Der Adrenalinkick wirkt nur für eine kurze Zeit

Wespengiftallergiker brauchen auch bei erfolgreicher Therapie das Notfallset.
feldkirch. So lästig wie in diesem Sommer waren die Wespen schon lange nicht mehr. Das haben auch Fachleute schon mehrfach bestätigt. Und ein Ende der Plage ist nicht in Sicht. Denn gegen Ende August schlüpfen neue Wespen. Die können auf der Suche nach Futter noch hartnäckiger das Menüangebot der Menschen umgarnen, weil ihnen das natürliche Nahrungsangebot (Mücken, Fliegen und Sonstiges) sukzessive abhanden kommt. Also halten sich die Brummer an das, was unsereiner so auf den Tisch bringt: Wurst, Süßigkeiten, Limonade und reifes Obst. Während viele mit diesen Insekten gut leben können, müssen sich andere davor hüten. Das gilt speziell für jene Personen, die gegen das Gift von Wespen allergisch sind. Für sie bedeutet ein Wespenstich nämlich Lebensgefahr.
Therapie möglich
Österreichweit wird die Zahl der Betroffenen auf rund 300.000 geschätzt. Wie viele es in Vorarlberg sind, lässt sich laut OÄ Dr. Michaela Ranta (48) nicht genau beziffern. „Wir haben zwar einige Patienten mit Insektengiftallergie in Behandlung, aber es werden natürlich nicht alle zu uns geschickt“, spricht Ranta, die als Bereichsleiterin in der HNO-Abteilung des Landeskrankenhauses Feldkirch unter anderem die Allergieambulanz betreut, von einer unbekannten Dunkelziffer.
Steht die Diagnose, entweder durch Haut- oder Bluttest ermittelt, eindeutig fest, kann nur die sogenannte spezifische Immuntherapie, auch bekannt als Allergie-Impfung, nachhaltig helfen. Ihre Erfolgsrate liegt bei immerhin etwa 80 Prozent. „Allergiker müssen aber auch nach Abschluss der Behandlung immer ihr Notfallset mitführen“, betont Michaela Ranta. Auch weil das Adrenalin, das sich Insektengiftallergiker selbst injizieren können, einen relativ kurzen Wirkzeitraum hat. „Es handelt sich dabei wirklich nur um eine Überbrückung. Nach der Erstbehandlung muss auf jeden Fall noch ein Arzt aufgesucht werden“, erklärt die Fachärztin weiter. Das Adrenalin, das mittels Autoinjektor verabreicht wird, unterstützt zumindest eine gewisse Zeit den Kreislauf des Patienten und hält seinen Blutdruck stabil.
Schwellungen sind normal
Wespenstiche sind äußerst unangenehm und schmerzhaft. „Und eine Schwellung nach einem Stich ist normal“, erläutert die Ärztin. Im Kopf- und Halsbereich machen sich Schwellungen meist stärker bemerkbar. Das muss allerdings noch nichts bedeuten. Kommen jedoch Symptome wie Kreislaufprobleme, Atemnot und Hautausschläge am ganzen Körper, Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche dazu, sollten Betroffene bzw. Angehörige schnell reagieren und dafür sorgen, dass eine medizinische Behandlung in die Wege geleitet wird.
Aufdosierung
Die positive Nachricht: Eine Wespenstichallergie ist mittels Allergie-Impfung gut zu therapieren. Bei der spezifischen Immuntherapie wird dem Körper das Allergen in steigenden Dosen zugeführt. Nach der Aufdosierung braucht es drei bis fünf Jahre lang noch eine Spritze. Dann hat sich der Körper in den meisten Fällen an das Insektengift gewöhnt, die allergische Reaktion bleibt aus. “Es gibt aber auch bei dieser Therapie keine hundertprozentige Sicherheit”, warnt Michaela Ranta mit Verweis auf die Wichtigkeit des Notfallsets für Betroffene. An sich sollte mit einer Allergiebehandlung in der kühlen Jahreszeit begonnen werden. Es gibt aber auch eine schnellere Möglichkeit, einen Schutz aufzubauen, sodass Experten jetzt noch zur Immunisierung raten. Der Sommer könnte nämlich ein langer werden. Die Allergieambulanz im Landeskrankenhaus Feldkirch ist an einem Tag in der Woche geöffnet. Im Durchschnitt werden sechs Patienten abgeklärt, macht pro Jahr etwa 300. Während der Sommermonate sind es laut Michaela Ranta vor allem Zuweisungen aufgrund einer vermuteten Insektengiftallergie.
Es gibt auch bei der spezifischen Immuntherapie keine hundertprozentige Sicherheit.
Michaela Ranta