Begleitung auf Augenhöhe

Vorarlberg / 05.11.2015 • 19:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Walter Schmolly steht jetzt rund 600 Mitarbeitern vor. Foto: vn/Ds
Walter Schmolly steht jetzt rund 600 Mitarbeitern vor. Foto: vn/Ds

Walter Schmolly will als neuer Caritas-Direktor die Soziallandschaft mitgestalten.

feldkirch. Er hat die Caritas in einer recht stürmischen Zeit übernommen. Es sind Asylsuchende zu betreuen, gleichzeitig darf aber auch die Not im Land nicht aus den Augen verloren werden. Walter Schmolly weiß um den Spagat, den sein neues Amt mit sich bringt. Doch er ist bereit für die Herausforderung. „Ich empfinde es sogar als Stärke der Caritas, in einem Moment, in dem uns die Geschichte das abverlangt, sich ein Stück weit in eine Aufgabe verlieren zu können“, sagt Schmolly.

Nicht auf Kosten anderer

Er spricht sich dafür aus, jetzt in dem Maße in die Flüchtlingsarbeit zu investieren, wie es die Situation erfordert und die Caritas etwas beitragen kann. „Das wird aber sicher nicht auf Kosten der Menschen gehen, die ebenfalls unsere Unterstützung brauchen“, versichert er. Es sei längerfristig auch für den sozialen Frieden wichtig, die Lasten, die durch die Flüchtlinge entstehen, fair zu verteilen. Walter Schmolly räumt Ängste der Menschen ein, durch die hohe Aufmerksamkeit für die Flüchtlinge zu kurz zu kommen. Sie fürchten um Hilfe, Beratung und Sachmittel. „Aber das müssen sie nicht“, betont er.

Gesellschaft mitgestalten

Heute Abend wird Peter Klinger offiziell als Caritas-Direktor verabschiedet. In seine Fußstapfen tritt Walter Schmolly, der vorher zehn Jahre als Pastoralamtsleiter tätig war. „Mit 51 fand ich es an der Zeit, eine neue berufliche Aufgabe anzugehen“, erzählt er im VN-Gespräch. Die Vorfreude spricht aus jedem Wort, das der Bregenzerwälder über seine künftige Arbeit verliert. Die Frage, ob es in der Soziallandschaft leichter ist, Veränderungsprozesse zu bewerkstelligen, als im kirchlichen Bereich, lässt Walter Schmolly mit einem feinen Lächeln unkommentiert. Das Bemühen, zu verändern, will er der Kirche aber nicht absprechen.

Doch lieber konzentriert er sich jetzt auf Kommendes. Die Caritas, meint er, wachse an Herausforderungen. So soll es weitergehen. Schmolly: „Die Caritas muss den Anspruch haben, die Gesellschaft mitzugestalten und als Anbieter von Sozialleistungen für jene die Stimme zu erheben, die nicht gehört werden.“ Dies will er sowohl öffentlich wie politisch tun. „Die Caritas wird nicht umhinkommen, für Arme und Bedürftige Position zu beziehen“, ergänzt Walter Schmolly, der sich selbst als politisch sehr interessiert bezeichnet. Doch nicht nur Fordern und Verlangen ist angesagt. Er möchte in sozialen Fragen auch Lösungen anbieten.

Zu seinem Bedauern tut sich die Gesellschaft noch schwer im Umgang mit Not. „Wir sind es gewohnt, die Not über Sozialleistungen in die Zimmer von Sozialeinrichtungen zurückzudrängen“, beschreibt er seinen Eindruck. Und: „Es ist kein Image, Klient der Caritas zu sein.“ Andererseits genieße die Caritas hohes Vertrauen, was ihn sichtlich freut und antreibt. Auch an der Zukunftsfähigkeit seines neuen Arbeitgebers zweifelt Walter Schmolly nicht: „Die Caritas ist toll aufgestellt. Sie bringt alles mit, was man auf diesem Markt an Professionalität, aber auch an sozialer Kompetenz braucht.“

Globale Solidarität

Als große Themen listet er die Integration, die globale Solidarität, den Umgang mit dem Sterben und allen damit zusammenhängenden Fragen, die Bekämpfung der Armut sowie die Förderung von Kindern und Jugendlichen bei der Mitgestaltung einer solidarischen Kultur. Besonders am Herzen liegt dem dreifachen Vater aber eines: „Ich wünsche mir, dass jeder Mensch, der mit der Caritas in Kontakt kommt, das Gefühl hat, gern gesehen zu sein.“ Begleitung auf Augenhöhe nennt er es.

Es ist für den sozialen Frieden wichtig, die Lasten fair zu verteilen.

Walter Schmolly

Zur Person

Walter Schmolly

Geboren: 1964 in Bregenz

Ausbildung: Studium der Mathematik und selbstständigen Religionspädagogik

Laufbahn: Leitung des Katholischen Bildungswerks, Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch

Familie: verheiratet, drei Kinder