Hilde Fenkart: Vom Diplomatenleben zur Künstlerkarriere

VN / 27.02.2026 • 13:34 Uhr
Hilde Fenkart: Vom Diplomatenleben zur Künstlerkarriere
Künstlerin Hilde Fenkart. Das große Bild im Hintergrund hat sie gemalt. Alexandra Serra

Hilde Fenkart (80) emanzipierte sich aus der Rolle der Diplomatengattin und etablierte sich als eigenständige Künstlerin.

Dornbirn Schon als Kind malte und zeichnete Hilde Fenkart (80) leidenschaftlich gern. “Ich musste mich immer ausdrücken. Ich bin ein komplett künstlerischer Mensch.” Die Tochter eines Arztes aus Klagenfurt wollte nach der Matura eine Kunsthochschule besuchen und Malerei studieren. Doch es kam anders als geplant.

Fenkart lernte mit 17 ihren zukünftigen Ehemann kennen, einen Vorarlberger. “Erich war 18 Jahre älter als ich. Er war Journalist bei der Presse. Wir haben während der Matura geheiratet. Dazu brauchten wir das Einverständnis des Schuldirektors.” Das Paar gründete eine Familie und bekam zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter.

IMG_20260222_162202.jpg
Das Foto zeigt Hilde Fenkart als 16-Jährige.

Im Jahr 1965 übersiedelte das Ehepaar nach Belgien. “Mein Mann wurde österreichischer Diplomat in Brüssel.” Ganze elf Jahre verbrachte die Familie aus Österreich in der belgischen Hauptstadt. Mit Brüssel verbindet die heute 80-Jährige keine guten Erinnerungen. Das hat mehrere Gründe. “Es regnete fast jeden Tag. Ich kannte niemanden in Brüssel und war weit weg von meinen Freunden in Klagenfurt. Anfangs konnte ich die Sprache nicht. Ich hatte auch keinen Babysitter für meine zwei kleinen Kinder. Ich war mit ihnen überfordert. Mein Mann war ein Karrieremensch. Er kam selten vor 21 Uhr nach Hause.”

1976 wurde der Diplomat aus Brüssel abberufen und nach New York entsandt. Seine Frau und seine Kinder begleiteten ihn in sein neues Leben in der Weltmetropole. Die Diplomatengattin verliebte sich in die Millionenstadt. “New York ist umwerfend. Es gibt viele Museen und Galerien. Das ist einfach großartig, wenn man – wie ich – kunstinteressiert ist.” Auch von den New Yorkern war sie begeistert. “Sie sind Intellektuelle und sehr freundlich.”

IMG_20260217_180453.jpg
Heute ist Hilde Fenkart oft mit der Kamera unterwegs. Walter de Meijer

In New York entdeckte Fenkart ihre alte Leidenschaft, das Malen, neu für sich. “Ich besuchte drei Mal in der Woche eine Kunstakademie und lernte dort zu malen.” Fenkart wandte sich dem Abstrakten Expressionismus zu, der in den 40er-Jahren in New York entstanden ist.

Aber das Diplomatenleben verlangte viel von ihr ab. “An manchen Abenden musste ich bei uns im Wohnzimmer bis zu 100 Gäste bewirten.” Wegen der gesellschaftlichen Verpflichtungen kam sie oft erst nach 24 Uhr ins Bett. Haushalt, Kinder und Schule brachten sie an ihre Grenzen. “Ich hatte einen Zusammenbruch.” Das brachte sie dazu, über ihr Leben nachzudenken. “In unserer Ehe kriselte es. Wir sprachen erstmals über Scheidung. Ich wollte nicht mehr von meinem Mann abhängig sein und nicht länger nur sein Leben mitleben.”

Von New York nach Wien

Nach drei Jahren verließ die Diplomatenfrau New York in Richtung Wien. “Ich schaffte es, meinen Mann zu überreden, dass er mit den Kindern nachkommt.” Doch den Kids gefiel Wien nicht. “Sie verweigerten den Schulbesuch.” Als ihr Mann ein neues berufliches Angebot in Bonn bekam, übersiedelte die Familie im Jahr 1980 in die damalige deutsche Bundeshauptstadt, wo Fenkart künstlerisch sehr aktiv war. “In der Zeit habe ich viele Bilder gemalt. Mein Wunsch, etwas zu schaffen und zu kreieren, war unglaublich groß.”

Aber mit der Ehe ging es steil bergab. “Nach zwei Jahren in Bonn war sie endgültig zu Ende.” Fenkart kehrte ohne Mann und Kinder in ihre Heimatstadt Klagenfurt zurück. Dort etablierte sie sich als Malerin. “Die Klagenfurter unterstützten mich. Ich konnte viele Bilder ausstellen und verkaufen.” Heute kann Fenkart nicht mehr malen, weil ihre Finger durch Gicht beeinträchtigt sind. Stattdessen fotografiert sie jetzt mit Leidenschaft.

Im Jahr 2011 zog die Künstlerin nach Vorarlberg, weil ihr Sohn Thomas in Dornbirn lebt. Zu der Zeit kämpfte sie noch gegen den Brustkrebs. “Ich wusste nicht, ob ich überlebe.” Die gebürtige Kärntnerin ist dankbar für ihr heutiges Leben. “Ich mag meine gemütliche Wohnung und genieße es, dass ich mit meinem Sohn zusammen sein kann. Er wohnt ganz in meiner Nähe.”

Vom 2. März bis 2. Mai kann man in der gallery -T-69 in Hohenems (Franz-Michael-Felderstraße 6) unter anderem Bilder von Hilde Fenkart sehen. Die Vernissage findet am 21. März (ab 13 Uhr) statt.