Pflegelehre soll Versuch wert sein

Vorarlberg / 29.09.2015 • 19:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Frage, wie alt Jugendliche sein sollen oder dürfen, wenn sie in die Pflege gehen, bewegt derzeit. symbolFoto: vn/hartinger
Die Frage, wie alt Jugendliche sein sollen oder dürfen, wenn sie in die Pflege gehen, bewegt derzeit. symbolFoto: vn/hartinger

Die Forderung nach einem Pilotprojekt
wird jetzt auch vom Land unterstützt.

bregenz. Dass es nach Jahren des Stillstands jetzt plötzlich so schnell geht, hätten sich die Befürworter einer Pflegelehre wohl nicht einmal in ihren kühnsten Vorstellungen gedacht. Nur eine Woche, nachdem die Forderung nach einem Schulversuch in Vorarlberg erhoben wurde, soll jetzt tatsächlich ein entsprechendes Ersuchen an den Bund gehen. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs, das gestern, Dienstag, zwischen Gesundheitslandesrat Christian Bernhard, Russ-Preis-Träger Günter Lampert und Aquamühle-Geschäftsführer Peter Hämmerle stattgefunden hat. Russ-Preis-Träger und Lehrlingsexperte Egon Blum war wegen eines Auslandstermins verhindert. Er gehört ebenfalls zu jenen, die sich für eine Pflegelehre starkmachen.

Unterstützung gegeben

Gegenüber den VN sprach Christian Bernhard von einer sehr konstruktiven Unterredung. Peter Hämmerle resümierte, dass ein bedeutender Schritt getan worden sei. „Der Konsens, einen Schulversuch zu beantragen, ist richtig, weil das Land in dieser Sache politisch nicht mehr unternehmen kann“, sagte Hämmerle. Er glaubt außerdem, dass ein Schulversuch leichter durchzubringen ist als die Einführung. Ihm ist es auch wichtig, dass es nun ein Bekenntnis zur Pflegelehre gibt und das Anliegen der Proponenten breite Unterstützung findet.

Aus Sicht von Christian Bernhard geht es nicht um Pflegelehre ja oder nein, sondern darum, wie eine solche dreijährige duale Ausbildung ausgestaltet wird, damit sie in das System der Gesundheitsberufe passt. Die im Gange befindliche Reform der Pflegeausbildung sieht künftig unter anderem die Einteilung in Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz und gehobene Dienste vor. „Die Pflegelehre müsste auf jeden Fall einen Anschluss an einen dieser Assistenzberufe schaffen“, betonte Bernhard die Notwendigkeit einer guten Durchlässigkeit. Die anstehende Novellierung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes sieht er als Chance für die Pflegelehre, weil die Ausbildungsinhalte besser zusammenpassen.

Expertengruppe vorstellbar

Zuerst muss jedoch das Ansuchen an den Bund auf Schiene gebracht werden. Die Volkspartei plant demnach, einen Antrag zu formulieren und im Landtag einzubringen. Dieser wird dann an den Bund mit der Aufforderung weitergereicht, einen landesweiten Pilotversuch zuzulassen. Sollte das Ansinnen in Wien eine positive Beurteilung erfahren, kann sich der Gesundheitslandesrat die Installierung einer Expertengruppe vorstellen, die das inhaltliche Konzept erarbeitet. Weiters müsste geklärt werden, wer die schulische Ausbildung der Lehrlinge übernimmt, Berufsschule oder Krankenpflegeschule. „Das alles braucht eine genaue Darstellung“, will sich Bernhard aber nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Ein Schulversuch ist sicher leichter durchzubringen als die Einführung einer Pflegelehre.

Peter Hämmerle