Sorge um medizinische Ausbildung

Arbeitszeitverkürzung in Spitälern ist weit mehr als nur eine Frage des Geldes.
Schwarzach. Bislang dreht sich die Diskussion um die Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit für Ärzte von derzeit 72 auf maximal 48 Stunden hauptsächlich um den finanziellen Aspekt. Tatsächlich ist die von der EU verordnete Kur aber mehr als eine Frage des Geldes. Es geht auch darum, wie die Ausbildung trotz Stundenkürzung weiterhin in der gleichen Zeit und vor allem Qualität erfolgen kann. Laut Gesundheitslandesrat Christian Bernhard gibt es auf diese Frage noch keine wirkliche Antwort. Dazu müsse der endgültige Gesetzestext abgewartet werden. Ärzte und Spitalsverantwortliche haben ihre diesbezüglichen Bedenken indes schon bei ihm deponiert.
Strukturierte Stunden
Zumindest formal wird die Neuregelung der Arbeitszeit weder eine Verlängerung noch eine Verkürzung der Ausbildung bringen. „Das bedeutet auch organisatorisch einen richtungsweisenden Wechsel“, vermutet Dr. Hermann Blaßnig, Sprecher der Spitalsärzte. Der Umgang mit den neuen Gesetzen – neben dem Zeitarbeitsgesetz dräut ab 1. Jänner 2015 auch ein Ärzteausbildungsreformgesetz – werde mit Sicherheit kein leichter Weg. „Der Ausbildungsaspekt ist jedenfalls zu überdenken“, so Blaßnig. Medizin sei Erfahrungswissen, es gelte daher, die 48 Arbeitsstunden sehr strukturiert zu gestalten. Dies müsse in enger Abstimmung mit den Krankenhausträgern geschehen. „Denn die sind letztlich für die Umsetzung verantwortlich.“
Arbeitszeitprojekte
Was zu konkreten Planungen noch fehlt, sind die Ausbildungsverordnungen. Die kommen erst. Für den Chef der Krankenhausbetriebsgesellschaft, Gerald Fleisch, ist auch so klar: „Die Arbeits- und Behandlungsqualität muss gewährleistet bleiben.“ Das zu bewerkstelligen bedeute eine immense Herausforderung. Laufende Arbeitszeitprojekte sollen Aufschlüsse liefern, wie sie bewältigt werden kann. So viel steht schon fest: Ein Modell für alle Abteilungen wird nicht reichen. Es braucht differenzierte Lösungen. „Es sollen gute Ärzte herauskommen“, diesen Wunsch hegt auch Gesundheitslandesrat Christian Bernhard. „Das Thema steht auf der Agenda ganz oben“, versichert er.
Bindung an Spitäler
Die Krankenhäuser selbst stehen noch vor einer weiteren schwierigen Aufgabe, nämlich jener, in absehbarer Zeit den mit 80 bis 100 bezifferten Mehrbedarf an Medizinern zu stemmen. Derzeit gibt es keinen Mangel an Turnusärzten. Es kommt am einigen Landesspitälern sogar wieder zu Wartezeiten. Auch das Interesse, das klinisch-praktische Jahr (KPJ) in einem Vorarlberger Krankenhaus zu absolvieren, ist enorm gestiegen, nachdem publik wurde, dass die Medizinstudenten hier für das Praktikum bezahlt werden. Insgesamt 58 Plätze stehen für Medizinstudenten zu Verfügung.
Inzwischen zogen andere Bundesländer finanziell nach. „Wir haben trotzdem noch einen Vorsprung“, freut sich Gerald Fleisch. Nun sei es wichtig, die angehenden Ärzte zum Ende ihres Studiums möglichst an die Spitäler zu binden. Dazu will der KHBG-Direktor auch den für den Kindergarten des LKH Bregenz aktuell eingeheimsten betrieblichen Sozialpreis ins Rennen werfen. Eine gute Kinderbetreuung sei ebenfalls eine wichtige Rekrutierungsmaßnahme.
Es gilt, die 48 Arbeitsstunden sehr strukturiert zu gestalten.
Hermann Blassnig