Landesbibliothek viel zu klein

Die Landesbibliothek ist hübsch anzuschauen, aber inzwischen viel zu klein und veraltet.
Bregenz. Hübsch thront die Landesbibliothek über Bregenz. Das Schlösschen Babenwohl reckt seine Zinnen in die Höh’. Die ehemalige Klosterkirche am anderen Ende des Ensembles beherbergt noch immer Vorarlbergs prunkvollsten Lesesaal. Die Landesbibliothek kann sich sehen lassen. Genau das ist ihr Problem. Denn was keiner sieht: Das zentrale Gedächtnis des Landes platzt aus allen Nähten. Die Hälfte der Bücher steht heute im Depot. Zeitungen werden neben Wassertanks aufbewahrt. Kulturgüterschutz sieht anders aus. Thomas Feurstein fährt mit dem Lift in den Keller. Dort lagern Zigtausende Bücher in hohen Rollschränken. Um an die oberste Buchreihe zu gelangen, muss er die große Leiter um ein paar Ecken manövrieren. Das geht zulasten des Schienbeins, aber Feurstein kennt das schon.
„Hier oben“, sagt er, „stehen Erstausgaben von Franz Michael Felder.“ Klar würde er das literarische Bregenzerwälder Aushängeschild aus dem 19. Jahrhundert gerne im Kuppelsaal ausstellen. Geht aber nicht. Es fehlt der Platz. Die Landesbibliothek umfasst heute 470.000 Bände. Als sie 1986 in ihr heutiges Zuhause im Bregenzer Gallusstift einzog, war der Bestand nur halb so groß. Allein die Zahl der Vorarlbergensien hat sich von 16.000 Bänden 1986 auf derzeit 40.000 Bände erhöht.
Eigentlich frei zugänglich
Allein, der verfügbare Platz blieb derselbe. Deshalb stehen heute 240.000 Bücher „im Keller oder im Außendepot an der Elektra Bregenz“. Dabei ist die Landesbibliothek frei zugänglich und will es bleiben. „Man geht ans Regal und holt sich das gewünschte Buch“, sagt Direktor Harald Weigel. Das ist die Stärke seines Hauses.
„Doch unsere Infrastruktur“, das muss er zugeben, „ist 30 Jahre alt.“ Die Uni-Bibliothek Konstanz etwa bietet trotz laufendem Umbau derzeit 1000 Arbeitsplätze für Besucher an. In Bregenz sind zu den 64 Plätzen von 1986 bis heute keine hinzugekommen. Moderne Bibliotheksbauten wie etwa die frisch eröffnete Stuttgarter Stadtbibliothek auf dem Areal von Stuttgart 21 lädt neben dem Café LesBar in zahlreiche Begegnungsräume ein. Auch die oberösterreichische Landesbibliothek wurde bis 2009 zu einem zeitgemäßen Lernort ausgebaut.
In Vorarlberg sind die laufenden Budgets für Ankauf und EDV zwar vorbildlich. Aber die Raumfrage wird immer drängender. Wenn heute schon 2300 Gymnasiasten in 100 Gruppen jährlich Uni-fit gemacht werden, geht das nur unter erschwerten Bedingungen. Denn Seminarräume gibt es auch nicht.
240.000 Bücher stehen inzwischen im Depot, weil der Platz fehlt.
Harald Weigel, Direktor


Die Landesbibliothek und ihr ganzer Katalog stehen unter
vlb.vorarlberg.at im Internet.