Langes Warten auf Diagnose

Vorarlberg / 26.11.2014 • 21:06 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Im LKH Feldkirch müssen die Ärzte weiter auf die Reparatur des Endosonografiegerätes warten.  Foto: VOL.AT/Schwendinger
Im LKH Feldkirch müssen die Ärzte weiter auf die Reparatur des Endosonografiegerätes warten. Foto: VOL.AT/Schwendinger

Tagelang waren in Spitälern Endosonografiegeräte defekt und keine Leihgeräte da.

Feldkirch. Srecko Sebjanic spricht von einer unglaublichen Geschichte, und irgendwie ist sie das auch. Sein Vater Milan wartete wochenlang auf die Abklärung einer möglichen schweren Krebserkrankung mittels Endosonografie. Drei Mal wurde der vereinbarte Termin verschoben und der Patient kurzerhand aus dem Spital wieder nach Hause geschickt. Der Grund: Sowohl das Gerät im Landeskrankenhaus Feldkirch wie auch jenes im Landeskrankenhaus Bregenz waren defekt und der Hersteller nicht in der Lage, den Krankenhäusern ein Leihgerät zur Verfügung zu stellen.

Tumordiagnose

Begonnen hat die Odyssee in Slowenien, wo die Eltern von Srecko Sebjanic seit ihrer Pensionierung während der Sommermonate wohnen. Die übrige Zeit verbringen sie in Vorarlberg. Anfang Oktober kam der 67-jährige Vater aufgrund einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung in stationäre Behandlung. Im Zuge einer Untersuchung per CT entdeckten die Ärzte einen schon größeren Tumor an der Bauspeicheldrüse. Um festzustellen, ob es sich um eine bösartige Geschwulst handelt, wurde im Krankenhaus von Marburg ein Termin für eine Endoskopie vereinbart. „Da meine Eltern jedoch schon die Abreise nach Vorarlberg geplant hatten, fragten sie, ob die Untersuchung auch dort noch durchgeführt werden kann“, erzählt Srecko Sebjanic. Der zuständige Arzt habe gemeint, das müsse aber schnell passieren.

Pannenserie

Mit der Überweisung vom Hausarzt ins Landeskrankenhaus Feldkirch klappte es tatsächlich sofort. Doch dann lief Milan Sebjanic direkt in eine Pannenserie hinein. Im Landeskrankenhaus Feldkirch erhielt er erst vor Ort die Mitteilung, dass das Endosonografiegerät defekt sei. Man würde sich bei ihm melden, sobald es wieder funktioniert. Laut seinem Sohn erhielt er jedoch erst auf eigene Nachfrage einen neuen Termin. Doch auch der platzte, weil das Gerät immer noch nicht einsatzfähig war. Da die Reparatur dieser hochtechnischen Geräte laut Krankenhausbetriebsgesellschaft durchaus Wochen in Anspruch nehmen kann, wurde der Patient an das Landeskrankenhaus Bregenz verwiesen. Wieder kam Milan Sebjanic umsonst. Auch dieses Gerät hatte zwischenzeitlich seinen Geist aufgegeben. Man habe ihn nicht informiert, weil man davon ausgegangen sei, das Problem über das Wochenende lösen zu können. Gelungen ist es nicht. Laut Krankenhausbetriebsgesellschaft gibt es in den Landeskrankenhäusern bzw. in ganz Vorarlberg derzeit nur drei Endosonografiegeräte. Eines der Geräte hat eine rein diagnostische Funktion. Es dient lediglich der Bildgebung. Über ein therapeutisches Endosonografiegerät verfügt das Landeskrankenhaus Feldkirch seit 2010, das Landeskrankenhaus Bregenz seit heuer. Mit diesen Geräten können Gewebeentnahmen zur Diagnosestellung durchgeführt werden. Im Falle von Reparaturen sei es üblich und vereinbart, Leihgeräte gestellt zu bekommen. Momentan könne die Herstellerfirma das nicht leisten. Die Reparaturen dieser komplizierten Geräte dauern, abhängig von der Art des Defekts, wenige Tage bis mehrere Wochen, heißt es.

Bedauern wegen Verzögerung

Was den Fall von Milan Sebjanic betrifft, äußerte die Krankenhausleitung Bedauern über die Verzögerung der Untersuchung und Verständnis für die Unzufriedenheit des Patienten. Und weiter: „Das konkrete Vorgehen wird nun im direkten Kontakt zwischen den behandelnden Ärzten und dem Patienten geklärt.“

Termine für Untersuchungen würden ausschließlich nach medizinischer Dringlichkeit und organisatorischen Erfordernissen vergeben, lautet die Aussage auf den von Srecko Sebjanic erhobenen Vorwurf, wonach prominentere Leute wohl längst schon an die Universitätsklinik Innsbruck gebracht worden wären. Dort befindet sich nämlich das nächstgelegene Endosonografiegerät, und dort wird nach langer Zeit der Ungewissheit bald auch Milan Sebjanic untersucht.

Die Abteilung für Chirurgie des Landeskrankenhauses Feldkirch hat noch gestern sicherheitshalber einen Termin organisiert, da nicht absehbar war, wann das Gerät in Bregenz funktionstüchtig ist. Aber auch das konnte gestern in Betrieb genommen werden.

Drei Mal wurde mein Vater aus dem Spital nach Hause geschickt.

Srecko Sebjanic

Stichwort. Endosonografie

Endosonografie kommt bei Patienten zum Einsatz, die im Bereich des oberen Verdauungstraktes ein diagnostisches Verfahren benötigen, bei dem nicht nur die Oberfläche betrachtet wird, sondern auch das Gewebe in der
Tiefe untersucht werden muss, zum Beispiel bei Verdacht auf bösartige Erkrankungen der Gallengänge,
der Bauchspeicheldrüse oder des Zwölffingerdarms. Das Besondere an den therapeutischen Endoskopiegeräten für Magen-Darm-Spiegelungen besteht in der gleichzeitigen Möglichkeit zur Sonografie und Punktion (Gewebeentnahme). Endosonogra­fiegeräte sind hochtechnische, sensible Medizingeräte, der Wert pro Gerät beträgt rund 70.000 Euro. Jährlich werden in Vorarlberg etwa 50 Endosonografien mit Punktion durchgeführt.