Für jeden Anlass das richtige Bier

Vorarlberg / 02.04.2013 • 19:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Endlich Bier. Die Vorarlberger mögen ein helles Spezial, sollten aber auch die vielen anderen Sorten probieren. Foto: M. Gmeiner
Endlich Bier. Die Vorarlberger mögen ein helles Spezial, sollten aber auch die vielen anderen Sorten probieren. Foto: M. Gmeiner

Bier ist mehr als nur ein Durstlöscher. Auch in Vorarlberg setzt sich neue Bierkultur durch.

Schwarzach. Es war der Rankweiler „Sternen“, der jahrzehntelang die Bierkultur in Vorarlberg alleine hochgehalten hat. Ein Lokal, in dem die auf Spezialbier fixierten Vorarlberger Freunde des Gerstensafts probieren konnten, was in Europa bzw. weltweit gebraut wird. Der „Sternen“, der seit 1780 besteht, hatte eine angeschlossene Brauerei – für die Wirtefamilie Wetzel ein Grund, sich auf den Gerstensaft zu spezialisieren und nach wie vor eigene Biere zu brauen. So wird zum Beispiel das Sternbräu Dunkel von der Brauerei Härle in Leutkirch im Allgäu gebraut. Dies geschieht durch Diplombraumeister Bernhard Walberer und unter der strengen Aufsicht von Carl Clemens Härle.

Der Bierkultur verpflichtet sieht sich auch der Geschäftsführer der Dornbirner Mohrenbrauerei, Heinz Huber, der seit Jahren die Bierkultur in Vorarlberg nicht nur zum Inhalt seines geschäftlichen sondern auch seines privaten Interesses gemacht hat.

Gemeinsam für Biergenuss

Der Bierkeller in der Brauerei legt ebenso ein Zeugnis dieser Leidenschaft ab wie die Mitgliedschaft bei den österreichischen Culturbrauern, der die Brauerei Schloss ­Eggenberg, die Braucommune in Freistadt, die Brauerei Hirt (Kärnten), die Mohrenbrauerei, die Brauerei Murau, die Bierbrauerei Schrems, die Trumer Privatbrauerei, die Zillertal Bier und Privatbrauerei Zwettl angehören. Bei dem kürzlich in Vorarlberg abgehaltenen Treffen haben die Brauer aus ganz Österreich nicht nur die nächste gemeinsame Marketingaktion abgestimmt – nämlich eine Kiste mit den jeweiligen Interpretationen des Märzenbiers –, sondern auch gemeinsame Aktionen überlegt. Gemeinsam formulierten sie dieses Ziel: „Mit unseren individuellen und authentischen Bierspezialitäten, aus besten, vorwiegend heimischen Rohstoffen produziert, möchten wir die reiche Palette an ­Geschmacks- und Sortenvielfalt beim Bier aufzeigen und die Biergenießer dafür sensibilisieren. Wir sehen uns als die Bierbotschafter Österreichs.“ Der Trend kommt den mittelständischen Brauern entgegen. In den USA hat sich eine riesige Szene gebildet, die in sogenannten Microbreweries kleine Mengen spezieller Biere brauen. Die Regionalität, die von immer mehr Konsumenten gefordert wird, „wird von uns seit Generationen gelebt“, wie Heinz Huber gegenüber den VN feststellte.

Konservative Biertrinker

Sein Unternehmen bietet in der sogenannten Mohren-Akademie Verkostungen und Workshops an, um neue Biersorten kennenzulernen. Er hofft, den sehr konservativen Vorarlberger Biertrinker, der außer seinem Spezialbier und den derzeit beliebten Radlern (die von Brauern hatürlich nicht als richtiges Bier akzeptiert werden) auf den Geschmack zu bringen. So werden Seminare zum Kennenlernen englischer und amerikanischer Biersorten ebenso angeboten wie solche zum Kennenlernen der belgischen Biere. Aber nicht nur die Konsumenten wollen Huber und seine brauenden Kollegen sensibilisieren: Auch eine Bier-Bildungsinitiative für die Gastronomie wird umgesetzt. Das Servicepersonal genauso wie die Köche soll nicht nur Wein zu feinen Speisen kombinieren, sondern eben auch edlen Gerstensaft. „Wir planen Weiterbildungen und Workshops für interessierte Personen, die in der Gastronomie arbeiten“, so Huber im Gespräch mit den VN. In nächster Zukunft ist außerdem eine Aktion mit engagierten Gastronomen geplant. Und um den Ernst des Unterfangens zu unterstreichen, hat die Mohrenbrauerei für diese Woche auch noch die Präsentation eines neuen Bieres angekündigt. Bis dahin kann man die verschiedenen Biere ja auch noch im „Sternen“ in Rankweil probieren. Zum Wohl!

Biersommelier

Ein junger Beruf: In vielen Bereichen der Spitzengastronomie werden vom Bierkellner analog zum Weinkellner bzw. Sommelier spezielle Kenntnisse bei der Beratung der Gäste bei der Auswahl von Bieren erwartet. Dabei ist unter anderem die Beziehung des Bieres zum Essen zu beachten.

Die Qualifikationsbezeichnung Biersommelier ist relativ jung. Bis Ende der 90er-Jahre war Bier in der Spitzengastronomie verpönt. Ähnlich wie beim Wein bieten seit einigen Jahren etliche Spitzenrestaurants eine Auswahl (auch internationaler) Biersorten an. Diese erfordern – neben den regionalen Bieren – besonders bei internationalen Gästen eine entsprechende Beratung und fachgerechten Umgang mit der Ware.

Ausbildung: Eine offizielle Ausbildung für den jungen Beruf des Biersommeliers gibt es bis heute nicht. Vereinzelt werden von Brauereien Fortbildungslehrgänge angeboten; dafür existiert jedoch bisher keine einheitliche Zertifizierung. Quereinsteiger sind wegen der allgemein guten Arbeitsmarktlage für diese Berufe ebenfalls selten.

Welches Bier zu welcher Speise

Salat: helles Weizenbier, helles Lager, Export

Eintopf: dunkles Lager, Kölsch, Alt

Gekochter Fisch: helles Weizenbier, helles Lager, Export

Gebratener Fisch: dunkles Lager, Pils, Alt, Kölsch

Geflügel: helles Weizen, helles Lager, Export, Pils, Kölsch

Meeresfrüchte: Pils, helles Weizenbier, Kölsch, Export

Braten: Pils, dunkles Lager, Kölsch, Alt, Malztrunk

Steaks: dunkles Bockbier, Schwarzbier, Pils, Alt, Kölsch

Wild: Bockbier, Schwarzbier, Alt, dunkles Weizenbier

Milder Käse: helles Lager, Weizenbier, Export

Würziger Käse: Bockbier, Kölsch, Alt, Pils, dunkles Lager

Nachspeisen: helles Weizenbier, Kölsch, Bockbier, Malztrunk

Nur ein Vorschlag des deutschen Brauerbundes, ausgebildete Biersommeliers –auch in der Vorarlberger Gastronomie – sind in der Auswahl noch selektiver.