Messehalle: Asylbetreuung in privater Hand

Vorarlberg / 30.06.2015 • 19:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Rote Kreuz beendet Betreuung in der Messe. Foto: VN/Hartinger
Das Rote Kreuz beendet Betreuung in der Messe. Foto: VN/Hartinger

Schweizer Unternehmen ORS übernimmt Betreuung der Flüchtlinge in der Messehalle.

Dornbirn. Gesucht: Nachtportier; Mindestgehalt, ohne Zulagen: 1562,10 Euro brutto. Sozialbetreuer für Flüchtlinge; Mindestgehalt: 2145,90 Euro brutto. Sozialbetreuer Ferialjob; Mindestgehalt: 1863,50 brutto. Bewerbungen an ORS Service GmbH, Wien. Der Haken daran: Es ist auf einen Monat befristet. Ab heute, Mittwoch, ist die Tochterfirma des Schweizer Unternehmens ORS für die Flüchtlingsbetreuung in der Dornbirner Messehalle zuständig. Profit mit Flüchtlingen? Laut ORS mache dies eine gute Arbeit möglich. Und weil die Chefs keine Chauffeure haben.

Übergabe nach einem Monat

Petra Gebhards Arbeit ist getan. Einen Monat ist es her, dass das Rote Kreuz die Halle 3 innerhalb weniger Tage in ein Notlager für Asylwerber verwandelte. Unter Gebhards Leitung wurden eiligst Holzwände hochgezogen, Feldbetten aufgestellt und eine provisorische Essensausgabe eingerichtet. 120 Asylwerber fanden für vorerst einen Monat Platz. „Es wäre blauäugig gewesen, zu sagen, dass es nach einem Monat kein Camp mehr braucht“, sagt Gebhard. Für das Rote Kreuz sei dennoch per 1. Juli Schluss, mehr sei mit den Resourcen nicht möglich. Vergangenen Donnerstag hat Gebhard Bescheid bekommen, dass ein Privatunternehmen übernimmt: ORS Service GmbH mit Sitz in Wien. Notbetten und Technik des Roten Kreuzes bleiben in der Halle.

ORS ist seit 2011 in Österreich aktiv, betreut
das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen für das Innenministerium und zählt Niederösterreich, Steiermark und Kärnten zu den Auftraggebern. Auch die Zeltlager werden von der Firma betreut. Das Angebot, Flüchtlinge in Vorarlberg zu betreuen, kam von der Firma selbst. Laut dem zuständigen Vorarlberger Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) sprachen schon vor zwei Monaten ORS-Vertreter bei ihm vor. Damals noch ohne Ergebnis, weil ohne Bedarf. „Jetzt haben wir die Hilfe nötig, deshalb bin ich auf ORS zurückgekommen“, sagt Schwärzler. Medienberichten zufolge soll der Jahresumsatz in der Schweiz bei über 55 Milliarden Franken liegen. In Österreich wies das Unternehmen 2013 eine Bilanzsumme von rund 5,9 Millionen Euro auf, bei einem Gewinn von rund 600.000 Euro.

In Vorarlberg besitzt die Caritas ein Quasi-Monopol auf Asylwerber-Betreuung. Finanziell lohne sich das nicht, wie Martin Fellacher bestätigt: „Wir machen keinen Gewinn, wir sind gemeinnützig. Aber offensichtlich geht es, sonst würde sich keine Privatfirma anbieten.“ Wilhelm Brunner von ORS erklärt, wie das möglich ist: „Mit guter Arbeit als guter Dienstleister. Außerdem haben wir keine Geschäftsführer mit Chauffeur und keine große Firmenzentrale, wie vielleicht andere Organisationen.“ 179 Mitarbeiter beschäftigte ORS im Jahr 2013 – die Zahl wird mittlerweile deutlich höher sein. In Dornbirn sollen zukünftig sieben Personen plus Sicherheitspersonal angestellt sein. Eine Vorarlbergerin, die seit vier Jahren bei ORS beschäftigt ist, übernimmt die Koordination. Ein Freiwilliger vom Roten Kreuz wird übernommen. Für die Flüchtlinge soll sich nicht viel ändern. „Wir behalten die Verpflegung bei und werden ebenfalls rund um die Uhr vor Ort sein“, bekräftigt Brunner.

Im August muss die Messehalle geräumt sein, dann beginnen die Vorbereitungen für die Herbstmesse. Landesrat Schwärzler will bis dahin eine Alternative gefunden haben: Eine große Fabrikshalle mit der nötigen Infrastruktur zum Beispiel. Das Hochbauamt des Landes sei auf der Suche, in den kommenden zwei Wochen wollen die Verantwortlichen einen möglichen Standort finden.

Für Petra Gebhard ist nun Schluss, sie widmet sich wieder den eigentlichen Aufgaben des Roten Kreuzes. „Es war eine super Zeit, ich habe viel gelernt“, sagt sie über den vergangenen Monat. Es wird nicht die letzte solche Aufgabe gewesen sein. „Es kann gut sein, dass wir wieder gerufen werden“, ist sich Gebhard bewusst. Landesrat Schwärzler stimmt zu: „Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass sich die Situation entspannt. Wir werden das Rote Kreuz wahrscheinlich wieder brauchen.“ Vielleicht im Herbst? Die Messe endet am 13. September.

Wir werden das Rote Kreuz wohl wieder brauchen.

LR Erich Schwärzler