Aussätzigen-Hilfswerk und missio getrennt

Vorarlberg / 02.01.2014 • 20:04 Uhr
Das Aussätzigen-Hilfswerk wird sich um die medizinische, die missio um die seelsorgliche Hilfe kümmern, so Edwin Matt. Foto: VN/Hofmeister
Das Aussätzigen-Hilfswerk wird sich um die medizinische, die missio um die seelsorgliche Hilfe kümmern, so Edwin Matt. Foto: VN/Hofmeister

Nach Kompetenzgerangel medizinische und pastorale Hilfe künftig auf zwei Schienen.

Bregenz. Jahrzehntelang arbeiteten das Aussätzigen-Hilfswerk und der Vorarlberger Ableger der päpstlichen Missionswerke „missio“ unter einem Dach in Bregenz St. Kolumban. Jetzt gehen sie getrennte Wege. „Damit herrscht Friede“, sagt Generalvikar Rudolf Bischof.

Es waren zwei sehr ungleiche Geschwister, die da gemeinsam um Spenden baten. Auch mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Die päpstlichen Missionswerke gehen eigentlich auf eine 200 Jahre alte Initiative aus Lyon zurück. In Österreich gibt es sie seit 1922. Die Zentrale ist in Wien. In Vorarlberg gehen jährlich etwa zwei Millionen Euro an Spenden ein. Damit werden u. a. 900 Priesterpatenschaften finanziert.

Bregenzer Gründung

Das Aussätzigen-Hilfswerk wurde 1959 von Pfarrer Albert Holenstein im Bregenzer Weidach gegründet. Es lukriert jedes Jahr elf Millionen Euro an Spenden. Allein dessen Medikamentensammlung deckt den Grundbedarf für 24 Missionsspitäler und Gesundheitsstationen in Afrika, Asien und Lateinamerika für ein ganzes Jahr ab. 2013 stellte das Aussätzigen-Hilfswerk den Empfängern in der Dritten Welt mehr als 21 Tonnen an Arzneien sowie zehn Sattelzüge voll mit medizinischen Geräten und Hilfsgütern im Wert von 11,4 Millionen Euro zur Verfügung. Medikamente und medizinische Hilfsgüter wie Verbandsstoffe und sterile Handschuhe werden alljährlich im Juli und August sortiert und versendet. Zwei Spendenorganisationen unter einem Dach? Im Herbst 2012 knirschte der Sand im Getriebe bereits beträchtlich. Pfarrer Edwin Matt, als Direktor damals für beide Organisationen zuständig, nahm in Wien vermehrt zentralistische Tendenzen wahr. Auch sein Geschäftsführer Reinhard Mayer focht so manche Sträuße aus. Die Diözese Feldkirch wurde damals interimistisch von Benno Elbs verwaltet. Der war als Administrator in seinen Entscheidungen nicht annähernd so frei wie als Bischof. Seit dem 30. Juni ist er nun als geweihter Vorarlberger Oberhirte im Amt. Der gordische Knoten ist durchschlagen. So sieht die Lösung aus:

Saubere Trennung

» Das Aussätzigen-Hilfswerk wurde im Dezember als eigenständige kirchliche Stiftung von der Diözese errichtet. Edwin Matt sitzt im Stiftungskuratorium. Als Geschäftsführer wurde Matthias Wittrock an Bord geholt. Künftig, so Edwin Matt, werde man sich als Gesundheitsorganisation Krankheiten widmen, die Patienten gesellschaftlich stigmatisieren. Die Lepra zählt genauso dazu wie Aids. Das Aussätzigen-Hilfswerk bleibt in Bregenz St. Kolumban.

» Der Vorarlberger Ableger der österreichischen missio wird in das „Haus der Kirche“ übersiedeln, das im Zentrum von Bregenz errichtet wird. Ein neuer Chef wurde schon angefragt, hat sich aber Bedenkzeit auserbeten. Zwischenzeitlich erfüllt Generalvikar Bischof diese Aufgabe.

Für Edwin Matt ist alles letztendlich überraschend schnell gelaufen. Rudolf Bischof ist vor allem froh, dass die Lösung einvernehmlich getroffen wurde: Zwei Organisationen, zwei Zwecke, zwei Spendenkonten.

Wir wollten für das Aussätzigen-Hilfswerk eine eigenständige Vorarlberger Leitung haben.

Rudolf Bischof
Das Aussätzigen-Hilfswerk wird sich um die medizinische, die Missio um die seelsorgliche Hilfe kümmern, so Edwin Matt. Foto: VN/Hofmeister
Das Aussätzigen-Hilfswerk wird sich um die medizinische, die Missio um die seelsorgliche Hilfe kümmern, so Edwin Matt. Foto: VN/Hofmeister

Infos über das Vorarlberger Hilfswerk finden Interessierte unter www.aussaetzigen-hilfswerk.at, die päpstlichen Missionswerke Österreich unter www.missio.at im Internet.