Tauchen als neue Leidenschaft

Monoskifahrer Jürgen Egle verfolgt die
Paralympics diesmal vor dem Fernseher.
Altach. (VN-mm) Er ist gestern um sieben Uhr morgens aufgestanden, um den heimischen Athleten bei den Paralympics in Sotschi die Daumen zu drücken. Aber Jürgen Egle tat es ohne Wehmut. „Irgendwie war ich sogar froh, nicht mehr am Start stehen zu müssen“, sagt einer der erfolgreichsten Versehrtensportler des Landes. Nach Vancouver 2010 hat der Altacher seine aktive sportliche Karriere beendet. Dass er trotzdem weiterhin an den Landesmeisterschaften teilnimmt, ist für ihn hingegen Ehrensache. „Wenn der Vorarlberger Verband etwas organisiert, tut man mit“, lässt Jürgen Egle diesbezüglich zumindest für sich keine Ausreden gelten.
Seit 1992 sitzt Jürgen Egle im Rollstuhl. Ein Motorradunfall katapultierte das 21-jährige Tormanntalent des SCR Altach mitten aus seinem sportlichen Leben. Doch ans Aufgeben dachte der junge Mann nicht. Egle sattelte im wahrsten Sinne des Wortes um und widmete sich dem Handbikefahren und dem Monoskifahren. Entsprechend viel Zeit investierte er in das Training. „Es ist auch viel Urlaub draufgegangen“, erzählt Jürgen Egle. Der Lohn für die Mühe waren Erfolge am Fließband. Bei Paralympics und Weltmeisterschaften erwies sich der Altacher als wahrer Medaillenhamsterer.
Nach den Paralympics im kanadischen Vancouver entschied sich Jürgen Egle, mit dem aktiven Sport Schluss zu machen. „Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt. Zudem stand das Race Across Australia an, da fehlte mir die Zeit, um für die Weltmeisterschaft 2011 in Sestriere zu trainieren“, erklärt Egle, warum es damals mit dem Aufhören genau passte.
Ein „Schönwetterfahrer“
Langeweile gibt es beim kaufmännischen Angestellten deshalb jedoch nicht. Im Gegenteil. Er hat eine neue Leidenschaft entdeckt, nämlich das Tauchen. Vor Kurzem absolvierte Jürgen Egle bereits den zweiten Fortgeschrittenenkurs. Gemeinsam mit Walter Wimmer blieb er nach einem Schnuppertauchen, das der RC Enjo Altach organisierte, an dieser neuen Freizeitbeschäftigung hängen. Natürlich frönt Jürgen Egle weiterhin dem Skisport. „Jetzt allerdings als Schönwetterfahrer“, wie er lachend anmerkt. Gehen zu können, wenn man wolle, das sei schon eine neue Qualität. Auch Freundin Ingrid und ihre zwei erwachsenen Kinder haben jetzt mehr von Jürgen Egle. „Die Familie ist mir sehr wichtig“, sagt er. Sie habe früher auf viel verzichten und sehr tolerant sein müssen. Jürgen Egle ist dankbar, dass die Beziehung dennoch funktionierte.
Die Treue hält er aber auch dem Fußball. So arbeitet Egle am Vormittag im Büro des SCR Altach, am Nachmittag in der Abfallwirtschaftsabteilung des Landes. Als eingefleischter Altach-Anhänger steht für ihn der Aufstieg des derzeitigen Erste-Liga-Tabellenführers außer Frage. „Für den Vorarlberger Fußball wäre das super“, meint Jürgen Egle. Wiewohl er mit dem Spiel am Freitag nicht unbedingt zufrieden war. „Aber das klappt schon“, gibt er sich ebenso überzeugt wie zuversichtlich. Und die Slalombewerbe in Sotschi wird er sich auch ansehen.
Zur Person
Jürgen Egle
Geboren: 9. August 1971 in Hohen-ems
Wohnort: Altach
Familie: Lebensgemeinschaft mit Freundin Christine
Beruf: Kaufmännischer Angestellter
Hobbys: Tauchen, Radfahren, Basketball, Fußball
Erfolge: Insgesamt 10 Medaillen bei Paralympics und Weltmeisterschaften, zahlreiche Weltcup- und Europacup-Siege sowie Platzierungen im Monoskifahren, Teilnehmer des Race Across America (2006) und des Race Across Australia (2011)