Gegen die Urgewalt Wasser und den Strom

Vorarlberg / 24.07.2013 • 21:36 Uhr
Arno Scharler wirft den Wurfsack mit einem 25 Meter langen Seil exakt zu der zu rettenden Person. Fotos: L. Berchtold
Arno Scharler wirft den Wurfsack mit einem 25 Meter langen Seil exakt zu der zu rettenden Person. Fotos: L. Berchtold

Sie lesen das Wasser und machen es sich bei der Rettung zunutze: die Wildwasserretter.

Bezau. Es ist heiß, fast windstill, und ein Sprung in die glasklare, eisblaue Bregenzerach verspricht Abkühlung. Ein kurzer, steiler Abstieg über Felsbrocken nach der Galerie zwischen Bezau und Reuthe, und wir stehen an der sogenannten Rauen Klause, in Kajakkreisen auch als „Nadelöhr“ bekannt. „Wir haben wunderschöne Wildbadeplätze, die zum Baden einladen“, sagt Arno Scharler, Landesreferent der Wildwasserrettung. Aber man müsse sich bewusst sein, dass die Aufsichtspflicht in einem Fließgewässer wie der Bregenzerach höher ist als in einem Freibad, mahnt der 51-Jährige. „Kinder spielen am und im Fließgewässer. Ein Schritt zu weit, und die Strömung nimmt das Kind mit.“ Und wie stark die Strömung für Ungeübte ist, veranschaulichen die Wildwasserretter: Zwei Retter versuchen den Fluss zu queren. Einer treibt – mit dem klassischen Kraulstil – über zehn Meter weit ab. Der zweite schafft die Querung mit nur zwei Metern Verlust. „Er ist gegen die Strömung versetzt geschwommen und konnte die Wasserkraft optimal nutzen“, erklärt Scharler. An insgesamt acht Stützpunkten von Bregenz bis Bludenz sind die Wildwasserretter für den Ernstfall einsatzbereit.

Einmal pro Woche treffen sich die rund 25 aktiven der insgesamt 70 Mitglieder der Wildwasserrettung Bregenzerwald zum Training. „Im Winter trainieren wir im Hallenbad“, sagt er. Unter den Ehrenamtlichen sind auch Abteilungsleiter Michael Schneider (33), Claudio Kohler, Daniel Devich und Richard Devich. Die beiden Letztgenannten springen sogleich beherzt ins kalte Nass, klettern am gegenüberliegenden steilen Felsen einige Meter hoch und üben eine mögliche Rettung mit Sprung von unwegigem Gelände. Mit dem Wurfsack üben sie Bergungen aus Fließgewässern. „Bei einem Einsatz im Winter, beispielsweise der Suche nach einer vermissten Person, kann der Retter dank Neoprenanzug, Handschuhen und Canyoning-Schuhen rund zwei bis drei Stunden im fünf bis sechs Grad kalten Wasser arbeiten“, fügt Scharler hinzu. Mit dem kleinen Raft – einem aufblasbaren Kanadier mit abgeflachtem Bug – können zwei Wildwasserretter einen Verunglückten aufnehmen.

Sechs Einsätze und 13 Nachbarschaftshilfen mit rund 220 Einsatzstunden leisteten die Bregenzerwälder nach dem 144-Notruf im Jahr 2012. Hinzu kommen Erste Hilfe und Bäderüberwachung. Im Einsatz greifen weitere Rettungsorganisationen wie die Bergrettung mit dem Hubschrauber in die Rettungskette ein. Das wird einmal im Jahr trainiert. Und dass der Fun-Faktor bei Übungen auf jeden Fall nicht zu kurz kommt, demonstriert Richard Devich mit einem Luftmatratzen-Ritt auf einer Welle.

Ein Schritt zu weit und die Strömung nimmt das Kind mit.

Arno Scharler Einsatzleiter
Ein spaßiger Teil der Übung: Mit der Luftmatratze, auf der eine zu rettende Person transportiert werden kann, auf einer Welle surfen.
Ein spaßiger Teil der Übung: Mit der Luftmatratze, auf der eine zu rettende Person transportiert werden kann, auf einer Welle surfen.
Die Wildwasserretter springen vom Felsen direkt zur Einsatzstelle.
Die Wildwasserretter springen vom Felsen direkt zur Einsatzstelle.

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