„Tischlein deck dich“ hat bald ein Führungsteam

Vorarlberg / 07.05.2014 • 19:34 Uhr
Nach dem Aufruf in den VN spendeten Leserinnen und Leser über 100 Fahrräder. Fotos: VN/Hofmeister
Nach dem Aufruf in den VN spendeten Leserinnen und Leser über 100 Fahrräder. Fotos: VN/Hofmeister

Sozialaktion erhält mit Ines Fritsche eine Geschäftsführerin, Stüttler bleibt Obmann. 

Vandans. „Das“, sagt der Rankweiler Tobias Juen (20) mit Bestimmtheit, „ist der beste Zivildienstplatz im Land.“ Matthias Bitschnau (19) aus Vandans wuchtet zwei weitere Fahrräder in den Transportwagen und pflichtet ihm bei. „Obwohl wir super viel Arbeit haben“, sagt er und reibt sich die Hände. Aber eben sinnvolle.

Bei „Tischlein deck dich“ ist rund um die Uhr Betrieb. Den Lastzug für Rumänien hat Elmar Stüttler gerade abgefertigt. Matratzen, Lattenroste, Kleidung und mehr machen sich da auf den Weg in Kinder- und Altenheime und zur rumänischen Caritas. Die Hilfsaktion des Vandanser Diakons, für die er 2011 mit dem Russ-Preis ausgezeichnet wurde, hat längst internationales Format angenommen.

Fritsche übernimmt

Tatkräftig greifen Stüttler und sein Team aus 270 Ehrenamtlichen nicht nur Bedürftigen im Land, sondern auch Partnerorganisationen wie der Tafel in München unter die Arme. Stüttler hat dank der ungebrochenen Spendenbereitschaft von Vorarlberger Bevölkerung und Unternehmen einfach mehr Möglichkeiten. Und er hat Helfer wie Tobias und Matthias. Und Ines Fritsche. Die 40-jährige gelernte Chemie-Laborantin wird in wenigen Wochen als Geschäftsführerin das operative Geschäft in Stüttlers Hilfsaktion übernehmen.

„Dann“, sagt Stüttler, „kann ich mich mehr den Schulen widmen.“ In einem eigenen Lagerraum stapeln sich nagelneue Waren vom Shampoo bis zum Geschirrspülmittel bis unter die Decke. Lauter Dinge, die Schüler gekauft und gespendet haben.

1800 Empfänger

Den Kern der Hilfe von „Tischlein deck dich“ machen freilich noch immer Lebensmittel nahe am Ablaufdatum aus. Die würden sonst weggeworfen, sind aber noch völlig in Ordnung. Stüttlers Team sammelt sie ein und verteilt sie jede Woche an mittlerweile rund 1800 Menschen im ganzen Land. „Die Zahl unserer Klienten ist im Jahresabstand um rund 15 Prozent gestiegen.“ Sie nehmen gerne, was andere nicht mehr kaufen würden.

Diese Idee hat Ines Fritsche nachhaltig beeindruckt. 18 Jahre hat sie in der Produktionslogistik eines großen Unternehmens gearbeitet. Dann setzte sie ein Jahr lang krankheitsbedingt aus. Seit einem Dreivierteljahr hilft sie nun bei Stüttler mit. „Die Ware kommt 1:1 zu den Bedürftigen“, sagt sie. „Auch immer mehr Pensionisten kommen zu den Ausgabestellen.“ Die Schamgrenze sinkt. Neben Waren wechseln an den Ausgabeplätzen auch Informationen die Besitzer. Richtige Treffpunkte sind entstanden, an denen Menschen neben handfester Hilfe auch Gemeinschaft erfahren.

Von wegen Luxusschlitten

Umso mehr ärgert sich Stüttler, wenn Kritik laut wird, die Bedürftigen würden die Gratis-Lebensmittel in den Kofferräumen großer Luxusautos verstauen. „Erstens kontrollieren wir sehr genau, wer kommt.“ Nur mit einem Bezugsschein der Gemeinde erhalten Bedürftige Lebensmittel. Zum Zweiten nehmen viele die Transportdienste von Freunden und Verwandten in Anspruch. „Die Fahrer sind meist nicht die Empfänger.“ Und wenn, dann sind die Autos „in Wahrheit alte Kübel“. Man muss nur genau hinschauen.

Die meisten seiner Klienten haben nicht einmal ein Fahrrad. Umso dankbarer ist Stüttler, dass nach dem einmaligen Aufruf in den VN über 100 Fahrräder gespendet wurden, die er nun weiterreicht. Fast alle waren voll funktionstüchtig.

Ines Fritsche und Elmar Stüttler halten „Dienstbesprechung“. Der Übergang vom Büro zum Lager ist durchwegs fließend.
Ines Fritsche und Elmar Stüttler halten „Dienstbesprechung“. Der Übergang vom Büro zum Lager ist durchwegs fließend.
Ines Fritsche und Elmar Stüttler halten „Dienstbesprechung“. Der Übergang von Büro zum Lager ist durchwegs fließend.
Ines Fritsche und Elmar Stüttler halten „Dienstbesprechung“. Der Übergang von Büro zum Lager ist durchwegs fließend.
Nach dem Aufruf in den VN spendeten Leserinnen und Leser über 100 Fahrräder. Fotos: VN/Hofmeister
Nach dem Aufruf in den VN spendeten Leserinnen und Leser über 100 Fahrräder. Fotos: VN/Hofmeister

Termine

Bludenz: Kloster St. Peter

jeden Montag von 16 bis 18 Uhr

Feldkirch: Kapuzinerkloster

jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr

Götzis: vor dem Pfarrzentrum

jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr

Dornbirn: Kolpinghaus

jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr

Bregenz: Kloster Mehrerau

jeden Freitag von 16 bis 19 Uhr

Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, erreicht Elmar Stüttler
unter Tel. 0699/ 14646515.