Freiburg und Klesenza
Mit dem am Sonntag in Freiburg zum neuen Erzbischof geweihten Stefan Burger hat Papst Franziskus seine Linie volksnaher Bischofsernennungen fortgesetzt. Das sind in letzter Zeit durchwegs Priester, über die man sich freuen kann und die wieder mehr zusammenführen als trennen. Der 52-jährige Erzbischof Burger stammt aus dem Schwarzwald, war dort viele Jahre Pfarrer und hat während seiner Schulzeit auch einige Zeit in dem zwischen Immenstaad und Hagnau gelegenen Internat Hersberg am Bodensee gelebt.
Das von Mannheim bis nach Konstanz reichende Erzbistum Freiburg umfasst nahezu halb so viele Katholiken wie ganz Österreich und stellt einen Bischof damit vor große Herausforderungen, zumal die badische Liberalität immer wieder für Konflikte mit Rom gesorgt hat. Die Reichweite bis an den Bodensee und die bis 1805 dauernde Zugehörigkeit Freiburgs zu Vorderösterreich sind nicht die einzige Verbindung mit Vorarlberg. Der seit zwölf Jahren erfolgreich tätige grüne Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon, der erste Grüne in einer größeren deutschen Stadt, hat Wurzeln im Bregenzerwald. Auch der neue Erzbischof kennt unser Land recht gut. Er macht nämlich mit seinen Eltern seit vielen Jahren Sommerurlaub im Großen Walsertal. Anlass dazu war die auf der Alpe Klesenza unter der Roten Wand gelegene Kapelle, die 1952 von dem ebenfalls aus dem Schwarzwald stammenden Pfarrer Josef Kary zum Gedenken an die Heimkehr aus dem Krieg und an seinen in Russland bei lebendigem Leib zersägten Bruder errichtet wurde. Am Patrozinium dieser Kapelle, Mariä Himmelfahrt am 15. August, findet seither jedes Jahr eine Gedenkmesse statt, zu der jeweils zahlreiche Pilger aus dem Schwarzwald ins Große Walsertal kommen. Vor über zehn Jahren hat der damalige Pfarrer und nunmehrige Erzbischof Burger diese Aufgabe übernommen, verbindet das mit einem Wanderurlaub und sieht die Klesenza inzwischen als „Herzensort“. Wie er am Samstag der Rhein-Neckar-Zeitung offenbarte, wird er voraussichtlich dort auch heuer am 15. August die Festmesse lesen, obwohl am selben Tag das Freiburger Münster sein Patrozinium feiert. Das ist ein schönes Zeichen treuer Verbundenheit mit dem Großen Walsertal und unserem Land.
juergen.weiss@vorarlbergernachrichten.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
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