Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Drei zu viel

Vorarlberg / 30.09.2014 • 20:54 Uhr

Drei Wochen, drei Freunde, drei Zusammenbrüche. Was sind das nur für Zeiten, in denen die Überforderung zum guten Ton gehört? Schon die Frage nach dem Wohlbefinden gerinnt zum Offenbarungseid: Na, wie geht’s? Großartig! Wie bitte? Lustvoll nützt der Einflüsterungsteufel seinen Einsatz: Großartig? Von wegen! Da muss doch ein Haken sein. Wenn nicht im Job, dann in der Familie. Gesund schaut er auch nicht aus . . .

Nein, wer hingegen mit einem unbestimmten, leicht leidenden „Es geht schon“ antwortet, fährt entschieden besser. Der liegt im Trend. Der erntet mitleidiges Verständnis: Ach, erzähl mir nix! Erst gestern . . . Und schon ist er vollzogen, der Schulterschluss derer, die Seite an Seite – gequält, aber aufopferungsvoll – dem Herzinfarkt entgegen ackern.

Drei Freunde, drei Zusammenbrüche. Das sind drei zu viel. Dabei ging es uns noch nie so gut wie heute. Aber irgendwie sind uns die eigentlichen Qualitäten – Freundschaften pflegen, sich Zeit nehmen – auf dem Weg zum nächsten Meeting abhanden gekommen. Stattdessen haben wir glücklich das bisserl freie Zeit mit Leistungssport und perfekter Freizeitplanung auch noch der allgemeinen Hetze angeglichen.

thomas.matt@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-0