Plötzlich war alles weg

Vorarlberg / 21.02.2014 • 21:48 Uhr
Immer noch ist die Familie Hammerer entsetzt darüber, was am 10. Februar passierte. Das Haus wurde zur Gänze ein Raub der Flammen.
Immer noch ist die Familie Hammerer entsetzt darüber, was am 10. Februar passierte. Das Haus wurde zur Gänze ein Raub der Flammen.

Nach dem Brand ihres Wohnhauses steht die Familie Hammerer vor dem Nichts.

Batschuns. Der schlimmste Moment. Für Mama Vroni (55) war das „als ich vor dem in Vollbrand befindlichen Haus stand, Bruno nicht sah und glaubte, er sei noch im Haus. Ich hab’ im Leben noch nie so geschrien.“ Für Michaela (32) war es der Anruf ihrer Schwester Astrid. „Sie erzählte vom brennenden Haus. Du hast das falsch verstanden, redete ich mir ein. Du hast das falsch verstanden. Bis ich es selber sehen musste.“ Für Astrid (28) waren es die ersten Sekunden der Untätigkeit nach den hektischen Rettungsaktivitäten. „Ich stand fassungslos einfach nur da und starrte ins Feuer. Immer wieder schoss es mir in den Kopf: Der Fixpunkt deines fast 30-jährigen Lebens wird jetzt gerade vernichtet.“ Als am Montag, dem 10. Februar, das Wohn- und Bauernhaus der Familie Hammerer in Batschuns ein Raub der Flammen wurde, stand eine ganze Familie vor dem Nichts. Retten konnten sie nur sich selber mit dem, was sie am Leib trugen und ihre Tiere.

„Vergelt’s Gott“

Jetzt sitzen sie an einem Tisch im Bildungshaus Batschuns: Vater Bruno (61), seine Frau Vroni, Michaela, Astrid und deren Freundin Conny. Dort hatte man die obdachlos gewordene Familie sofort aufgenommen. Eine von vielen Gesten der Mitmenschlichkeit, die den Hammerers in den schwersten Stunden und Tagen ihres Lebens widerfuhren. „Wir haben Kleidung und andere Sachspenden bekommen. Zum Teil von Unbekannten. Unsere vielen Tiere wurden an insgesamt sechs Höfen aufgenommen. Ich möchte allen Vergelt’s Gott sagen“, ist Bruno Hammerer noch immer tief gerührt. Er war es, der die Momente der Tragödie am unmittelbarsten erlebte. „Ich war im Stall mit der Geburtshilfe für ein Kalb intensiv beschäftigt. Knapp nach zehn ging ich ins Wohnhaus. Dabei hörte ich drei dumpfe Knälle. Ich öffnete die Tür, und schon schlug mir vom Gang aus das Feuer entgegen.“ Der Vater war zu dem Zeitpunkt allein im Haus.

Grässlicher Geruch

Als Mutter Vroni von ihrem alltäglichen Spaziergang nach Hause kam, traf sie der Schlag. In Panik suchte sie Bruno. Dann eilte sie in den Stall. „Vor lauter Aufregung konnte ich die Kühe nicht losbinden. Herbeigeeilte Helfer aus der Nachbarschaft erledigten das, quartierten die Tiere (17 Stück Vieh, drei Kälber, zwei Ziegen, 30 Hühner, zwei Pferde, einen Hasen und ein Meerschweinchen) in umliegenden Ställen ein. Vroni Hammerer ist immer noch fix und fertig. Sie erträgt den Anblick der Brandruine nicht. Von dort verbreitete sich lange ein grässlicher Geruch ins Dorf. Astrid zieht es magisch an den Ort der Tragödie. „Ich kann gar nicht anders. Obwohl es ja immer gleich ausschaut.“

Freude mit Florian

Nichts ist mehr da. Keine Kleider, keine liebgewonnenen Objekte, keine Papiere. Alles werden sich die Hammerers neu besorgen müssen. Für jedes Familienmitglied ist mit dem ausgebrannten Vaterhaus ein Stück Seele vernichtet. Das Gebäude war 400 Jahre alt. An der Brandruine dürfen sie derzeit nichts machen – nicht bevor die Brandursache geklärt ist. Daher sind auch keine Maßnahmen in Richtung Wiederaufbau möglich. „Alles, was wir tun können, ist, unsere Tiere in den verschiedenen Ställen gut zu betreuen. Wir machen uns jeden Tag einen Plan, wer wohin geht“, beschreibt Vater Bruno die tägliche Routine. Wie’s jetzt weitergeht? „Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht“, sagt das Familienoberhaupt traurig. „Ich weiß nur, dass wir nicht ewig im Bildungshaus bleiben können.“

Trost holt sich Michaela am Nachbarshof des Engelbert Rietzler. Der hat das während der Katastrophe geborene Kälbchen aufgenommen. Auf den Namen Florian hat es Michaela aus Dankbarkeit gegenüber der örtlichen Feuerwehr getauft. Sie liebkost es, wann immer sie kann. Ein Stück vierbeiniger Freude in düsteren Tagen.

Wie gut, dass es Florian gibt. Für Michaela spendet das reizende Kälbchen Trost.  fotos: VN/hartinger
Wie gut, dass es Florian gibt. Für Michaela spendet das reizende Kälbchen Trost. fotos: VN/hartinger

Freunde der Familie Hammerer haben ein Spendekonto eingerichtet. Es lautet auf „Hammerer Bruno und Veronika“. IBAN: AT87 3746 1712 000 8 0671. BIC: RVVGAT2B461. Auch die VN-Sozialaktion „Ma hilft“ möchte die vom Schicksal schwer getroffene Familie unterstützen.