Gesichter des Varietés

Vorarlberg / 05.12.2013 • 20:01 Uhr
Chris Kolonko ist gelernter Visagist und Friseur – da werden schon mal die Perücken in der Pause zurechtgestylt.
Chris Kolonko ist gelernter Visagist und Friseur – da werden schon mal die Perücken in der Pause zurechtgestylt.

Travestie-Künstler Chris Kolonko backstage im Varieté am Bodensee.

Dornbirn. 18.30 Uhr. Elegant gekleidete Zuschauer beeilen sich. Schnellen Schrittes geht es durch die Kälte der Nacht in Richtung Eingang zum „Varieté am Bodensee“ auf dem Dornbirner Messegelände. Kleine Wolken ihres Atems bilden sich vor ihren Gesichtern. Am Empfangsbereich entlang, durch eine hölzerne Schiebetür, stehen wir im Backstage-Bereich. Nur einige Lichtpunkte zeigen den Weg in Richtung hintere Bühne. Artisten wärmen ihre Muskeln auf. Ein freundlicher Mann neigt mit einer lässigen Handbewegung seine Melone zum Gruß und verschwindet. „Die Bühne ist genau meins, daher habe ich mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf gemacht“, verrät Chris Kolonko, Travestie-Star und Entertainer, während er in seinem Künstlercontainer mit einem weichen Pinsel und einer eleganten Handbewegung Highlighter unter den Augen verteilt.

Die Wandlung für seine erste Bühnenfigur – eine Dame mit roter Korsage, Federhut und nicht enden wollenden Beinen in High Heels – ist bereits im Gange. Seit einer Stunde bereitet er sich schon vor. „Meistens spiele ich mich selbst. Es sind auch Anekdoten, die ich erlebe. Die Inspiration dafür greife ich aus dem Leben und Dingen, die ich sehe“, sagt der gelernte Visagist, Friseur und Musicaldarsteller. Verschiedenste Perücken warten in Reih und Glied auf ihren Einsatz. Es funkelt und glitzert, wohin man blickt. Acht unterschiedliche Kostüme samt Pelzrobe und Federmantel hängen am Kleiderständer. Das teuerste kostet rund 10.000 Euro.

„Seit 25 Jahren arbeite ich als Künstler. Ich bin da irgendwie hineingestolpert, war bereits als Kind gerne auf der Bühne, habe Gottesdienste mitgestaltet. Zur Abschlussaufführung der Showdance-Academy in Augsburg übernahm ich eine weibliche Rolle mit positiver Resonanz des Publikums. Dann habe ich mir mit Travestie etwas dazu verdient und wurde immer erfolgreicher“, erzählt er und zieht die geschwungenen Lippen mit kirschrotem Lippenstift nach. Auch Zeiten, in denen es als Künstler schwer war, sind ihm nicht unbekannt. „Drei Minuten noch“, kommt die Anweisung vom Bühnenmanager. „In den Pausen arbeite ich oft an neuen Programmen.“

Die Geräuschkulisse vor der Bühne schwillt an. Der Münchner macht sich auf in Richtung Bühne, nimmt die Stufen entlang des Vorhangs, beginnt zu singen und tritt dem Publikum entgegen. Diesmal steht die Bühne in Dornbirn. Seine Shows führten den Verkleidungskünstler aber bereits nach Kanada, Israel und seit 20 Jahren auch mit Kreuzfahrtschiffen in die weite Welt.

Auch seine Bühnenoutfits entwirft er zusammen mit einer Designerin.
Auch seine Bühnenoutfits entwirft er zusammen mit einer Designerin.
Ein kritischer Blick in den Spiegel. Kurz vor dem Auftritt werden Haare und Hut noch einmal genau zurechtgezupft. Fotos: Stiplovsek
Ein kritischer Blick in den Spiegel. Kurz vor dem Auftritt werden Haare und Hut noch einmal genau zurechtgezupft. Fotos: Stiplovsek