Endspurt auf dem Hochjoch

Vorarlberg / 10.10.2014 • 21:59 Uhr
Bei der Talstation der Panoramabahn müssen Handwerker noch die Feinarbeiten machen. Fotos: Bernd Hofmeister
Bei der Talstation der Panoramabahn müssen Handwerker noch die Feinarbeiten machen. Fotos: Bernd Hofmeister

Bauarbeiten sind bald beendet. Panoramabahn soll in 14 Tagen zum ersten Mal laufen.

Schruns. (VN) Bei der Berg- und Talstation ist das Gröbste gemacht. Die Handwerker müssen nur mehr die Feinarbeiten erledigen. Elektriker, Schlosser, Bodenleger, Schreiner, Installateure, Stahlbauer und Zimmerer arbeiten fieberhaft, damit die Kabinenbahn planmäßig Mitte bis Ende November in Betrieb gehen kann. Die elf Stützen stehen schon. Auch das Seil ist bereits gezogen. Noch diese Woche sollen die ersten der insgesamt 65 Kabinen eingehängt werden. Bis in 14 Tagen, so hofft Bauleiter Roman Sandrell, wird sich die Panoramabahn selbstständig drehen.

Für Sandrell, den Technikchef der Silvretta Montafon (SiMo), stellt es eine Meisterleistung dar, in dieser Höhe eine Bahn zu bauen. „Der Bau einer Bahn in so kurzer Zeit ist vom Anfang bis zum Ende eine Herausforderung für alle Beteiligten.“ Weil es noch Schnee hatte, konnten die Bauarbeiten erst Ende Mai beginnen. In der aktivsten Bauphase waren nicht weniger als 150 Arbeiter im Einsatz. Sie hatten es in diesem Sommer nicht leicht. Dauerregen erschwerte ihnen die Arbeit. Vier Mal schneite es sogar. Aber die Männer trotzten den Unbilden des Wetters. Dafür zollt Sandrell seinen Mitarbeitern Lob. „Es hat keine Ruhepausen für sie gegeben, weil wir nur ein kurzes Zeitfenster haben, in dem wir bauen können.“ Wegen des Zeitdrucks wird mit der Arbeit früh (7 Uhr) begonnen und spät (19 Uhr) aufgehört.

Viele Herausforderungen

Auf einer hochalpinen Baustelle gibt es viele Herausforderungen. Eine davon ist es, das Baumaterial bzw. die Baumaschinen auf den Berg zu bringen. Lkw-Fahrer brachten Bagger, Motoren, Elektro- und Antriebsteile, Blechteile, Werkzeuge und vieles mehr auf einer einspurigen Forststraße bis zur Talstation hinauf.

„Du hast viel Verantwortung“, sagt Michael Tschann. Der Blonser musste unter anderem Stahlsäulen auf den Berg fahren. Jetzt schneidet er gerade am Dach der Talstation mit einer Flex Blech heraus. „Ich mache einen
Wasserablauf.“ Der 32-Jährige arbeitet für die Firma Geiger Technik in Nenzing. Sie
ist eine von rund 30 Firmen, die für den Bau der Panoramabahn engagiert wurden. „98 Prozent dieser Unternehmen kommen aus Vorarlberg. Die Wertschöpfung bleibt also im Land“, freut sich Sandrell.

Mit einer Materialseilbahn oder einem Hubschrauber wurde das Baumaterial dann weiter zur Bergstation auf eine Höhe von 2400 Meter gebracht. „Die letzten großen Teile, die mit Lkw herauftransportiert werden müssen, sind die Kabinen“, informiert Sandrell. Jetzt müsse man sich beeilen. „Denn wenn es zu einem Wintereinbruch kommt, kommen die Lastwagen nicht mehr herauf.“

Aber nicht nur der Transport stellte eine Herausforderung dar. Auch das Aufstellen der Stützen, von denen manche bis zu 100 Tonnen schwer sind, war eine große Aufgabe. Ein Kamov-Hubschrauber, der größte Außenlasthubschrauber im deutschsprachigen Raum, setzte die bis zu fünf Tonnen schweren Einzelteile ab. „Für den Piloten ist das eine Zentimeterarbeit. Die Männer am Boden mussten die einzelnen Stützenteile zusammenmontieren und im Zuge dessen bis auf eine Höhe von 30 Metern hochklettern. Kein ungefährliches Unterfangen“, wie Sandrell betont. Innerhalb eines Tages wurden auf diese Weise alle elf Stützen aufgestellt. Es freut den Bauleiter, dass sich bis jetzt kein Arbeiter verletzt und alles wie am Schnürchen geklappt hat.

Der Bau der Panoramabahn verschlingt 12,5 Millionen Euro. Der größte finanzielle Brocken: die Seilbahn der Firma Doppelmayr. Sie macht zwei Drittel der Gesamtkosten aus.

Es ist eine große Leistung, in dieser Höhe eine Bahn zu bauen.

Roman Sandrell
Simon Beck bei Montagearbeiten in der Gondelgarage.
Simon Beck bei Montagearbeiten in der Gondelgarage.
Roman Sandrell ist Bauleiter des Projekts Panoramabahn. 
Roman Sandrell ist Bauleiter des Projekts Panoramabahn.