“Brand aus” im Sozialressort

Land geht neue Wege der Sozialraumorientierung erst nach den Wahlen an.
Bregenz. Zuletzt kochte das Thema im Landtag hoch: „Ich bitte Sie, Herr Landeshauptmann, und wenn ich könnte, würde ich Sie auf Knien bitten: beschließen Sie die Sozialraumorientierung in der jetzt vorliegenden Form nicht, bis sich ein neuer Landtag damit beschäftigen konnte.” Nun ist Grünen-Chef Johannes Rauch erhört worden. Ob tatsächlich Landeshauptmann Markus Wallner den Bremshebel umgelegt hat, bleibt dahingestellt. Tatsächlich bestätigte Landesrätin Greti Schmid den VN: “Ja. Die Sozialraumorientierung wird nach der Landtagswahl weiter diskutiert.”
Immerhin hat das Land in enger Kooperation mit den privaten Trägern und den Gemeinden eine Entscheidungsgrundlage erarbeitet. Die liegt nun der Regierung vor und erntet auch erstes Lob: Christoph Hackspiel, Geschäftsführer des Vorarlberger Kinderdorfs, sieht darin eine geeignete Diskussionsgrundlage. Man habe mit dem Land vereinbart, “dass alle wichtigen Partner gemeinsam im Herbst die Umsetzung beraten”. Auch Stefan Allgäuer, Chef des Instituts für Sozialdienste, findet das Papier gut. Auch das Wort “zahm” fällt. Will heißen, dass dem neuen sozialpolitischen Ansatz ein paar Giftzähne gezogen wurden.
Drei Ziele verfolgt die Sozialraumorientierung:
Sie soll passgenaue Hilfen anbieten. Dabei darf sie, betont ihr “Vater” Prof. Wolfgang Hinte, natürlich die Rechtsansprüche der Klienten nicht negieren. Vor allem aber fragt sie nach dem Willen der Menschen und deren Ressourcen und nicht nach deren Wünschen.
Sozialraumorientierung kann die Systeme vernetzen helfen. Wenn alle relevanten Akteure im Sozialraum zusammenspielen, wird das Netz dichter.
Es geht auch ums Sparen
Sie verfolgt auch finanzielle Ziele: “Alternative Finanzierungsmodelle” sollen laut Greti Schmid “positive Effekte bezüglich der Wirksamkeit der Hilfen im Gesamtsystem erzielen, was sich mittel- bis langfristig auch positiv auf die Kostenentwicklung niederschlägt.”
Daran entzündete sich am meisten Kritik, die der Kinder- und Jugendanwalt im Frühjahr 2014 am Grazer Modell festmachte. Er sprach von einem Konzept, das laut FH Kärnten in erster Linie ein Einsparungsmodell sei. Ob nun die Sozialraumorientierung tatsächlich im Kinder- und Jugendbereich ausprobiert wird, wie Landesrätin Greti Schmid das angekündigt hat, ist offen. Ein neuer Landtag und die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Greti Schmid werden das zu entscheiden haben.
Das Thema wird erst nach der Wahl weiter diskutiert.
LR Greti Schmid
Stichwort. Sozialraumorientierung
ist das große Zauberwort in der Neuorientierung der Sozialpolitik, und Wolfgang Hinte ist sein Prophet. Landesrätin Greti Schmid lud den Professor für Sozialpädagogik aus Essen am 8. Oktober 2013 nach Bregenz ein. Einen Tag lang erklärte er mehr als 140 Vertretern von Kinderdorf, Caritas & Co, worum es geht: Der Wille der Klienten soll künftig im Mittelpunkt stehen, nicht deren Wünsche. Ihre Potenziale sollen genutzt werden, um gemeinsam vereinbarte Ziele zu erreichen. Die Menschen sollen rasch von Hilfen unabhängig werden. Das fördert ihre Selbstständigkeit und spart auch Geld.