So feierte Bezau den Palmsonntag

VN / 01.04.2026 • 12:32 Uhr
Organisatorin Beate Metzler mit Magdalena und Däta Georg (li.), Emma und Mama Sarah sowie Linus mit Däta Lukas (re.)
Organisatorin Beate Metzler mit Magdalena und Däta Georg (li.), Emma und Mama Sarah sowie Linus mit Däta Lukas (re.)peter strauss

Im Museum wird an längst vergangene Tradition erinnert, Erstkommunionkinder im Mittelpunkt

Bezau “Am Land” wird christliches Brauchtum oft noch nach alter Tradition gepflegt. Seit in Bezau das Museum erweitert und neugestaltet wurde, ist dort auch ein ganz spezielles Exponat zu sehen: ein Palmesel, der schon vor mehr als 600 Jahren im Mittelpunkt der Palmprozession stand. Das behutsam restaurierte Kunstwerk – eines der ganz wenigen erhaltenen derartigen Dokumente aus früherer Zeit – wird längst nicht mehr auf der Palmprozession mitgeführt, das wurde von Kaiser Josef II. (1741–1790) untersagt, weiß Museumsleiterin Theresia Fröwis über das seltene Ausstellungsstück zu erzählen.

Im Bezauer Museum zeugt einer der wenigen hölzernen Palmesel, der die vom Kaiser verfügte Vernichtung „überlebte“ vom jahrhundertelang gepflegten Palmsonntags-Brauchtum.
Im Bezauer Museum zeugt einer der wenigen hölzernen Palmesel, der die vom Kaiser verfügte Vernichtung “überlebte”, vom jahrhundertelang gepflegten Palmsonntagsbrauchtum.

Schon im 10. Jahrhundert

Erstmals erwähnt wurde der Palmesel, dessen Tradition weit zurückreicht, in der “Vita Sancti Udalrici” des Hl. Ulrich, Bischof von Augsburg, der von 890 bis 973 lebte. Im Mittelalter entstanden daraus Passionsspiele, meist mit lebenden Tieren. Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden in Österreich, im Elsass, in Bayern und Schwaben geschnitzte Esel – aus dieser Zeit dürfte auch der Bezauer Museumsesel stammen. Der Holzesel wurde zunächst mit zwei Stangen getragen, später auf Rädern montiert.

In einer gemeinsamen Aktion – meist mit Vater oder Göti – bastelten Bezauer Erstkommunionkinder prächtige Palmbuschen, die sie im Sonntagsgottesdienst stolz präsentierten. PETER STRAUSS   
In einer gemeinsamen Aktion – meist mit Vater oder Göti – bastelten Bezauer Erstkommunionkinder prächtige Palmbuschen, die sie im Sonntagsgottesdienst stolz präsentierten. PETER STRAUSS

“Bei den Palmeseln”, so die Recherchen der Museumsleiterin, “die bei den Palmprozessionen in vielen Gemeinden mitgeführt wurden, konnte die Christus-Figur abgenommen werden und der Mesner hat nach der Prozession Kinder gegen ein kleines Entgelt auf dem Holzesel reiten lassen, um sich damit ein kleines Zubrot verdient.”

Der Palmesel wurde nicht nur verboten, sondern sollte vernichtet werden. Verbrennen, in Seen versenken oder zu Brennholz zerhacken – einfach vernichten”, so die Museumsleiterin, die froh darüber ist, dass das Museumsexponat dieser Anordnung entgangen ist.

Ein Hittisauer als “Rebell”

“Schon zur Zeit Luthers”, so Fröwis, “wurde durch die Reformation der Palmesel verbannt. Die Katholiken hielten hingegen an diesem Ritual fest, bis Kaiser Josef II. auch in katholischen Ländern ein Verbot erließ und die Vernichtung der hölzernen Esel verfügte. Ein Hittisauer hat sich dem wohl widersetzt und hat die angeordnete Zerstörung ignoriert. Die Existenz des Bezauer Museumsstücks lässt sich bis 1891 zurückverfolgen. Damals kam das wertvolle Stück beim Bau der Hittisauer Kirche zum Vorschein und wurde von Josef Rädler erworben. Seine Enkelin Josefine brachte 1955 den Palmesel, der ‚vom Giebel gefallen und dabei beschädigt wurde‘, zum Bezauer Antiquitätenhändler Tichy, der das Kunstwerk reparierte. Von ihm kam der hölzerne Palmesel ins Museum.

Palmsonntag heute

Mit dem Palmesel im Museum hat das heutige Ritual nichts mehr zu tun – die Bezauer Pfarrfamilie stellt vielmehr seit vielen Jahren die Erstkommunionkinder in den Mittelpunkt, wie Beate Metzler, die diese Aktion koordiniert, erläutert.

“Die Mädchen und Buben, die heuer zur Erstkommunion kommen, haben sich bereits Anfang März in einem Gottesdienst vorgestellt, der Palmsonntag ist eine willkommene Gelegenheit zur neuerlichen Präsentation. Die Kinder, die Palmbuschen tragen, ziehen dabei gemeinsam mit dem Pfarrer und den Ministranten in die Kirche ein. Witterungsbedingt musste dieser Einzug entfallen, es fand stattdessen nur ein Umgang in der Kirche statt.”

Erlebnisreicher Bastel-Nachmittag

“Das besondere Erlebnis für die Kinder gab es schon am Vortag: Da wurden die Palmbuschen gemeinsam mit Vätern oder Götis, vereinzelt auch mit Müttern, gebastelt”, so Beate Metzler, die nach der Aktion die Mädchen und Buben zum Erinnerungsfoto bat. Ein Imbiss, den sich die kleinen Handwerkerinnen und Handwerker redlich verdient hatten, beschloss die Aktion. STP