Stets betrunkener Rabauke, Zahlungsmuffel und Stromdieb

Untermieter treibt Blutdruck von Unterländer Landwirt auf 180.
Bregenz. Der Strafbestand des „Energieentzugs“ wird recht selten angeklagt. Jener, dem dies im aktuellen Fall angelastet wird, sollte vielmehr dem Alkoholentzug frönen. Vielleicht entzieht er sich selbst gerade deshalb seiner Verantwortung vor dem Bezirksgericht Bregenz. Dennoch: Richter Christian Röthlin entscheidet sich zur Durchführung der Hauptverhandlung in Abwesenheit des Beschuldigten. Immerhin ist ja der Geschädigte als Zeuge anwesend. Ein 61-jähriger Unterländer Landwirt, aufgebracht und erzürnt in seinen Aussagen.
Seit vergangenem Jahr haust und wütet ein Untermieter im zweiten Obergeschoß seines zweiten Hauses nebenan. Der Landwirt lässt kein gutes Haar an dem Mann: „Er ist immer besoffen, jeden Tag kommt die Polizei! Er säuft eine Kiste Bier und zwei Flaschen Schnaps! Sandler kommen jeden Tag. Es ist ein Wahnsinn, ein Horror ist das! Mein Blutdruck ist schon auf 180!“
Eine andere Version
Dann die Stromrechnung. 162 Euro hat der Untermieter nicht bezahlt und doch verbraucht. Und dies, obwohl ihm die VKW die Stromversorgung schon vor Monaten abgezwackt hat. Wie geht das?
Der Geschädigte klärt auf: „Er hat eine Kabelrolle genommen, ist einfach durchs Fenster ins Klo im fremden Erdgeschoß gestiegen und hat dort den Stecker in die Steckdose gesteckt. So ging das.“ Eine bodenlose Frechheit sei das. Wirklich. Der beklagte Untermieter selbst hingegen tischte einst bei der Einvernahme durch die Polizei eine andere Version auf. Das Ausborgen von Strom sei ihm vom Vermieter bewilligt worden. Dieser habe ihm dafür sogar ein Verlängerungskabel zur Verfügung gestellt.
Der Zeuge dementiert: „Gar nichts ist hier bewilligt worden! Das Kabel habe ich ihm nur überlassen, weil er es angeblich für den Kompressor zum Aufpumpen eines Reifens gebraucht hat. Tatsächlich aber hat er mir meinen Strom abgezapft.“
Rechtsanwalt mobilisiert
Der Landwirt steigert sich rein. Immer mehr fällt ihm ein zu dieser „Secklerei“: „Der hat sich letztes Jahr eine Fuhre Holz bestellt und sie in meinem Garten abgelagert. Er hat das Material vermutlich auch nicht bezahlt.“ Er will den Untermieter loswerden, hat schon einen Rechtsanwalt mobilisiert. „Der soll jetzt ausziehen und fertig.“
Richter Christian Röthlin vertagte die Verhandlung. Denn es gibt noch Unklarheiten bezüglich der tatsächlich verbrauchten Strommenge. Die VKW werden dazu noch befragt werden müssen.
