkeit Maßstäbe zu setzen.

Auch optisch ist der neue Cayenne ein Versprechen. Beim Design orientiert sich der Hersteller am kleineren Macan, ohne auf Eigenständigkeit zu verzichten. Das SUV-Flaggschiff wird seiner Rolle jedenfalls gerecht. Das trifft besonders auf den Cayenne Electric Turbo zu, an dessen Heck aktive Aeroblades die Luftführung optimieren. Apropos windschnittig: Mit einem cW-Wert von 0,25 setzt das Riesen-SUV ein Ausrufezeichen. Zurück zu reinen Äußerlichkeiten: Ein echter Hingucker sind die animierte Leuchtengrafik und ein Heckleuchtenband mit beleuchtetem Porsche-Schriftzug. Das macht nicht nur im Dunkeln ordentlich was her.

Zum Marktstart gibt es den elektrischen Cayenne als Basismodell und in der Topversion Turbo. Im Grunde bieten sie beide Leistung im Überfluss, wie erste Testfahrten eindrucksvoll gezeigt haben. Im Falle der Basis stehen 408 PS bereit, kurzfristig deren 442 PS. Die Starthilfe der besonderen Art – auch Launch Control genannt – beschleunigt das jedenfalls 2,5 Tonnen schwere Gefährt in nur 4,8 Sekunden auf Tempo 100. Schneller muss eigentlich nicht, geht aber doch: Das zumindest demonstriert die Topversion der Baureihe.

Einsteigen und festhalten: Porsche hat das geländetaugliche SUV zu einem Hochleistungssportler hochgezüchtet. Mit 1156 PS beschleunigt der Turbo in nur 2,5 Sekunden auf 100 km/h, oder in 7,4 Sekunden auf 200 km/h. Da gefriert einem kurzfristig das Lächeln im Gesicht. Der brachiale Antritt ist einfach unglaublich, lässt sich wiederholen. Verantwortlich dafür ist Technologie aus dem Motorsport. Wie in der Formel-E kommt auch beim Cayenne ein Elektromotor mit Öl-Direktkühlung zum Einsatz. Aus dem Vollen schöpfen die Techniker auch beim Fahrwerk. Das optionale “Porsche Active Ride” setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf. Aufbaubewegungen werden im Keim erstickt. Es geht sprichwörtliche wie auf Schienen um die Kurven. Außerordentlich ist dabei die Spreizung aus hoher Agilität und gutem Komfort.
Schnell fahren ist das eine, schnell laden oftmals mindestens ebenfalls so wichtig. Beim Cayenne verhilft 800-Volt-Technologie zu 400 kW-Ladeleistung und über 300 Kilometer Reichweite in nur 10 Minuten. Bei vollem 113 kWh-Akku sind laut Norm bis zu 643 Kilometer möglich. In der Praxis schafft das große SUV jedenfalls gut und gern 500 Kilometer und mehr. Wir haben einige davon auch abseits befestigter Straßen bewältigt. Fazit: Überwältigend, wie sehr der Cayenne auch im Gelände punkten kann.
Der Porsche der Superlative ist nur in einem Ranking recht weit hinten: beim Preis. Die beginnen bei 108.247 Euro (Basis) bzw. 169.058 Euro (Turbo) und sind dem Steuervorteil für Elektroautos geschuldet.