Ein „Mehr“ am See hätte was

Vorarlberg / 11.11.2013 • 21:02 Uhr
30 Güterwaggons „auf großer Fahrt“ – es werden noch mehr Gütertransporte werden, da sind sich die Experten einig. Foto: mehramsee
30 Güterwaggons „auf großer Fahrt“ – es werden noch mehr Gütertransporte werden, da sind sich die Experten einig. Foto: mehramsee

Gleisfreies Ufer, gleichzeitig mehr Kapazität auf der Bahn: So könnte die Zukunft aussehen.

Bregenz. Die Gründer der Genossenschaft „mehramsee“ haben die Idee eines Bodenseeufers ohne Eisenbahn ausreichend hartnäckig in den Köpfen verankert. Über Einladung des Bregenzer Bürgermeisters Markus Linhart trafen die Vorstände der Genossenschaft, Pius Schlachter und Christof Skala, mit Politikern und Planern zusammen. Mehr als viereinhalb Stunden igelten sich über 25 Köpfe im Feuerwehrhaus ein. Landesrat Karlheinz Rüdisser hatte u. a. die Verkehrsexperten Christian Rankl und Franz Schwerzler mitgebracht. Bernhard Ölz (Prisma) und Hubert Rhomberg betrachten das Thema mit Blick auf die Seestadt. An Linharts Seite saßen außer Bertl Widmer auch Vizebürgermeisterin Sandra Schoch und die Stadträte Michael Rauth und Ingrid Hopfener.

Wutbürger sehen anders aus

Worum geht es? Pius Schlachter unterstreicht zunächst, was nicht das Ziel der mittlerweile 192 Genossenschafter ist: „Wir sind keine Wutbürger.“ Und sie seien auch keine erklärten Gegner der Bahn, im Gegenteil. Die Bahn werde an Bedeutung zulegen.

Derzeit entstehen durch den Gotthard und am Brenner leistungsfähige „Gleisautobahnen“, die ab 202o jeweils 350 Güterzüge am Tag fassen können. Dass keiner der Hauptverkehrsstränge über Bregenz verläuft, heißt nicht, dass hier alles so beschaulich bleiben wird wie im sprichwörtlichen gallischen Dorf. „Die zentrale Frage lautet, wie wir unsere Güter auf diese Hauptrouten bringen können.“ Zum Zweiten braucht man nur in den Studien der Vorjahre zu blättern und findet beachtliche Zuwächse des Güterzugverkehrs auch für Bregenz. Schon 40 Güterzüge, die täglich mehr am See entlang rollen, würden die Infrastruktur überfordern. Deshalb drängt „mehramsee“ auf den zweigleisigen Ausbau der Bahn. Landesrat Karlheinz Rüdisser erhofft sich wesentliche Grundlagen von den Ergebnissen einer in Auftrag gegebenen Potenzialanalyse.

„Die Bahn soll außerdem in Bregenz unter die Erde verlegt werden“, sagt Schlachter. Experten gäben dieser Lösung gegenüber einer Bahntrasse im Pfänder den Vorzug. Da warnt Markus Linhart vor falschen Hoffnungen. Dennoch will er sich dem Prozess anvertrauen, den Carmen Feuchtner als Beraterin mit allen Beteiligten führen wird. Wie geht es weiter? Das erste „sehr starke sich aufeinander zu Bewegen“ (Schlachter) wird in einer kleineren Arbeitsgruppe von maximal 20 Personen fortgesetzt. Noch Mitte dieser Woche reist der Masterplaner der ÖBB-In­frastruktur Betrieb AG, Manfred Bartl, nach Bregenz, um Vertreter von „mehramsee“ zu treffen. Am 21. November 2013 lädt die Genossenschaft alle Interessierten zum Symposium ins Festspielhaus ein.

Das Ziel der Unterflurlösung ist so alt wie die Bahn in Bregenz.

Markus Linhart

Es geht uns nicht um ein Für oder Wider die Eisenbahn und wir sind auch keine Wutbürger.

Pius Schlachter

Symposium „Stell dir vor …“ im Festspielhaus Bregenz am 21. November 2013 von 19 bis 22 Uhr, Eintritt ist frei. Anmeldung unter www.mehramsee.eu