Das schwere Schicksal mit Farben bezwungen

Vorarlberg / 11.10.2015 • 20:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andreas Fetzel in seiner eigens eingerichteten Malecke. Hier ist er ganz in seinem Element. Fotos: khbg
Andreas Fetzel in seiner eigens eingerichteten Malecke. Hier ist er ganz in seinem Element. Fotos: khbg

Durch das Malen meistert Andreas Fetzel sein schweres Leben nach zwei Schlaganfällen.

Bludenz. Hemd und Rollstuhl sind mit Farbklecksen gesprenkelt. „Wenigstens sauber anziehen hättest du dich können“, sagt Peter Taudes (56) und umarmt Andreas Fetzel herzlich. Der gibt seinem besten Freund ein „Daumen hoch“. Mehr an Zuneigung ist nicht möglich. Zwei Schlaganfälle haben das Leben des 55-Jährigen komplett verändert. Er kann nicht mehr gehen, nicht mehr sprechen und nicht mehr schreiben. Die rechte Körperhälfte ist gelähmt, an der linken Hand kann Andreas Fetzel gerade noch Daumen und Zeigefinger bewegen. Trotzdem führt er ein aktives Dasein. Er hat sich im wahrsten Sinne des Wortes mit links das Malen beigebracht. Derzeit sind seine Bilder im Foyer des Landeskrankenhauses Bludenz ausgestellt. Am 22. Oktober (18 Uhr) wird eine weitere Ausstellung in der SeneCura Parkresidenz in Dornbirn eröffnet.

Begehrte Geschenke

Andreas Fetzel selbst hat im Laurentius-Park der SeneCura in Bludenz eine neue Heimat gefunden. Im ersten Stock den hellen Gang entlang, dann scharf links um die Ecke, und schon weiß der Besucher, wo sich das Zimmer von Andi, wie ihn alle nennen, befindet. Im Gangbereich wurde ihm die Möglichkeit geboten, ein kleines Atelier einzurichten. Dort stapeln sich nun Farben und bereits fertige Bilder. „Manchmal male ich fünf am Tag, manchmal schaffe ich nur ein Bild“, berichtet er mithilfe eines kleinen Computers, in den er langsam Buchstabe für Buchstabe eintippt.

Auch das Zimmer erzählt vom Maler Andreas Fetzel. Es ist vollgestellt mit Flaschen, deren Inhalte von edelster Sorte sind. Fetzel war vor den verhängnisvollen Schlaganfällen als Getränkeeinkäufer und Vinologe tätig. Heute darf er keinen Alkohol mehr trinken. Dafür verleiht er den Flaschen mit verschiedenen Maltechniken einen luxuriösen Anstrich, was sie zu begehrten Geschenken macht.

Ausdruck der Gefühle

Die von Andreas Fetzel bevorzugten Unterlagen sind jedoch Stoff, Papyrus und Leinen. Darauf zaubert er mit Sprays, Acryl oder Kohle wunderbare Motive, vor allem Landschaften und Bäume. Seine Darstellungen beeindrucken durch Farbenkraft. „Das sagt viel über meinen Gemütszustand während des Malens aus“, erklärt er und lächelt dabei. Eine künstlerische Begabung schlummerte immer schon in ihm. Auch sein Vater Edi ist in Vorarlberg als Künstler bekannt. Doch während seines Berufslebens fand der Sohn nie Zeit für die Malerei. Jetzt trägt sie ihn. 2001 erlitt Andi den ersten Schlaganfall, von dem er sich jedoch bestens erholte. Kaum hatte er wieder Fuß gefasst, schlug das Schicksal erneut zu, diesmal mit aller Härte. Doch Andreas Fetzel, der lange in Holland lebte, steckte nicht auf. Auch die Familie und Freunde wie Peter Taudes standen und stehen ihm zur Seite.

Vor fünf Jahren zog er nach Bludenz in den Laurentius-Park. „Dieser Heimplatz ist das Beste, was mir passieren konnte“, tippt er in den Computer. Und weiter: „So ist das Leben trotz allem gut zu meistern.“ Andreas lässt diesen Sätzen ein „Daumen hoch“ folgen.

Selbst in grauen Bildern finden sich noch bunte Aspekte. 
Selbst in grauen Bildern finden sich noch bunte Aspekte.