Grüne wollen Förderungen an Bedingungen knüpfen

09.10.2015 • 17:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bauernkammer-Präsident Moosbrugger in der Kritik. Anfragen an Landesrat Schwärzler.

Bregenz, Dornbirn. Einer der Hauptgründe, weshalb die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) für ihre Zentralküche in Feldkirch Fleisch importiert, ist das fehlende Angebot in Vorarlberg. Jedenfalls rechtfertigten sich so die Spitals-Verantwortlichen nach einem Bericht der VN vor einigen Wochen, wonach tiefgefrorenes Fleisch aus Rumänien und Polen den Weg auf die Teller in Vorarlbergs Landeskrankenhäuser findet.

Export nach Graz

Drei Tage nach diesem VN-Bericht setzt sich in Dornbirn-Schoren ein Lastwagen in Bewegung. An Bord sind 21 Kühe, das Ziel ist ein Schlachthof in Graz. Die landwirtschaftskammernahe Ländle Viehvermarktungs-Genossenschaft gab diesen Transport in Auftrag. Einen Monat später wird die Fahrt öffentlich. Die Aufregung ist groß. Weil die Kritiker nicht glauben, dass die Fahrt nach Graz in den vorgeschriebenen acht Stunden absolviert wurde. Und weil der eigene Schlachthof in Dornbirn Aufträge dringend nötig hätte.

Fleisch wird benötigt, Fleisch wird aus dem Land geschafft – für den grünen Abgeordneten Daniel Zadra (30) ist diese Diskrepanz unverständlich: „Das ist mit Menschenverstand nicht mehr zu erklären.“ Er ist sich sicher: „Würde das Fleisch hier verkauft, hätten alle gewonnen. Die Großküchen hätten Produkte aus der Region und die Bauern ihre Kunden vor Ort.“ Zadra will dies an die Förderung knüpfen.

74 Millionen Euro bekamen Vorarlbergs Bauern 2014 ausbezahlt, 34 Millionen davon aus dem Landesbudget. Diesen Betrag will Zadra an Bedingungen knüpfen: „So könnten wir steuernd eingreifen, wie es in anderen Bereichen schon praktiziert wird.“ Dies sei ganz im Sinne der Ökoland-Strategie. Sowohl Grüne als auch Neos stellen eine Anfrage an Agrar-Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP, 62). Sie wollen wissen, wie Schwärzler das Vorgehen der Viehvermarktungs-Genossenschaft beurteilt.

Den VN liegt das Frachtpapier vor, das den Neos zugespielt wurde und die Debatte auslöste. Darauf zu lesen: Voraussichtliche Transportdauer 6.14 Stunden. Für 613 Kilometer. Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger (49) erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme: „Der Transportbescheid über Deutschland (Arlberg gesperrt) erfolgte durch die zuständige Behörde, die Bezirkshauptmannschaft Bregenz.“

Moosbrugger unter Beschuss

Daniel Zadra zur Reaktion: „Diese Antworten sind mir zu wenig. Die Bauern und Bäuerinnen müssen sich überlegen, ob Moosbrugger noch der geeignete Standesvertreter ist.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt FPÖ-Tierschutzsprecherin Nicole Hosp (33): „Um Schadensbegrenzung zu betreiben, sollte er den Anstand haben und die politischen Konsequenzen ziehen.“ Für Martina Pointner (Neos, 42), die den Fall ins Rollen brachte, steht fest: „Funktionäre wie er sind der Grund, weshalb viele Menschen die Nase voll haben von der Politik. Er hat offenbar nicht den Anstand, dafür geradezustehen.“

Das ist mit Menschenverstand nicht mehr zu erklären.

Daniel Zadra, Die Grünen