Alles neu im Ressort

Land splittet riesige Sozialabteilung auf. Bisherige Vorständin nimmt Auszeit.
Bregenz. Wer auch immer nach den Landtagswahlen im September 2014 das Sozialressort übernehmen wird, findet auch auf beamteter Ebene ein neues Gegenüber vor. Noch ehe Landesrätin Greti Schmid (59) offiziell ihr Ausscheiden aus der Politik bekannt gab, erfuhren die leitenden Beamten des Landes, dass ein Sessel in ihren Reihen vorderhand leer bleiben würde: Elfi Rauch-Eiter (52), die 2010 angetreten war, um die riesige Sozialabteilung des Landes von Grund auf neu zu ordnen, nimmt bis September eine Auszeit. Die Spitzenbeamtin war in den Anfangsjahren engste Ansprechpartnerin und Vertraute von Greti Schmid gewesen. Als sich aber Konflikte innerhalb der Abteilung und auch mit den Trägern der sozialen Wohlfahrt nicht befrieden ließen, verdüsterte sich auch das Verhältnis zur politischen Referentin. Nun räumt Rauch-Eiter bis zum Wahltermin das Feld. In die alte Funktion wird sie nicht zurückkehren.
Künftig aufgeteilt
Das Land hat beschlossen, die Abteilung Gesellschaft und Soziales künftig zu splitten. Elfi Rauch-Eiter soll nach ihrer Rückkehr im Herbst nur mehr für Familien, Kinder in die Mitte, Jugend, Integration und das Frauenreferat zuständig sein. Für die großen Brocken, wie Sozialfonds, Pflege, Kinder- und Jugendhilfe, sucht das Land einen neuen Abteilungsvorstand. Die Ausschreibung erfolgt am Wochenende. Zwischenzeitlich führt Wolfgang Oberhauser die Geschäfte.
Und die sind, weiß Gott, komplex. Die gesamte Abteilung Soziales spannt einen Ressortrahmen von über 280 Millionen Euro. Gleich mehrere Baustellen erwarten die neuen Spitzenköpfe auf politischer und Verwaltungsebene. Da wäre in den Augen von Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch einmal die Kinder- und Jugendhilfe. Dort hat der Landtag zwar die rechtliche Grundlage neu geschrieben. Auch hat mehr Personal die Engpässe beseitigt. „Aber Gesetz und Personal allein reichen nicht.“ Das enge Zusammenspiel der beteiligten Systeme will jetzt geübt werden. „Das dauert Jahre“, sagt Rauch. Als zweite große Herausforderung nennt er die wachsende Zahl der Vorarlberger Familien, die ohne Unterstützung nicht mehr klarkommen. Stichwort: Armutsbericht. In Bezug auf die Kinder, die daheim nicht mehr ordentlich betreut werden, erwartet sich Rauch von der oder dem künftig politisch Verantwortlichen „einen akzentuierteren Zugang“, als das bisher der Fall war. Stefan Allgäuer, der das Institut für Sozialdienste leitet, umreißt das Hauptproblem des Ressorts knapp: „Generell steigender Bedarf und immer weniger Mittel.“ Pflege, Sozialhilfe, Flüchtlingswesen – „das alles sind Wachstumsbereiche“.
Als LR Schmid und Elfi Rauch-Eiter im Herbst 2013 das deutsche Konzept der Sozialraumorientierung ins Land holten, wuchs unter den Trägern der Wohlfahrt rasch die Angst, das Land könnte den Ansatz dazu verwenden, sie an die kurze Leine zu nehmen. Inzwischen hat Prof. Wolfgang Hinte, der Experte in „Sozialraumorientierung“ schlechthin, Ende Jänner einen zweiten ganztägigen Workshop in Vorarlberg bestritten. Aber noch immer fehlt ein Pilotprojekt, das Thema stagniert.
Sonderegger Favorit
Vielleicht wird auch diesen Brocken die oder der Neue erben. Wer das sein könnte? In der Branche kursiert bereits der Name des Favoriten: Harald Sonderegger. Derzeit leitet er das Kulturressort in der Landesregierung. Seine mehr als zehnjährige Erfahrung im Vorstand des Gemeindeverbands könnte er als Soziallandesrat bedeutend gewinnbringender ausspielen.

Sozialbudget
Die Ausgaben für den Sozialfonds steigen stetig. Die Voranschläge zeigen das deutlich:
2012 248.188.500
2013 261.424.200
2014 279.932.700
Land (60 Prozent) und Gemeinden (40 Prozent) tragen den Finanzbedarf gemeinsam.