Priesterinnen eine Frage der Zeit

Vorarlberg / 12.09.2013 • 20:46 Uhr
Georg Meusburger und Anton Bereuter im Gespräch: „Kirche hat wieder Zukunft.“ Foto: Stiplovsek
Georg Meusburger und Anton Bereuter im Gespräch: „Kirche hat wieder Zukunft.“ Foto: Stiplovsek

Mit Georg Meusburger und Anton Bereuter treten zwei Parade-Seelsorger ab.

Bregenz, Hard. Fast möchte man schreiben: Da gehen zwei alte Haudegen in Pension. Dabei lag Georg Meusburger und Anton Bereuter zeitlebens nichts ferner, als Radau zu machen. Getauft haben sie, verheiratet und beerdigt. Tausende Katholiken. Der eine in Hard, der andere in Bregenz St. Gallus. Und jetzt ist Schluss. Irgendwie.

Denn ganz in Pension gehen Pfarrer ja nicht einmal mit 75. Georg Meusburger hat in seinem neuen Wirkungsbereich von Egg-Großdorf aus schon mal drei erste Termine notiert. Und Anton Bereuter wird nach dem Umzug in die Riedergasse künftig „mithelfen“, zum Beispiel das Archiv auf Vordermann bringen.

Manche Durststrecken

Sind sie nicht müde? Doch, irgendwie schon, nickt Bereuter bedächtig. „Fit wie ein Turnschuh“, sprüht es aus Meusburgers Augen. Die zwei haben schon als Kapläne zusammen Predigten geschrieben. Und manche Durststrecke überstanden. Als der Schwung des II. Vatikanischen Konzils verpuffte, zum Beispiel. Damals zogen nacheinander gut 20 Mitbrüder das Priestergewand wieder aus. In Lochau begrüßten Pfarrer und Pfarrers Köchin den jungen Georg Meusburger unisono mit den Worten: „Wir haben schlechte Erfahrungen mit Kaplänen.“ So willkommen war er also.

Bereuter denkt an die wiederverheirateten Geschiedenen, denen er und Georg Meusburger „selbstverständlich“ die Kommunion nie verweigert haben. Und er sieht auch Bischof Klaus Küng noch vor sich sitzen: „Der hat mir damals ordentlich zusetzen wollen.“ Überhaupt haben die Obrigkeiten so ihre Spuren hinterlassen. Zwei Mal wurde Georg Meusburger nach Feldkirch zitiert. Einmal hatte er es 1988 gewagt, gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerin Barbara Krämer am Altar zu stehen. „Sie hat Abendmahl gefeiert, und ich hab die Kommunion ausgeteilt.“ Die Diözese hat durchgedreht, erinnert sich Meusburger. „Glaubt ihr denn wirklich, dass Jesus da nicht gegenwärtig war?“, hat er den Bischof Wechner und seinen Generalvikar gefragt. Na, mehr hat es nicht gebraucht. „Wie ein Schulbub“ sei er sich vorgekommen. Ein andermal hat eine Kirchenbesucherin ihn bei Bischof Klaus verpetzt, weil ein Harder Ministrant mit sichtlichem Vergnügen im Gottesdienst den Kelch leertrank. „Das war nur widerwärtig.“

Heute hat sich vieles verändert. „Seit Papst Franziskus auf die Loggia des Petersdomes trat und sein ,Guten Abend‘ sagte, hör ich nix Negatives mehr über die Kirche.“ Georg Meusburger sagt es mit Staunen. Gewiss: Noch immer treten Menschen aus der Kirche aus, die Reihen der Messbesucher sind schütter. Aber Kirche „ist wieder verständlich geworden“. Sie mischt sich in die Politik ein. „Der Papst ruft Obama, Putin, Assad an“, wirft Bereuter ein. Kirche hat wieder Zukunft.

In Zukunft Priesterinnen

Wie wird sie in 15, 20 Jahren aussehen? Mit verheirateten Priestern? „. . . und mit Frauen im priesterlichen Dienst.“ Da sind sich beide sicher. Denn „jede Gemeinde braucht ihren Priester, ob verheiratet oder nicht“, betont Bereuter. Und Frauen am Altar sind nicht zuletzt „eine Frage der Gleichberechtigung“, ergänzt sein Gegenüber. „Eine Oberin in einem Frauenkloster etwa darf alles tun, nur nicht die Wandlungsworte sprechen. Das ist unsinnig.“

Aber dann würde es über kurz oder lang ja irgendwann auch eine Päpstin geben, oder? Da stutzen beide. Und dann beginnt Bereuter zu lachen und fragt: „Warum denn auch nicht?“ Hätte ihr Lebenskonzept anders ausgesehen, wenn es den Zölibat nicht gegeben hätte? Da sagen beide Seelsorger: „Ja.“

„Für uns zu spät“

Sie sind sich sicher, dass die katholische Kirche ihre Sicht von Familie revidieren wird. Patchwork-Familien, Alleinerzieher, Geschiedene, homosexuelle Partnerschaften und Ehen ohne Trauschein – „das alles ist Realität“. Und Bereuter sieht die Kirche keineswegs chancenlos, sondern hoffnungsfroh in dieser multikulturellen Gesellschaft. Schon in den ersten Jahrhunderten seiner rasend schnellen Verbreitung habe das Christentum bewiesen, dass es sich in neue Kulturen einbringen kann, ohne sie zu zerstören. Diese Herausforderung ist wieder da. Und wenn die beiden Pfarrer nach einem erfüllten Arbeitsleben eines bedauern, dann das: „Dieser Wandel mit neuem Bischof und neuem Papst hätte ruhig ein bisschen früher kommen können . . .“