Geduldsfrage Kinderschutz

Kompetenzzentrum feilt seit anderthalb Jahren an einem Konzept.
Feldkirch. (VN) Was macht eigentlich das Kompetenzzentrum für Kinderschutzfragen, das Ende November 2012 seine Arbeit aufnahm? Medienberichte fehlen seither fast völlig. Eine Homepage gibt es nicht. Nicht einmal eine Telefonnummer kursiert. In der Telefonzentrale des Landhauses gibt eine freundliche Dame den Tipp, man möge vielleicht bei der Arbeiterkammer anrufen. In deren Dachgeschoß logiert nämlich Werner Grabher, der erst halbtägig und ab März 2013 lange als einziger ganztägiger Mitarbeiter und Leiter des Zentrums arbeitet. Eingerichtet wurde es auf Empfehlung jener Expertenkommission, die nach dem gewaltsamen Tod des dreijährigen Cain im Jänner 2011 in der Kommunikation zwischen den Behörden erhebliches Verbesserungspotenzial aufzeigte.
Andere Prioritäten
Dass ihm seit Jahreswende die Kommunikationswissenschaftlerin Alexandra Achatz zur Seite steht, könnte helfen, das Zentrum nach anderthalb Jahren aus der Versenkung zu hieven. Grabher sagt, ihm sei das selber peinlich. „Aber wir haben bislang andere Prioritäten gesetzt.“
Das Kompetenzzentrum für Kinderschutzfragen wurde 2013 vom Land mit 300.000 Euro Jahresbudget ausgestattet. „Das haben wir nicht ganz ausgeschöpft.“ 2014 sind 304.000 Euro budgetiert. Die Aufgaben hat das Land so definiert: Das Kompetenzzentrum soll
» alle in Kinderschutzfragen Beteiligten vernetzen,
» zum Thema forschen und dokumentieren,
» Qualitätsstandards in den Berufen schaffen und
» „eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Kinderschutz“ in Szene setzen.
Grabher hat „ab Herbst 2013 bis heute sechs Weiterbildungsveranstaltungen für Kindergartenpädagoginnen und Betreuerinnen von Spielgruppen und Kinderbetreuungseinrichtungen mit insgesamt 95 Teilnehmerinnen durchgeführt“ und sich im Übrigen auf das Thema häusliche Gewalt konzentriert. Warum? „Wenn ein Kind in der Familie Gewalt als alltäglich erfährt, hat es keine Rückzugsräume mehr.“ Das bedeute extreme Belastungen. Zur Erinnerung: Der dreijährige Cain war von seinem Stiefvater erschlagen worden.
Wie aber können Behörden helfen? „Der Schlüssel sind Kooperationsbündnisse.“ Seit Herbst 2012 arbeitet Grabher an einem Rahmenkonzept, um Polizei, Kinder- und Jugendhilfe, Gewaltschutzstelle (mit Fokus auf das Opfer) und Gewaltberatung (Fokus auf dem Täter) in einer Interventionskette eng aneinander zu binden. Ist das denn so schwer?
Verordnen bringt nichts
„Man kann so ein Konzept natürlich in einem halben Tag schreiben und von oben verordnen“, kontert Grabher. „In der Fachliteratur gibt es zahlreiche Konzepte.“ Nur an Beispielen praktischer Umsetzung hapere es. Verbindlich würden solche Systeme erst, wenn man sie von unten aufbaut. Und das dauere eben. Grabher will in allen vier Bezirken „Kooperationsbündnisse“ schließen. „Noch ein, zwei Sitzungen“, dann stehe das Rahmenkonzept. Er hat mit den Institutionen Wege ausgetüftelt, die es erlauben, Informationen auszutauschen, ohne dass sich Beteiligte hinter der Verschwiegenheitspflicht verschanzen. Grabher ist fest davon überzeugt, dass nur über die Kinder Zugang zu familiären Gewaltsystemen möglich ist. „Erwachsenen ins Gewissen reden“ hält er für wenig sinnvoll. „Der Königsweg führt über ihre Elternrolle.“
Heuer also macht sich Grabher an die „Knochenarbeit“, mit den Betroffenen in den Bezirken konkrete Interventionsketten zu erarbeiten. „Es geht mir selber zu langsam“, sagt er, „aber wir arbeiten so schnell, wie die Einrichtungen mittun.“ Davon unabhängig werden sich die Behörden künftig in Hochrisikofällen nach britischem Vorbild zu Risikokonferenzen zusammenfinden. Insgesamt wurden 2013 in rund 240 Gewaltfällen Betretungsverbote ausgesprochen. In 140 Familien waren Minderjährige betroffen.
