Die Partnerschaft mit „Meister Petz“

Vorarlberg / 07.08.2013 • 19:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Umfangreiche Bären-Infokampagne in Graubünden. In Vorarlberg „wären wir bereit“.

Schwarzach. „Bärig“ würde Schnulzenbarde Hansi Hinterseer wohl das nennen, was sich im Schweizer Kanton Graubünden abspielt. Und das wortwörtlich. Denn dort wird die Bevölkerung seit einiger Zeit massiv auf ein Leben mit „Meister Petz“ eingestimmt. Acht Braunbären zogen dort in den letzten acht Jahren durch die Gegend, rissen auch Nutztiere und machten sich über Abfallbehälter her. Grund genug für die Verantwortlichen, eine umfangreiche Informationsoffensive zu starten. Mittels Merkblättern und wissenschaftlich fundierten Broschüren werden Jäger, Bauern, Camper und ganz gewöhnliche Graubündner auf eine dauerhafte Koexistenz mit den riesigen Pelztieren vorbereitet.

Merkblätter

Die Merkblätter nennen sich „Bär und Abfall“, „Bär und Nutztiere“ oder „Bär und Bienenhäuser“. Darüber hinaus gibt es eine Menge zusätzlicher Informationen über den seit 2005 im Kanton wieder ansässigen zotteligen Mitbewohner. Verantwortlich für die Info-Kampagne ist das Amt für Jagd- und Fischerei Graubünden, welches auch als Auftraggeber für die von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zum Thema erstellte Broschüre in Erscheinung trat. Man wolle dem Bär in Graubünden noch eine Chance geben, heißt es bei unseren Schweizer Nachbarn. Dazu sind jedoch eine Menge von Maßnahmen notwendig. „Die müssen gemeinsam von Gemeinden, Kanton und Bund getragen werden“, stellt Regierungsrat Mario Cavigelli klar. Der Bund müsse sich mit Italien auf den Umgang mit Problembären verständigen. Dazu brauche es Maßnahmen für die Landwirtschaft, für Jäger, Camper und gewöhnliche Bewohner.

Bärentauglich

So sollen etwa Camper nicht in derselben Kleidung schlafen, in der sie gekocht haben. Der Ess- oder Grillplatz sollte eine gewisse Distanz zum Zelt aufweisen. Zum Verzehr empfiehlt sich für Camper möglichst fettarme Kost. Fetthaltige Speisen ziehen die Bären an. Zum Schutz von Nutztieren in der freien Natur empfehlen die Experten u. a. die Errichtung von Elektrozäunen und die Bewachung von Tierherden durch Herdenschutzhunde. Ein besonders beliebtes Ziel bei Futterstreifzügen sind für die Bären Bienenhäuser. Gerne plündern sie Waben mitsamt Brut und demolieren dabei ganze Zargen. Auch zum Schutz der Bienen hilft die Errichtung eines Elektrozaunes. Ebenfalls in die Pflicht genommen wird die Abfallwirtschaft. Es kam bereits zur Aufstellung von „bärenunzugänglichen“ Abfallbehältern entlang von Landstraßen.

Noch bärenlos

Sehr wohl wahrgenommen werden all diese Aktivitäten im nicht weit entfernten Vorarlberg. Zu sofortigen Reaktionen sieht man sich aber bei uns nicht gezwungen. Wildbiologe Hubert Schatz (48): „Im Grenzbereich haben wir weit und breit noch keinen Bären entdeckt. Maßnahmen würden derzeit auf wenig Verständnis stoßen.“ Dennoch beobachte man die Lage und sei auch ständig mit den Schweizer Experten in Kontakt. „Es könnte ja schnell gehen, dass auch bei uns wieder ein Bär auftaucht“, ist Schatz bewusst. Allerdings sei er vor einigen Jahren noch ausgelacht worden, als er für Alphütten die Anwendung eines bärensicheren Abfallsystems empfahl. Dabei liegt die Präsenz eines Bären bei uns gar nicht so lange zurück: Im Jahre 2006 stattete „Problembär“ Bruno dem Montafon einen Besuch ab. Wenig später wurde er in Bayern erschossen.

Die Partnerschaft mit „Meister Petz“

Begegnung mit Bären: Verhaltensregeln

» Bleiben Sie ruhig stehen und versuchen Sie die Situation zu erfassen.

» Machen Sie mit möglichst natürlichem Reden auf sich aufmerksam. Versuchen Sie auf keinen Fall sich dem Bären zu nähern. Ziehen Sie sich langsam zurück – niemals rennen! Vermeiden Sie alles, was der Bär als Bedrohung auffassen könnte (mit einem Stock rumfuchteln, Steine werfen, schreien etc.). Verzichten Sie darauf, einen Bären zu fotografieren. Verfolgen Sie niemals einen Bären, der sich zurückzieht.

» Besonders gefährlich: Bärin mit Jungtieren; verletzter Bär; Bär, der beim Fressen gestört wird; Bär, dem ein Hund zu nahe kommt.