Rhein bekommt mehr Platz

Vorarlberg / 24.02.2014 • 21:50 Uhr
 Der Rhein als prächtige Naturlandschaft mit Auwald am Ufer und kleinen Inseln mitten im Fluss. So sieht es zum Teil schon am Illspitz aus.  
 Der Rhein als prächtige Naturlandschaft mit Auwald am Ufer und kleinen Inseln mitten im Fluss. So sieht es zum Teil schon am Illspitz aus.  

Hochbetrieb beim Hochwasserschutz-Projekt RHESI. Best­variante wird gesucht.

Lustenau. Der Rhein wird nach der großen Regulierung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erneut von Menschenhand verändert. Detto auch sein Umland. Vom Illspitz bis zur Bodenseemündung werden auf 26 Kilometer Fluss und Landschaft in den kommenden Jahrzehnten ein neues Gesicht bekommen. Oberste Priorität dabei hat der Hochwasserschutz. Im Schlepptau von maximaler Sicherheit verfolgt das grenzüberschreitende Vorhaben der Schweiz und Österreich mit einem geplanten Budget von 400 Millionen Euro aber auch faszinierende ökologische Ziele unter Berücksichtigung landwirtschaftlicher Interessen – wo immer das möglich ist. Ganz oben auf dem Anforderungskatalog für die Projektbetreiber steht auch die Trinkwasserversorgung. Ein sehr sensibles Thema, das die Rhein-Anrainerkommunen

zuletzt intensiv beschäftigte.

Riesiges Schadenspotenzial

RHESI, das Kürzel für Rhein, Erholung und Sicherheit, betrifft die existenziellen Interessen von 300.000 Menschen in der Region. Ein worst case-Hochwasserszenario würde, so haben Berechnungen ergeben, im Rheintal einen Schaden von fünf Milliarden Euro verursachen. Dass so etwas nie passiert – dafür sollen die Projektverantwortlichen auf beiden Seiten des Rheins sorgen. „Wir haben viel gemacht im letzten Jahr“, sagt Markus Mähr (40), bei dem die Fäden für RHESI zusammenlaufen. „Wir haben die Dämme geprüft, und wir haben uns intensiv mit der Trinkwasserversorgung beschäftigt. Wir wollen nun alle Brunnen erhalten und die Landschaftsgestaltung um diese herum konzipieren.

Variante in Arbeit

Es kristallisiert sich schön langsam eine Variante heraus, die passsen könnte“, berichtet der RHESI-Leiter. Schon zuvor wurde im Uferbereich des Rheins intensiv gearbeitet, viele Bäume und Sträucher entfernt und das Vorland abgesenkt. Eines haben die Planer aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen gelernt: „Wir wollen nun mit den Kommunen jeden Schritt absprechen, damit es ja keine Unruhe gibt“, so Mähr. Auch die Landwirtschaft bringt ihre Interessen massiv ein, während es andererseits dem Wasserrechtsgesetz mit seinen klaren Vorgaben Genüge zu tun gilt. Vorgeschrieben ist in diesem Zusammenhang ein ökologischer Mindeststandard. „Wir müssen ein gutes ökologisches Potenzial erreichen“, formuliert es Noch-Rheinbauleiter Martin Weiss (61), der sein Amt Anfang April an Dieter Vondrak (42) übergeben wird. Zum ökologischen Konzept gehört unter anderem auch das Anlegen von Auwäldern an bestimmten Stellen.

Landwirte sind Pächter

Der Fluss selbst soll mehr Platz erhalten und die Durchflussmenge von derzeit 3100 m3 auf 4300 m3 beträchtlich erhöht werden. Abgetragen wird daher der mittlere Rheindamm, der das Gewässer derzeit in seinem Bett hält. Die endgültige Variantenentscheidung soll – so ist geplant – im Frühjahr 2015 fallen. Bis dahin müssen die Planer jedoch noch sehr viel Überzeugungsarbeit leisten. Vor allem den Landwirten muss plausibel erklärt werden, warum sie auf größere Flächen verzichten sollen. Die Landwirte sind im Rheinvorland Pächter. Die meisten Pachtverträge laufen jedoch bald aus.

Baubeginn 2020?

Der Baubeginn für das Mega-Projekt könnte dann im Jahr 2020 erfolgen. 20 Jahre sind für die Umsetzung aller geplanten Baumaßnahmen vorgesehen. Danach wäre der Rhein auf den 26 Kilometern zwischen Illspitz und Bodenseemündung ein anderer. Ein hoffentlich weniger gefährlicher.

Wir wollen nun mit den Kommunen jeden Schritt absprechen.

Markus Mähr

Wir wollen nun mit den Kommunen jeden Schritt absprechen.

Markus Mähr

Wir müssen ein ökologisches Potenzial erreichen.

Martin Weiss
Für alle Fälle sind bei der Rheinbauleitung Sandsäcke gebunkert. Markus Mähr, Martin Weiss und Dieter Vondrak (v. l.) in der neuen Lagerhalle.
Für alle Fälle sind bei der Rheinbauleitung Sandsäcke gebunkert. Markus Mähr, Martin Weiss und Dieter Vondrak (v. l.) in der neuen Lagerhalle.
Für alle Fälle sind in bei der Rheinbauleitung tausende Sandsäcke gebunkert. Markus Mähr, Martin Weiss und Dieter Vondrak (v.l.) in der neuen Lagerhalle.
Für alle Fälle sind in bei der Rheinbauleitung tausende Sandsäcke gebunkert. Markus Mähr, Martin Weiss und Dieter Vondrak (v.l.) in der neuen Lagerhalle.

Zahlen zu RHESI

» Betrifft 300.000 Menschen auf einer Flusslänge von 26 Kilometern

» Durchflusskapazität soll von 3100 m3 auf 4300 m3 erhöht werden

» Flussbreite soll von 90 auf 200 Meter erweitert werden

» Konkrete Planung des Projekts läuft seit 2011

» Budgetierte Gesamtkosten von 400 Millionen Euro, die von der Schweiz und Österreich getragen werden

» Geplanter Baubeginn: 2020

» Geplante Bauzeit: 20 Jahre