Junger Tschetschene mit einem Bombeninteresse

Vorarlberg / 20.08.2014 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Polizei entdeckte verdächtige Baupläne bei jungem Tschetschenen. Und noch mehr . . .

Feldkirch. Hochsicherheitskontrollen gestern am Landesgericht Feldkirch: Auf der Anklagebank ein 16-jähriger, strenggläubiger muslimischer Tschetschene, unter anderem beschuldigt des „Verbrechens der Vorbereitung eines Verbrechens durch Sprengmittel“.

Im Mai dieses Jahres hatten Polizisten in seinem Zimmer im Dornbirner Elternhaus eine Konstruktion aus Brennstäbchen, Drähten, Batterien und Kondensatoren entdeckt. Daneben Lagen Skizzen und Pläne zum Bau von Bomben. Und eine Zeichnung mit dem Szenario eines explodierenden Autos. Für die Sicherheitsbehörden und auch den Staatsanwalt roch es nach einem geplanten Terroranschlag. Hier in Vorarlberg.

Als Angeklagter vor Richter Richard Gschwenter bekannte sich der Teenager vehement als „nicht schuldig“. Trotz all dieser wohl eindeutigen Beweisstücke. Und dennoch: „Ich wollte keine Bombe bauen, sondern nur einen Stromkreis.“

„Wozu?“, kam es vom Richter.

„Ich wollte etwas für meine kleinen Schwestern bauen, das leuchtet.“

So etwas wie eine Lichtorgel also. „Für Bomben interessiere ich mich nicht“, behauptete er. Das nahm ihm Gschwenter nicht ab: „Warum dann die Skizzen?“

„Die lagen schon seit Jahren im Zimmer, ich habe nur vergessen, sie wegzuschmeißen.“

„Habe keine Hassgefühle“

Dann hielt Richter dem jungen Angeklagten vor, dass es sehr wohl Hinweise für ein „Bombeninteresse“ des Tschetschenen gab. So soll der Bursche einst seinem Vermieter mitgeteilt haben, dass eine Bombe in seinem Haus installiert sei. Außerdem ergaben die Ermittlungen und auch die Aussagen des Beschuldigten selbst, dass er eine große Sympathie für einen berüchtigten amerikanischen Bombenbauer hegte. Außerdem habe er geplant, in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen. Gschwenter fragte weiter: „Hassen Sie eine Volksgruppe?“

„Ich habe keine Hassgefühle“, kam als Antwort. Mit Ausnahme der Russen, die seinen Vater ermordet hätten, ergänzte er.

„Wie weit würden Sie gehen mit Ihrem Hass?“

„Wenn mich jemand angreifen würde, dann würde ich mich wehren.“

Der sogenannte Bombenbau endete gestern mit einem Freispruch. Begründung: Auch ein Sprengstoffexperte war zum Ergebnis gekommen, dass mit den sichergestellten Bauteilen keine Bombe gebaut werden konnte. Und dass sie auch nicht mit den gefundenen Skizzen übereinstimmten.

Freispruch und Verurteilung

Schuldsprüche gab es hingegen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Er war während einer Einvernahme tätlich gegen einen Polizisten vorgegangen. Denn der habe ihn hindern wollen, sein Gebet zu verrichten. Einem jungen Türken hielt er eine Schreckschusspistole an den Kopf, damit er seinen Ohrring abnehme. „War nur Spaß“, rechtfertigte sich der Tschetschene. Und dann war da natürlich noch sein Besitz von Pistole und Messern. Trotz Waffenverbots. Alles in allem wurde der Bursche zu zwölf Monaten Haft, acht Monate davon bedingt, verurteilt. Nach Abzug der abgesessenen Untersuchungshaft bedeutete das für den Verurteilten, dass er gestern sofort enthaftet wurde. Aber er muss Bewährungshilfe in Anspruch nehmen und einen Anti-Aggressionskurs absolvieren. Richter Gschwenter gab ihm noch eines mit auf den Weg: „Sie stehen garantiert unter Beobachtung. Sie leben hier in Österreich und nicht in Tschetschenien. Halten Sie sich danach, denn
beim nächsten Mal wird es kräftig.“

Ich wollte etwas für meine Schwestern bauen, das leuchtet.

Der Angeklagte