Den Sinn des Lebens in der Menschlichkeit gefunden

Mit Sinnfrage, neuem Vorstand und geplatzten Plänen für Baden eröffnet Montagsforum das Semester.
Dornbirn. Hunderte strömen ins Kulturhaus. Das Montagsforum hält zu Semesterbeginn Neuigkeiten bereit. Zuerst das Administrative, später wird der Biochemiker Gottfried Schatz die Sinnfrage stellen.
Also, Heinz Bertolini hat den Vorstand ausgewechselt. Die neuen Gesichter sind fast alle hier: Carolin Güssow hat das St. Galler Montagsforum als Ableger der Vorarlberger Idee am 3. Februar 2014 erfolgreich gestartet. Der Wirtschaftsinformatiker Philipp Osl leitet ein St. Galler Kompetenzzentrum für „Independent Living“. Der international renommierte Gerichtsmediziner Richard Dirnhofer zählt neu zum Kernteam und Christine Rhomberg-Spiegel von der Hilti Foundation auch. Der 79-jährige Gründer des Montagsforums, Heinz Bertolini, möchte sich allmählich zurückziehen, sagt er. Aber noch ist er präsent. Besonders, wenn er Widerstände geißelt. In Baden bei Wien zum Beispiel. Dort ist das zarte Pflänzchen Montagsforum wieder eingegangen. Vor allem, weil der Bund die Subventionen strich. Wie gut, dass Gottfried Schatz bereits auf dem orangen Sofa in der Bühnenmitte Platz genommen hat, sonst hätte Heinz Bertolini die ohnedies fragile Bundesregierung in Bausch und Bogen eingeackert.
Von Menschen und Mäusen
Aber jetzt spricht Schatz. Zum achten Mal ist er in Dornbirn. Beinah ein Heimspiel. Das Publikum liegt ihm zu Füßen. Bei seinem Fach ist das beachtlich. Biochemie, das riecht doch muffig nach Labor und Reagenzglas. Und tatsächlich erzählt Schatz in der Mitte seines Vortrags von Mäusen. Was die mit dem Sinn des Lebens zu tun haben? Erstaunlich viel. Wenn man einer Maus einen bestimmten Duft zu riechen gibt und gleichzeitig einen Stromschlag versetzt, merkt sie sich das. Und sie vererbt ihr Angstgefühl an Kinder- und Enkelmäuse. Das tut sie selbst dann, wenn Leihmuttermäuse die Kleinen zur Welt bringen. Ist das Phänomen auf Menschen übertragbar? Ja, sagt Schatz und leitet davon seine persönliche Sicht von Lebenssinn ab: „Wir sind nicht willenlose Sklaven unserer Gene. Erst die Wechselwirkung mit unserer Umwelt macht uns zum Menschen.“ Mit anderen Worten: Die große Herausforderung ist, „dafür zu sorgen, dass es den Menschen gut geht in unserer Umgebung“. Das Mäusebeispiel sagt viel darüber, welchen Scherbenhaufen wir über Generationen anrichten, wenn wir andere mies behandeln.
So einfach ist das also. Und doch auch so grandios. Als erzählte er an einem lauen Sommerabend seinen Enkelkindern die Geschichte der Welt, hat es sich Schatz auf seinem Sofa bequem gemacht. Unterlagen braucht er nicht. Dass das Universum vor 14 Milliarden Jahren durch eine Explosion von Licht zur Welt kam, dass sich Licht in Materie verwandelte und das Universum dann über 100 Millionen Jahre lang in Finsternis fiel, als die Hitze abkühlte, das alles schüttelt er sozusagen aus dem Ärmel. Wasserstoffatome ballten sich zu gewaltigen Wolken, Atome verschmolzen, erneut wurden ungeheure Energieen frei, die ersten Sterne wurden geboren. Und ohne ein einziges Bild zu zeigen, allein mit Worten, lässt Schatz die ungeheuren Geburtszyklen unserer Welt Revue passieren, bis der Mensch die Szene betritt.
Der Mensch. Die Krone der Schöpfung? Allein das menschliche Gehirn enthält etwa 100 Milliarden Nervenzellen, von denen jede einzelne hundertfach vernetzt ist. Ja, er ist unglaublich komplex. Aber gleichzeitig „lehrt uns die Naturwissenschaft Bescheidenheit.“ Der Vermessenheit jener, die weit mehr als 120 Jahre Leben in Aussicht stellen, hält Schatz entgegen: „Das Leben ist doch gerade deshalb so kostbar, weil es endlich ist.“




Am 28. April ist Universitätstag im Festspielhaus Bregenz zum Thema „Zukunft des Alters“. Informationen unter www.montagsforum.at