Gratiszahnspange startklar

Am 1. Juli ist es so weit. In Vorarlberg wird mit etwa 500 Fällen pro Jahr gerechnet.
Dornbirn. Die Neos trauen dem Frieden immer noch nicht, der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hingegen gibt Entwarnung: Trotz verzögerter Ausschreibung in Wien wird die Gratiszahnspange wie vorgesehen am 1. Juli 2015 eingeführt. Das bestätigt auch der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK), Manfred Brunner. „Es gibt keinen Grund, etwas anderes anzunehmen.“ In Vorarlberg wurden, wie berichtet, elf Kieferorthopäden und Zahnärzte unter Vertrag genommen. „Damit verfügen wir über eine sehr gute personelle Ausstattung“, ist Brunner überzeugt. Die GKK-Zahnambulatorien sind nicht dabei, da es dort keine Kieferorthopäden gibt.
Basierend auf den bisher gemachten Erfahrungen wird in Vorarlberg mit jährlich rund 500 Fällen gerechnet, die für eine Gratiszahnspange infrage kommen. Dabei handelt es sich um schwere Fehlstellungen der Kategorien IOTN 4 und IOTN 5. Einen Rückstau an jungen und jugendlichen Patienten befürchtet Manfred Brunner nicht. Die VGKK habe schon im Vorfeld an die Eltern appelliert, notwendige Behandlungen von Zahnfehlstellungen unabhängig von der Gratiszahnspange durchführen zu lassen. Anders sieht es offenbar in anderen Bundesländern aus. Wie der Sozialsprecher der Neos im Nationalrat, Gerald Loacker, per Anfragebeantwortung von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser mitgeteilt bekam, spricht der Hauptverband von einem Rückstau an Patienten, der nicht vor Ende 2018 abgebaut sein wird. „Offenbar fehlen die Ärzte, die notwendig wären“, mutmaßt Loacker.
Elf statt neun Vertragsstellen
Laut Oberhauser ist die Zahl der Vertragskieferorthopäden auf den angenommenen Versorgungsbedarf abgestellt. Die Verteilung der Stellen innerhalb eines Bundeslandes nahmen Gebietskrankenkassen und Landeszahnärztekammern gemeinsam vor. In Vorarlberg war ursprünglich von neun Vertragsstellen die Rede. Letztlich erhielten elf Bewerber einen Kassenvertrag. Probleme mit der Ausschreibung gab es zuletzt in Wien, wodurch das gesamte Projekt ins Wanken geriet. Wie Manfred Brunner dazu aktuell mitteilt, liegen die Bewerbungen nun aber vor. Aufgrund der großen Anzahl sei jedoch ein Auswahlverfahren erforderlich, das derzeit laufe. Insgesamt mussten 170 Zahnärzte und Kieferorthopäden rekrutiert werden.
An finanziellen Mitteln stehen für die Gratiszahnspange 80 Millionen Euro zur Verfügung. Die Befürchtung der Neos, es könnte zu Kostenüberschreitungen kommen, teilt die Gesundheitsministerin nicht. Aufgrund der Erwartung, dass frühere Interventionen in die Zahngesundheit spätere Korrekturen ersparen, sei von keiner Änderung des Gesamtaufwands auszugehen.
Zuzahlungen bleiben
Die Gratiszahnspange gibt es für Kinder ab sechs Jahren (frühkindliche Fehlstellungen) und Jugendliche ab zwölf bis einschließlich 18 Jahren. Für Kinder, die keine Gratiszahnspange erhalten (IOTN 3), bleiben die Zuzahlungen der Kassen aufrecht. Generell kein Geld gibt es für kosmetische Eingriffe.
Die Neos zweifeln den Sinn der Gratiszahnspange insgesamt an. „Wir hätten präventive Maßnahmen bevorzugt“, sagt Gerald Loacker. Seiner Meinung nach gehört eine zahnmedizinische Untersuchung in den Mutter-Kind-Pass. Die Kosten dafür beziffert er mit ca. zwei Millionen Euro pro Jahr. „Das brächte wirklich einen Fortschritt“, meint er.
Eine zahnmedizinische Untersuchung gehört in den Mutter-Kind-Pass. Das wäre ein Fortschritt.
Gerald Loacker