Talente und Fähigkeiten aller gefragt

Vorarlberg / 19.06.2013 • 20:53 Uhr

Integrationskonferenz beleuchtet die Schnittstelle „Von der Schule ins Berufsleben“. Da ist Handlungsbedarf.

Bregenz. (VN-tm) Was ist das für ein magischer Moment, wenn Jugendliche das Erlernte erstmals ausprobieren dürfen? Wenn sich Schule am Arbeitsplatz beweist? Und wie unerträglich leer wirkt dagegen das Bekenntnis eines jungen Menschen, der bar jeder Chance erkennt: „Mich braucht hier niemand.“

Die 10. Integrationskonferenz des Landes beleuchtete gestern eine zentrale Frage für die Zukunft: Welche Potenziale bringen Migrantenkinder von der Schule ins Berufsleben mit? Welche Herausforderungen erwarten sie?

An die 100 Teilnehmer befassten sich im Bregenzer Festspielhaus zunächst mit einer Vielzahl von Initiativen. Mit der Elternbildung etwa, die laut Wilma Loitz vom Katholischen Bildungswerk auf viel fruchtbareren Boden fällt als landläufig angenommen. Oder mit dem Jugend-Coaching des BIFO, das ratlose Jugendliche in der Berufswahl ausdauernd begleitet. Vom „Kompetenzteam Sprache“ war die Rede, das Deutsch dort lehrt, wo es den Jungen unter den Nägeln brennt (Handy-Verträge, Dialoge mit dem Lehrherren). Oder von der Offenen Jugendarbeit Dornbirn und ihrer Art, Hauptschulabschlüsse im zweiten Anlauf zu ermöglichen.

Fachkräfte werden gebraucht

Nötig sind all diese Initiativen absolut: „Der Wirtschaftsstandort Vorarlberg braucht junge Fachkräfte, braucht das Talent und die Fähigkeiten jedes und jeder Einzelnen“, betonte Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser. Und er brach eine Lanze für die kulturelle Vielfalt: „Der produktive Umgang mit Vielfalt wird zunehmend zu einem wichtigen Standortfaktor für die Region.“

Sicherheits- und Integrationslandesrat Erich Schwärzler verwies auf das 2010 vom Landtag einstimmig beschlossene Integrationsleitbild „Gemeinsam Zukunft gestalten“, in dem auch die Arbeitsmarktintegration jugendlicher Migranten thematisiert wird. „Wir sind gut auf dem Weg.“ Aber es gibt noch viel zu tun.

Hilfestellung

Stichwort Chancengleichheit: Simon Burtscher-Mathis von der Projektstelle „okay.zusammen leben“ erläuterte die Ergebnisse der TIES-Studie Vorarlberg. Er zeigte auf, dass die zweite Migranten-Generation schon einen Bildungsaufstieg gegenüber ihren Eltern erzielen konnte. Und doch ist der Anteil von Migranten, die nur einen Pflichtschulabschluss vorweisen können, noch immer inakzeptabel hoch. Die „soziale Vererbung von Bildung“ wirke sich aus. Eine Herausforderung sowie ein Handlungsauftrag aus der TIES-Studie ist klar die Verringerung des Anteils der frühen Schulabgänger.

Im Podiumsgespräch mit Vertretern des Beschäftigungspakts und aus der Ausbildungspraxis wurde dann deutlich, was alles zu tun ist, um die dritte Generation am Übergang Schule/Arbeitsmarkt noch besser begleiten zu können. Ganztagsbetreuung an Schulen ist ein großer Wunsch. Die Bregenzer Vizebürgermeisterin Sandra ­Schoch schlug außerdem vor, anhand von Blindbewerbungen doch die Chancengleichheit von Migranten und Jugendlichen der Mehrheitsbevölkerung auszutesten.

„Oft“, sagt Robert Baljak von der Produktionsschule Werkzeit, „reicht schon der Nachname, um als Bewerber zu scheitern.“ Bernhard Bereuter fand die Idee spannend und sah sich suchend nach möglichen Partnern um. ##Thomas Matt##

Festzustellen ist, dass die soziale Vererbung von Bildung wirkt.

simon Burtscher-Mathis