,,Bürgermeister“
Bürgermeister gibt es viele, für die Sozialdemokraten ist ein ganz bestimmter „der“ Bürgermeister: Fritz Mayer. Auch wenn am kommenden Freitag sein Todestag bereits 25 Jahre zurückliegt, ist er nicht nur auf dem nach ihm benannten Bahnhofplatz in der Erinnerung vieler Bregenzerinnen und Bregenzer immer noch präsent.
Fritz Mayer lag es im Blut, sich neben seiner beruflichen Tätigkeit als Bauingenieur bei den Vorarlberger Illwerken für die SPÖ politisch zu engagieren. 1967 übernahm er im Bregenzer Stadtrat das Baureferat und bekam bald mit der Autobahndiskussion eine historische Chance. Nach jahrelangen Diskussionen über die Trassenführung in Bregenz hatten sich Bund, Land und Stadt auf die sogenannte Unterflurvariante geeinigt. Unter maßgeblicher Beteiligung der VN mobilisierte eine Bürgerinitiative für ein freies Bodenseeufer gegen diese Pläne, und bei der Landtagswahl 1969 bekam die ÖVP die erste Rechnung präsentiert, sie konnte ihre Mehrheit nur noch hauchdünn retten.
Ein halbes Jahr später trug der Anschluss Mayers an die Protestbewegung bei der Gemeindewahl in Bregenz Früchte. Die ÖVP und ihr seit 1950 regierender verdienstvoller Bürgermeister Karl Tizian stürzten von 58 auf 41 Prozent ab. Mit 36 Prozent Stimmenanteil der SPÖ und der Unterstützung der FPÖ wurde Fritz Mayer 1970 zum Bürgermeister gewählt und errang fünf Jahre später die absolute Mehrheit, die er dann von Wahl zu Wahl weiter ausbaute. Statt der Unterflurautobahn kam der Pfändertunnel, und zahlreiche jahrelang blockierte Bauvorhaben konnten in Angriff genommen werden, was das Gesicht der Stadt stark veränderte.
Wäre er dem Ruf Kreiskys nach Wien gefolgt, dann wäre Fritz Mayer wohl auch ein tatkräftiger Bautenminister gewesen. Er blieb aber lieber in Bregenz und ließ auch die Chance vorüberziehen, in den Vorstand der Illwerke zu wechseln. Wohl aber übernahm er 1972 ein Landtagsmandat und später auch noch die Funktion des SPÖ-Landesparteiobmannes. Für den „Macher“ Fritz Mayer war die einflussarme und zerstrittene Landespartei allerdings kein guter Boden. Bei einem Landesparteitag ohne Gegenkandidaten mit lediglich 64 Prozent wiedergewählt zu werden, war eine herbe Enttäuschung. Nach seinem Tod wurde sichtbar, was die Bregenzer SPÖ an Fritz Mayer hatte. Ohne ihn ging 1990 die Mehrheit wieder verloren, das Stadtoberhaupt wird seither wieder von der ÖVP gestellt.
„Der Bürgermeister“ ist übrigens auch der Titel eines Buches, mit dem seine Tochter Iris 1995 eine sehr persönliche Spurensuche unternahm.
juergen.weiss@vn.vol.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
Die VN geben Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern.
Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.
Kommentar