Fasten Halbzeit mit Benno Elbs: “Scheitern ist Teil des Weges und gehört dazu”

Gut zwei Wochen noch, und viele Vorsätze halten nicht mehr. Bischof Benno Elbs weiß, warum dieses Phänomen dazugehört und sogar glücklich macht.
Darum geht’s:
- Fastenzeit erfordert Ausdauer und Akzeptanz von Rückschlägen.
- Verzicht schafft Raum für Neues und Bewusstsein.
- Fasten stärkt Verbindung zu sich, anderen und Gott.
Bregenz Die ersten Wochen sind geschafft, die Motivation war groß – doch jetzt, auf halber Strecke der Fastenzeit, zeigt sich für viele: Durchhalten ist schwieriger als gedacht. Vorsätze bröckeln, alte Gewohnheiten schleichen sich zurück. Für Bischof Benno Elbs ist genau das kein Scheitern, sondern Teil des Weges.
Immer einen Joker im Ärmel
“Fasten ist immer auch eine Verhaltensänderung – und die funktioniert nie ohne Rückschläge”, sagt Elbs. Was zunächst nach Disziplin klingt, hat viel mit menschlicher Natur zu tun. Wer sich etwas vornimmt, erlebt oft schon nach wenigen Tagen einen Einbruch. “Das ist kein Fehler, das ist normal”, betont der Bischof. Entscheidend sei vielmehr, wieder neu anzufangen.

Gerade darin liege die eigentliche Kraft der Fastenzeit: nicht im perfekten Durchhalten, sondern im bewussten Weitergehen. Elbs spricht sogar von einem “Joker”, den man sich selbst zugestehen dürfe – für besondere Situationen, in denen der Verzicht nicht gelingt. “Das hilft, nicht alles gleich aufzugeben, sondern dran zu bleiben.”
Raum für Neues schaffen macht Sinn
Fasten bedeutet für viele zunächst Einschränkung: kein Alkohol, keine Süßigkeiten, weniger Bildschirmzeit. Doch für Elbs greift dieses Verständnis zu kurz. “Verzicht nimmt nichts – Verzicht gibt etwas”, sagt er. Es gehe darum, Raum zu schaffen. Für Neues, für Bewusstsein, für sich selbst.
In einer Zeit, die von Tempo, Reizen und ständiger Erreichbarkeit geprägt ist, könne Fasten ein Gegenpol sein. “Wir sind oft Getriebene – von Gewohnheiten, von Social Media, von Erwartungen.” Der bewusste Verzicht helfe, wieder Klarheit zu gewinnen. Ähnlich wie im Frühling, wenn Pflanzen zurückgeschnitten werden müssen, damit Neues wachsen kann.

Drei Elemente als Basis
Doch reicht Disziplin allein? Für den Bischof nicht. Fasten sei immer auch eine Frage der Haltung. “Im christlichen Sinn gehört zur Fastenzeit mehr als persönlicher Verzicht.” Gebet, Fasten und Almosengeben – diese drei Elemente bilden für ihn ein Ganzes.
Dabei gehe es um drei zentrale Verbindungen im Leben: zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu Gott. “Fasten stärkt die Beziehung zur eigenen Seele, das Gebet die spirituelle Dimension, und die Solidarität verbindet uns mit anderen”, erklärt Elbs.
Gerade dieser soziale Aspekt werde oft unterschätzt. Wer freiwillig verzichtet, entwickle auch ein stärkeres Bewusstsein für jene, die nicht aus freien Stücken verzichten. “Fasten kann Solidarität schaffen – mit Menschen, die nicht genug zum Leben haben.”
Fasten ist immer möglich
Und was, wenn jemand erst jetzt – zur Halbzeit – überlegt, einzusteigen? Für Elbs ist die Antwort klar: “Es ist immer möglich, anzufangen. Heute ist der erste Tag vom Rest der Fastenzeit.” Dieser Gedanke gelte nicht nur für diese Wochen, sondern für das Leben insgesamt.
Fasten sei letztlich auch eine Form der Umkehr – ein bewusstes Innehalten und Neu-Ausrichten. Nicht als starres Programm, sondern als persönlicher Prozess.

Die eigene Zwischenbilanz von Benno Elbs
Seine eigene Fastenzeit beschreibt Elbs als “durchaus gelungen” – mit kleinen Einschränkungen. Auf Kaffee, Alkohol und Süßes verzichtet er konsequent. Schwieriger sei es beim Thema Bildschirmzeit. “Das Handy ist auch mein Arbeitsgerät – da wird es manchmal eng.” Doch auch hier gilt für ihn: neu beginnen statt aufgeben.
Was ihm besonders wichtig ist: tägliche Momente der Stille. Zeit für Gebet, für Dankbarkeit, für Reflexion. “Ich versuche, am Abend bewusst zurückzuschauen – und dankbar zu sein für das, was war.”
Diese Haltung sei es letztlich, die bleibe. Nicht der perfekte Verzicht, sondern das bewusste Leben. Oder, wie Elbs es formuliert: “Fasten ist eine Entscheidung für das Gute.”