Sozialaktion bald obdachlos?

Vorarlberg / 26.08.2013 • 19:28 Uhr
Elmar Stüttler versorgt mit 260 Ehrenamtlichen zu Spitzenzeiten fast 1600 Menschen in Vorarlberg mit Lebensmittel, die sie gegen Bezugskarten gratis abholen dürfen. Foto: VN/Hartinger
Elmar Stüttler versorgt mit 260 Ehrenamtlichen zu Spitzenzeiten fast 1600 Menschen in Vorarlberg mit Lebensmittel, die sie gegen Bezugskarten gratis abholen dürfen. Foto: VN/Hartinger

„Tischlein deck dich“ – aber wo? In Bludenz sucht Sozialaktion seit Langem neues Quartier.

Bludenz. Die „Option für die Armen“ ist das zentrale Thema der Katholischen Kirche, seit zum ersten Mal nach über 1200 Jahren ein Nichteuropäer in die Schuhe des Fischers schlüpfte. Arme waren dem Erzbischof von Buenos Aires seit jeher ein Anliegen. Auf einer Pressekonferenz betonte Papst Franziskus konsequenterweise, er wünsche sich „una Chiesa povera per i poveri“ – eine arme Kirche für die Armen.

Aber wie sieht es im Alltag aus, wenn das theologische Prinzip der Option für die Armen, das in den 1960er- und 1970er-Jahren in der Theologie der Befreiung wiederentdeckt wurde, manifest wird? Wenn es etwa Füße hat, die in schmutzigen Schuhen stecken? Wenn es Woche für Woche ganz konkrete Eindrücke hinterlässt?

Langwierig bis aussichtslos

Dann wird es zäh. Russ-PreisTräger Elmar Stüttler weiß das. Seit zwei Jahren sucht er in Bludenz nach einer neuen Ausgabestelle für sein Projekt „Tischlein deck dich“. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab – vielleicht. Denn ähnlich wie in Bregenz sind geeignete Plätze äußerst rar.

Montag, 16 Uhr. Vor der ehemaligen Textilfabrik Burtscher warten schon Kunden. Im ganzen Land versorgt Stüttlers Initiative derzeit 420 Familien mit Lebensmitteln nahe am Ablaufdatum, in Bludenz rund 100. Die Halle hier ist ideal. Aber sie wird in ein paar Monaten Wohnbauten weichen. Die 80-jährige Hilde Girardi, die mit 17 anderen Helfern die Lebensmittel ausgibt, bedauert das sehr. Ihre Kunden verteidigt sie: „Die sind nicht wählerisch, die sind einfach nur dankbar.“ Viele Familien mit fünf bis sieben Kindern sind darunter.

Stüttler hat sein Glück schon an manchen Orten versucht. Im Saal der Pfarre Bürs etwa. Aber der Pfarrkirchenrat war dagegen. Dekan Peter Haas weiß auch warum: „Die haben einen Teppichboden drinnen. Wenn da eine Tomate drauf fällt . . .“ In seiner Bludenzer Pfarre Hl. Kreuz liegen die Dinge ähnlich. „Wir haben den Pfarrsaal neu gebaut. Dort liegt jetzt Parkettboden.“ In Bürs fehlten zudem die Parkplätze, aber vor allem „die erhebliche Belastung durch Schmutz“ hebt er hervor.

Elmar Stüttler suchte weiter. Eine Bludenzerin bot ihm in der Stadtmitte ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude an, das von einem Bediensteten der Stadt gutgeheißen wurde. Die Pressestelle der Landesregierung gab am Montag bereits den Umzug der Hilfsaktion und 16.000 Euro Unterstützung bekannt. Leider zu früh. Inzwischen stellte sich das Dach als irreparabel heraus. Heute gilt ein Betretungsverbot. Elmar Stüttler hat noch eine vierte Option im Auge. Wo das ist, will er noch nicht sagen. Immerhin hat ihm Dekan Haas inzwischen seine Hl. Kreuz Kirche als Übergangslösung angeboten, „wenn es nicht anders geht“. Gleichzeitig bringt er auch noch das Bludenzer Stadion als möglichen Ausgabeort ins Spiel: „Unter der Tribüne wäre viel Platz.“

Stüttlers Bregenzer Ausgabestelle befindet sich übrigens lange schon in der Pfarre St. Gebhard – überdacht, aber im Freien. Die Ausgaben dauern oft drei, vier Stunden lang. „Im Winter ist das einfach saukalt. Aber Alternativen gibt es nicht.“

Ausgabestellen

» Bludenz: Spitalgasse 24, jeden Montag von 16 bis 18 Uhr

» Feldkirch: Kapuzinerkloster, jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr

» Götzis: vor dem Pfarrzentrum, jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr

» Dornbirn: Kolpinghaus, jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr

» Bregenz: vor der Kirche St. Gebhard, jeden Freitag von 16 bis 19 Uhr