Liebespaare in Mythos und Musik

Kultur / 31.03.2026 • 14:27 Uhr
Liebespaare in Mythos und Musik
Die drei Abende im Theater Kosmos stehen unter dem Motto „Liebespaare in Mythos und Musik“.Camerata Musica Reno

Camerata Musica Reno und der Schriftsteller Michael Köhlmeier im Theater Kosmos.

Bregenz Wenn sich im Bregenzer Theater Kosmos zu Ostern Wort und Klang aufeinander zubewegen, entsteht ein Abend, der weit über das klassische Konzertformat hinausweist und sich vielmehr als fein austarierte künstlerische Erzählung begreift, in der Literatur und Musik einander in einen lebendigen Dialog treten. Unter dem Titel „Liebespaare in Mythos und Musik“ verbinden die Camerata Musica Reno und der Schriftsteller Michael Köhlmeier ihre Kräfte zu einer Symbiose, die jene Geschichten in den Mittelpunkt rückt, die seit Jahrhunderten das kulturelle Gedächtnis prägen: die großen Erzählungen der Liebe.

Liebespaare in Mythos und Musik
Michael Köhlmeier liest über die großen Erzählungen der Liebe.Julienne Speckle

Dabei folgt das Projekt keinem linearen Ablauf, sondern entfaltet sich als dramaturgisch gestalteter Spannungsbogen, in dem Köhlmeier mit seiner unverwechselbaren Erzählkunst Figuren aus Mythos und Literatur neu beleuchtet, ihre Konflikte verdichtet und ihre Schicksale in eine Gegenwart holt, die ihnen überraschend nah ist. Odysseus und Penelope erscheinen dabei ebenso wie Romeo und Julia, deren tragische Verbindung seit Generationen als Inbegriff jugendlicher Leidenschaft gilt, bevor Köhlmeier den Bogen in eine sehr persönliche Dimension schlägt und die Geschichte seiner eigenen Eltern erzählt – leise, präzise und von jener Authentizität getragen, die große Literatur auszeichnet.

„Tristan und Isolde“

Parallel dazu entfaltet die Camerata Musica Reno unter der Leitung von Tobias Grabher ein musikalisches Panorama des 19. Jahrhunderts, das die erzählten Geschichten kommentiert, vertieft und mit eigenen Ausdrucksformen weiterführt. Der Auftakt mit Berlioz’ „Chasse royale et orage“ aus Les Troyens eröffnet eine klanglich farbige Welt, die unmittelbar an die Mythen des Trojanischen Krieges anschließt, während Bellini und Gounod Shakespeares berühmtem Liebespaar eine musikalische Stimme verleihen, die zwischen lyrischer Innigkeit und dramatischer Zuspitzung oszilliert.

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Mit Wagners „Tristan und Isolde“ erreicht der Abend einen Höhepunkt, in dem sich musikalische Spannung und existenzielle Sehnsucht nahezu unauflöslich miteinander verbinden, ehe Massenets „Werther“ jene fein austarierte Balance zwischen innerer Zerrissenheit und zarter Empfindung hörbar macht, die die Romantik bis heute prägt. So entsteht ein vielschichtiger Resonanzraum, in dem sich unterschiedliche Epochen und Stile begegnen und zugleich die universelle Erfahrung von Nähe, Verlust und Verlangen sichtbar wird.

Die Kraft der Liebe

Die Camerata Musica Reno, ein junges Ensemble, das sich seit seiner Gründung rasch als prägender Klangkörper der Region etabliert hat, verfolgt mit dieser Osterproduktion konsequent das Ziel, Musik in größere kulturelle Zusammenhänge einzubetten und ihr eine erzählerische Dimension zu verleihen, die über das reine Hören hinausgeht. „Liebespaare in Mythos und Musik“ ist damit weit mehr als ein Konzert: Es ist ein Abend, der zeigt, wie tief Literatur und Musik ineinandergreifen können, wenn sie sich derselben Frage widmen, jener nach der Kraft der Liebe, die seit jeher Ursprung der größten Geschichten ist und doch immer wieder neu erzählt werden muss.