Das Comeback für die krumme Gurke und Co.

18, Eichenberg
Sicher, das ist deswegen ja nicht schlecht. Eine gerade oder krumme Form sagt nichts über die Qualität der Ware aus. Solange sie nicht irgendwo zerdrückt ist, kümmert mich die Form nicht.
Sie haben Hagelschläge, sind krumm gewachsen – na und? Sie sind einzigartig.
Schwarzach. Ein nasskalter Frühling. Seit Wochen hochsommerliche Witterung. Für Landwirte ist das bisherige Jahr wettertechnisch eine absolute Herausforderung. „Unsere Kartoffeln sind heuer viel kleiner gewachsen. Die Pflanzen haben im Frühjahr aufgrund der starken Nässe nicht genügend tiefe Wurzeln gebildet. Jetzt kommen sie bei Trockenheit nur unzureichend an Feuchtigkeit“, erklärt der Koblacher Landwirt Jürgen Meusburger (33).
In seinem Hofladen werden diese zu kleinen und nicht der Norm entsprechenden Kartoffeln als Klasse-2-Kartoffeln günstiger verkauft. „Diese Kartoffeln verkaufen sich gut. Unsere Kunden zeigen großes Verständnis, dass die Größe aufgrund der Witterung heuer kleiner ausfällt.“ Auch hätten, so Meusburger, Kunden, die beim Bauern einkaufen, kein Problem damit, wenn Gurken etwas krummer geraten sind oder Karotten zwei Beine hätten. „Die Erzeugnisse werden trotzdem gekauft. Wichtig ist, dass die Präsentation der Produkte ansprechend ist.“ Genießbares Obst und Gemüse wird nicht immer perfekt in Form, Größe und Aussehen – sprich normenkonform – vom Feld geerntet. So bietet der Schweizer Handelskonzern Coop seinen Kunden eine neue Produktlinie an: „Ünique“ soll künftig in den Regalen einen festen Platz erhalten. Gestartet wurde mit verhagelten Aprikosen – ideal für Marmelade. Folgen sollen laut Coop „dreibeinige Rüebli, krumme Gurken und übergroßer Blumenkohl“, denn der Konsument zeige immer mehr Verständnis für die „Auswüchse“ der Natur.
Ein neuer Weg gegen Verschwendung von Lebensmitteln, für ein Umdenken bei Konsumenten. Seit 2009 ist die EU-Gurkenkrümmungsverordnung abgeschafft. Valentin Thurn, Autor und Dokumentarfilmer von „Taste the waste“, prangert die Verschwendung von nicht konformen Lebensmitteln an. „Die Verpackungsmaschinen sind auf bestimmte Größen eingestellt, das Gemüse muss in die Kiste passen und die Kiste auf die Palette des Lastwagens.“ Rund ein Drittel des produzierten Gemüses schafft laut dem Magazin „Bio“ in Industrieländern den Weg vom Feld zur Verkaufsstelle nicht.
Bucklige Äpfel in Vorarlberg?
Bei Spar Österreich setzt man sich laut Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann mit dem Thema Verwertung der Erzeugnisse mit kleinen Schönheitsfehlern auseinander. „Unsere Einkäufer und Sortimentsmanager befassen sich schon länger mit dem Thema. Es laufen derzeit Tests in einigen Spar-Märkten in Österreich, wie das nicht ganz perfekte Obst und Gemüse beim Kunden ankommt.“ Man müsse, so Berkmann, auch die Relation sehen: 75 Prozent der Ernte eines Gemüsebauers seien Klasse-1-Produkte. „Rund fünf Prozent sind schöne Früchte mit unterschiedlicher Größe. Diese kommen etwa in die Produktion von Suppentassen oder Suppengrün. Weitere zehn bis 20 Prozent kommen in die Drittverwertung für Saftproduktion, Tiernahrung und Stärkeproduktion.“
Hofmärkte und Wochenmärkte seien weitere Abnehmer. Ungefähr fünf Prozent des Obstes und Gemüses seien nicht verwertbar, weil sie faulig, verdorben oder sehr stark fehlerhaft sind. „Dies wird dann etwa einer Biogasanlage zur Verwertung zugeführt“, zeigt sie auf. „Wir sind gespannt auf die Entwicklung der neuen Produktlinie von Coop Ünique und werden das genau beobachten“, sagt Philipp Giselbrecht, Marketingleiter bei Sutterlüty. Man sei schließlich ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen und wolle daher auch so wenig wie möglich wegwerfen. Auch will man die Umsetzung so einer Produktlinie bei Sutterlüty intern diskutieren. „Bislang konzentrieren wir uns verstärkt in der Region auf die Vernetzung der Partner.“
So wie Coop die Marillen unter dem Label „Ünique“ günstig zum Einkochen anbiete, „vernetzt Sutterlüty seine regionalen Obst- und Gemüsebauern mit unseren in Vorarlberg ansässigen Produzenten von Marmeladen, Pestos und Säften“.

31, Rankweil
Auf jeden Fall. Das Gemüse ist ja trotzdem genießbar und gut. Außerdem bin ich gegen das Wegwerfen von nicht normkonformem Gemüse. In meinem Garten wächst auch krummes Gemüse.

64, Bregenz
Krummes Gemüse oder Obst würde ich selbstverständlich kaufen, man kann es ja auch nicht einfach wegschmeißen. Das Wichtigste ist für mich, dass die Ware in Ordnung ist, ob krumm oder gerade.

47, Hohenems
Ja, würde ich sicher kaufen. Solange es weiterhin gesund ist, habe ich kein Problem mit krummem Gemüse oder Obst. Genormtes Gemüse oder Obst kann ja auch gar nicht so gut schmecken.

30, Lauterach
Logischerweise, ja. Zu Hause im Garten wächst das Gemüse auch oft krumm. Wieso also nicht auch in den Supermärkten abnormes Gemüse kaufen? Man muss der Vielfalt eine Chance geben.
