Von der Piste in die Taverne

Die Ex-Skirennläuferin Stefanie Schuster
führt heute ein Lokal
in Riezlern.
Riezlern. (VN-akp) „Ich bin von den Ski zum Après-Ski gekommen“, erklärt Stefanie Schuster lachend. Die Rennläuferin gab 2002 mit 33 Jahren ihren Rücktritt vom Rennsport bekannt. Vom ÖSV wurde ihr damals eine Trainertätigkeit angeboten, aber sie zog es vor, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. In der „Taverne“, ein Après-Ski-Restaurant in Riezlern, ist die heute 44-Jährige seit elf Jahren die Chefin. Der Betrieb zählt acht Angestellte. Von Mitte Dezember bis Anfang April ist Schuster täglich im Lokal. „Der Kontakt mit Menschen gefällt mir“, erzählt sie.
Tiefen gab es in ihrer Sportkarriere mindestens so viele wie Höhen. In 13 Jahren im Weltcup war sie ebenso oft verletzt. „Meine Leidenschaft für den Sport war groß, ich stand schon als kleines Kind täglich auf Skiern. Ans Aufhören habe ich auch nach vielen Stürzen, komplizierten Brüchen und Knöchelproblemen nicht gedacht. Immer nur daran, wann ich wieder Rennen fahren kann.“ Auch ihren Mut hat die passionierte Motocrossfahrerin nie verloren. „Ich habe die Geschwindigkeit gemocht, hatte nie Angst. Eigentlich wäre ich ein Talent im Slalom gewesen. Aufgrund der fehlenden Trainingszeiten durch die Stürze habe ich mich auf die Abfahrt konzentriert“, beschreibt sie. Die Kleinwalsertalerin hat gelernt, mit Schmerzen umzugehen, und sich immer wieder zurück gekämpft. „Der Skisport hat in Österreich einen hohen Stellenwert, das gab mir viel Motivation. Geliebt habe ich auch das Reisen und den Kick des Wettbewerbs“, erklärt Schuster.
Nach 25 Jahren im Rennsport meint sie: „Ich würde es sofort wieder tun. Aber es wäre vom Können her viel mehr drin gewesen. Ich hatte viel Pech und war so oft Vierte“, blickt Schuster zurück. Wie bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano in der Kombination. Ihren größten Erfolg feierte sie mit dem Gewinn von Abfahrt-Bronze bei der WM 1999 in Vail. „Ich zog die Nummer drei bei leichtem Schneefall, und die Physiotherapeutin hatte mich vergessen. Ich war erschüttert über so viel Pech. Am Ende lief es aber richtig gut.“ Nach ihrer Rücktrittserklärung 2002 stürzte Schuster bei der österreichischen Meisterschaft erneut und verletzte sich. „Das hat den Abschied aus dem Spitzensport erleichtert.“
Wer A sagt
Für die FIS hat Schuster im „Ladys Team“ eine Aufgabe übernommen. „Wir kümmern uns um Probleme und Wünsche im Damen-Rennsport“, erzählt die Ex-Rennläuferin. Regelmäßigen Kontakt hält sie mit ihren ehemaligen Zimmerkolleginnen Anita Wachter und Renate Götschl, die ebenso zwei Kinder haben. Ihren Mann Bernhard hat die Kleinwalsertalerin 1991 in der TV-Sendung „Wer A sagt“ mit Peter Rapp kennengelernt. Und sie hat auch „B“ gesagt. 2004 wurde geheiratet. Mit ihren Kindern Matthias (9) und Romy (5) steht sie fast täglich auf der Piste. „Da fahren wir etwa mit 15 km/h“, sagt sie lachend: „Alles hat seine Zeit, und heute genieße ich die Zeit mit meinen Kindern.“

Zur Person
Stefanie Schuster
Ex-Skirennläuferin
Geboren: 19. April 1969
Wohnort: Riezlern, Kleinwalsertal
Familie: verheiratet mit Bernhard Hatzer
Kinder: Matthias (9) und Romy (5)
Beruf: Gastwirtin
Hobbys: Mountainbiken, Golf, Skifahren
Größte Erfolge: WM-Bronze Abfahrt 1999 Vail, 4. Rang Olympische Spiele Kombination 1998 Nagano, jeweils 6. Rang WM Kombination St. Anton 2001 und Morioka 1993, 3 Mal Bronze im Weltcup, 4-fache Staatsmeisterin