Ein Tanz auch ums Überleben

Vorarlberg / 31.01.2014 • 21:21 Uhr
Bei allen Kursteilnehmern ist unbändige Lebenslust und Lebensfreude spürbar.  Fotos: VN/Paulitsch
Bei allen Kursteilnehmern ist unbändige Lebenslust und Lebensfreude spürbar. Fotos: VN/Paulitsch

„Integrative Tanzgruppe Bregenz“ kämpft
um Weiterbestand.
Um Lösung bemüht.

Bregenz. Der Saal vibriert vor Lebensfreude. Junge Menschen lachen, klatschen in die Hände und bewegen sich fröhlich zu heißen Disco-Rhythmen. Was sie von anderen ihres Alters unterscheidet, sind die körperlichen und geistigen Handicaps, die sie zu tragen haben. Doch sie tanzen lustvoll dagegen an. Und nicht nur dagegen. Sie kämpfen auch um den Bestand der Gruppe. Seit der Gründung vor acht Jahren wurde sie immer wieder an eine andere Behindertenorganisation weitergereicht. Inzwischen ist die „Integrative Tanzgruppe Bregenz“ bei der Volkshochschule (VHS) gelandet. Nun wird von dieser Seite versucht, das Projekt in eine gesicherte Zukunft zu führen.

Therapiefreier Raum

Die Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 27 Jahren lassen den organisatorischen Dingen ihren Lauf. Sie freuen sich einfach, jeden Dienstag im Turnsaal des Kolpinghauses in Bregenz unbeschwerte Stunden verbringen zu können. Die Begleitung erfolgt durch zwei Tanzpädagoginnen. „Auch Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf einen therapiefreien Raum“, sagt Mag. Maria King, die gemeinsam mit Esther Häusle-Kamp die Gruppe anleitet. Zuerst strukturiert und nach Vorgabe, anschließend darf frei getanzt werden. „Es braucht ein Angebot, sonst würden die Bewegungen immer nach dem gleichen Muster ablaufen“, erklärt King. Alle sind seit Anbeginn dabei. „Ich tanze gerne, gehe in die Disco und zum Frühschoppen“, erzählt Philipp. In der Gruppe schätzt der 23-jährige Wolfurter die „tolle Gemeinschaft“ und dass „man sich gegenseitig respektiert“. Hanna (26), seine Freundin, ging vorher schon jeden Tag tanzen. „Aber mit Philipp macht es noch mehr Spaß“, sagt sie schmunzelnd. Um dabeisein zu können, fährt Hanna jeden Dienstag mit dem Zug allein von Feldkirch nach Bregenz. Und das direkt nach der Arbeit. Wie es jeder der neun tut.

Eine Odyssee

Initiiert wurde die Integrative Tanzgruppe Bregenz, um schwer- und mehrfachbehinderten Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung zu geben. „Es ist schwer genug, solche Plattformen zu finden“, meint eine Mutter. Zuständig war der ifs-Spagat, bis 2011 aus verschiedensten, auch finanziellen Gründen die Odyssee begann: vom Spagat zum „Füranand“, dann zum ifs-Kreisel, einer Bildungseinrichtung für behinderte Menschen, und schließlich zur Volkshochschule. Dazwischen sorgten zwei initiative Mütter und die Tanzpädagoginnen dafür, dass es trotzdem weiterging. Doch es musste abgespeckt werden. Früher bestand das Angebot während des ganzen Jahres, die Schulferien ausgenommen. Nun ist es auf zehn Einheiten beschränkt.

Die Kurskosten von 17,50 Euro pro Termin tragen die Teilnehmer. Ohne Förderung müsste dieser Betrag allerdings deutlich erhöht werden. Armin Brunner von der VHS Bregenz hofft, über die Abteilung Wissenschaft eine Unterstützung für die Tanzgruppe zu erhalten. So könnte etwa das Geld, das der „Kreisel“ dafür erhielt, umgeschichtet werden. Ansonsten versuche er über die Abteilung Soziales eine Lösung zu finden.

Gesprächsbereit

Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard signalisierte schon im Dezember auf VN-Nachfrage diesbezüglich Gesprächsbereitschaft. „Eine Förderung für diese Gruppe sollte kein Problem darstellen“, sagte Bernhard. Wie diese Unterstützung erfolgt, ob in institutionellem Rahmen oder durch direkte Zuwendungen an die Gruppe, ist den Beteiligten egal. Sie möchten nur eines: „Dass es weitergeht, ohne hin und her gezogen zu werden.“

Tommy möchte die Tanzgruppe ebensowenig missen wie seine Betreuerin. Alle hoffen auf einen positiven Ausgang der ungewissen Lage.
Tommy möchte die Tanzgruppe ebensowenig missen wie seine Betreuerin. Alle hoffen auf einen positiven Ausgang der ungewissen Lage.
Tommy möchte die Tanzgruppe ebenso wenig missen wie seine Betreuerin. Alle hoffen auf einen positiven Ausgang der ungewissen Lage.
Tommy möchte die Tanzgruppe ebenso wenig missen wie seine Betreuerin. Alle hoffen auf einen positiven Ausgang der ungewissen Lage.
Bei allen Kursteilnehmern ist unbeändige Lebenslust und Lebensfreude spürbar.  Fotos: VN/Paulitsch
Bei allen Kursteilnehmern ist unbeändige Lebenslust und Lebensfreude spürbar. Fotos: VN/Paulitsch