Weit wandern direkt vor der Haustür

Vorarlberg / 01.08.2014 • 17:51 Uhr
Wunderschön wächst und gedeiht der Türkenbund in der Höhe.
Wunderschön wächst und gedeiht der Türkenbund in der Höhe.

Neuer Rundwanderweg führt in 31 Etappen Gehbegeisterte rund ums Land.

Schwarzach. Weitwandern liegt im Trend. Die einen suchen dabei sich selbst, andere spüren Land und Leuten oder einfach der Natur nach. Wege dahin gibt es bekanntermaßen viele, einen davon jetzt sogar vor der Haustür. „Min Weag“ nennt sich ein neues touristisches Angebot, das Gehfreudige in 31 Etappen rund um Vorarlberg und dabei vom Tal bis in hochalpines Gelände führt. Die Länge der Touren variiert zwischen sieben und 18 Kilometern. Wer gut zu Fuß ist, kann kürzere Strecken auch zusammenlegen. Wer den gesamten Weg in einem Stück abgehen möchte, sollte mindestens drei Wochen dafür veranschlagen. Die Vorarlberger Nachrichten haben zwei Etappen getestet. Fazit: „Min Weag“ zu erkunden, lohnt sich. Und zwar bei jedem Wetter.

Praxistest

Auf dem Programm stehen die Etappen 8 und 9. Zuerst geht es von Schönenbach nach Mittelberg, am nächsten Tag von Mittelberg auf den Hochtannberg. Mit 18 Kilometern gehört die Tour vom Bregenzerwald ins Kleinwalsertal zu den längsten im Reigen der vielfältigen Möglichkeiten. Die Wanderzeit ist mit sieben Stunden angegeben, wobei noch 1420 Höhenmeter zu bewältigen sind. Etwas moderater soll sich der Rückweg gestalten. Die Koordinaten: 10,8 Kilometer, 950 Höhenmeter, vier bis fünf Stunden Gehzeit.

Begleitet werden wir von Markus „Moses“ Moosbrugger, einem staatlich geprüften Berg- und Skiführer. Schon seit einigen Jahren arbeitet der Schoppernauer hauptberuflich in diesem Metier. Inzwischen kann er gut davon leben. Gemeinsam mit seinen ebenfalls bergerprobten Kollegen Helmut Düringer und Hanno Dönz hat er die einzelnen Routen des Rundwanderwegs zusammengestellt und selbstredend dem Praxistest unterzogen. „Alle Etappen sind für alle zu bewältigen“, versichert Moosbrugger.

Ein roter Faden

Die Idee als solche ging von Josef Metzler aus, der mit seiner Leidenschaft für Weitwanderwege auch Vorarlberg Tourismus ansteckte und so die Sache ins Rollen brachte. Bei den Bergführern rannten die Touristiker ebenfalls offene Türen ein. „Den Leuten die Natur näherzubringen, ist eine schöne Aufgabe“, meint Moses. Während Hanno Dönz die Varianten von der Bielerhöhe bis nach Feldkirch ausarbeitete, nahmen sich Düringer und Moosbrugger der Strecken von Bregenz zur Bielerhöhe und von Feldkirch nach Bregenz an. „Wir haben einen roten Faden durch das Land gezogen. In welcher Form ihn der Wanderer aufnimmt, soll seine Entscheidung bleiben“, betont Moses. Hilfreiche Angaben liefert jedoch eine App. Zu jeder Etappe finden sich dort Höhenprofil, Zeitangaben, Schwierigkeitsgrad, günstigste Wanderzeit, markante Punkte sowie Verpflegungs- und Unterkunfts­tipps. Na dann, auf ins Vergnügen! In Schönenbach ist es morgens um acht noch ruhig. Die Sonne scheint auf die taubenetzten Wiesen. Es dürfte ein guter Wandertag werden. Der Weg zur Kabelegüntlealpe ist vom vielen Regen jedoch nass und matschig. Gutes Schuhwerk und die prächtige Landschaft lassen darüber hinwegsehen. Den Hohen Ifen im Blick, geht es über eine steile, mit herrlichen Alpenblumen übersäte Wiese hinauf zum sogenannten Gottesacker. Die imposante Karstwelt ringt dem Betrachter stilles Staunen ab und macht jede Anstrengung vergessen. Mit dem Hahnenköpfle (2158 Meter) haben wir den höchsten Punkt der Etappe erreicht. Zwar würde nebenan noch der Hohe Ifen locken, doch Nebel vereitelt einen weiteren Gipfelsturm. Danach geht es abwärts. Die angegebene Zeit hält ziemlich gut, das Wetter ebenso. Als der große Regen einsetzt, sitzen wir bereits im Trockenen.

Schönste Blumenflora

Der nächste Tag beginnt trübe. Macht nichts. Über den Höhen- und Kulturweg gelangen wir nach Baad und von dort auf einem Fahrweg zur Bärgunthütte. Spätestens jetzt ist Umziehen angesagt. Raus aus den nassen Klamotten, hinein ins wasserdichte Wanderzeug. Die jungen Wirte packen uns noch Brot für die Hirten auf der Alpe am Hochalppass in den Rucksack. Dann setzen wir die Tour fort. Das Wasser fließt in Strömen. Die Bäche sind voll, die Wolken ebenso. Doch es ist müßig, Gedanken daran zu verschwenden. Es macht auch so Spaß, ja, es wirkt sogar irgendwie meditativ. Außerdem erfordert der steile Fußweg die ganze Aufmerksamkeit. Zügig steuern wir dem Hochalppass entgegen. Ein Hirte taucht aus dem Nebel auf. Dankbar nimmt er das Brot in Empfang. Wir machen noch einen Abstecher auf die Höferspitze, wo uns die laut Botanikern schönste Blumenflora des Landes empfängt. Sie haben wohl recht. Gämsen kreuzen unseren Weg, der Widderstein gibt hin und wieder schemenhaft seinen Gipfel frei. Es sind solche Augenblicke, die das Wetter zur Nebensache werden lassen. Gegen Mittag ist das Etappenziel, der Hochtannberg, erreicht. Schön war’s. Wirklich schön. Weit wandern können, aber dafür nicht weit fahren müssen: Das hat schon etwas.

Weit wandern direkt vor der Haustür
Moses zeigt es an: Da kann nichts schiefgehen, denn die Informationen auf der App und den Wandertafeln helfen sicher weiter.
Moses zeigt es an: Da kann nichts schiefgehen, denn die Informationen auf der App und den Wandertafeln helfen sicher weiter.
Jeder Schritt eröffnet neue Ausblicke auf die Bergwelt.
Jeder Schritt eröffnet neue Ausblicke auf die Bergwelt.
Der sogenannte
Der sogenannte “Gottesacker” ist eine besondere Landschaft. Noch imposanter nimmt sie sich auf Kleinwalsertaler Seite aus.
Mit sich und der Natur allein: Den Weg von Schönenbach nach Mittelberg müssen sich Wanderer im Sommer oft nur mit Kühen teilen.  Fotos: VN/Hofmeister
Mit sich und der Natur allein: Den Weg von Schönenbach nach Mittelberg müssen sich Wanderer im Sommer oft nur mit Kühen teilen. Fotos: VN/Hofmeister

App mit allen 31 Etappen herunterzuladen auf: http://www.vorarlberg.travel/min-weag