Vorarlberger helfen in Kufstein

Vorarlberg / 08.11.2015 • 21:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim Bahnhof in Kufstein kommen nun auch Vorarlberger Soldaten zum Einsatz. Foto: APA
Beim Bahnhof in Kufstein kommen nun auch Vorarlberger Soldaten zum Einsatz. Foto: APA

34 Soldaten des Jägerbataillons 23 aus Bludesch wurden nach Kufstein beordert.

Kufstein, Bludesch, Bregenz. Die große Fluchtbewegung nach Deutschland geht an Vorarlberg vorbei. Davon unberührt bleiben die Einsatzkräfte des Landes aber nicht. Neben den Blaulichtorganisationen werden auch Vorarlbergs Soldaten zunehmend gebraucht. Das Bundesheer hat den Assistenzeinsatz für Tirol aktiviert. Soldaten aus Lienz (Osttirol), St. Johann, Landeck (beide Tirol) und Bludesch werden nach Kufstein reisen, um dort zu helfen. Die Kompanie wird aus 120 Soldaten bestehen, 34 davon kommen aus der Walgaukaserne. Sie werden heute, Montag, in der Früh abreisen.

Tirol statt Oberösterreich

Fünf sogenannte Übergangspunkte vereinbarte das österreichische Innenministerium mit den Kollegen aus Bayern. Das sind Grenzübergänge, an denen Flüchtlinge von deutschen Behörden entgegengenommen werden. Diese gab es bisher in Oberösterreich und Salzburg. „Bayern hat sich bereit erklärt, auch in Kufstein Flüchtlinge zu übernehmen“, erklärt Asyllandesrat Erich Schwärzler (62, ÖVP) auf VN-Nachfrage. Es bleibt allerdings bei fünf Übergängen, in Oberösterreich wird einer aufgelöst. Michael Kerschat, Pressesprecher des Militärkommandos Vorarlberg, erläutert, was das bedeutet: „In Kufstein könnte sich ein neuer Hotspot bilden. Deshalb wurde das Bundesheer angefordert.“ Das Jägerbataillon 23 aus Bludesch und Landeck wird die Kompanie anführen.

Mittlerweile treffen über 1000 Flüchtlinge täglich in Kufstein ein. Sie werden versorgt und können in der Regel binnen 24 Stunden nach Bayern weiterreisen. Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel wandte sich per offenem Brief an die Einwohner. Er schreibt: „Wir haben keinerlei Einfluss darauf, dass diese Menschen in Kufstein ankommen. Wir haben aber sehr wohl Einfluss darauf, wie wir mit diesen Menschen umgehen.“

Neben besagten 34 Soldaten sind in der Steiermark 20 weitere Vorarlberger im Assistenzeinsatz, ausschließlich Kadersoldaten. Grundwehrdiener kommen bei Hilfstätigkeiten zum Einsatz. „Zum Beispiel Vorarlberger Präsenzdiener, die in Salzburg stationiert sind und bei der Essensausgabe am Bahnhof helfen“, erzählt Kerschat.

Die Chancen, nicht zum letzten Mal Hilfskräfte in andere Bundesländer zu schicken, sind laut Schwärzler groß: „Wir müssen die Entwicklung abwarten. Wenn es Hilfskräfte braucht, werden wir tätig. Die Situation ist nur gemeinsam lösbar.“ Im Land selbst sind derzeit rund 2800 Asylwerber untergebracht. „Wir schaffen es, die 100 Prozent der ausgemachten Betreuungsquote weiterhin zu erfüllen“, schildert Schwärzler. Dass die Reisebewegung in nächster Zeit auch Vorarlberg erreichen wird, zeichnet sich nicht ab. Falls doch, sei das Land gerüstet, versichert der Landesrat: „Es gibt einen Plan B, den wir zusammen mit den Blaulichtorganisationen erarbeitet haben.“ Dadurch sei das Land imstande, 300 zusätzliche Flüchtlinge auf einen Schlag aufzunehmen. Von der Ankunft über den Transport bis zur kurzfristigen Unterkunft sei alles durchgeplant.

Über 400.000 Bustransporte

Waren noch im Sommer die Bundesbahnen für den Großteil der Transporte zuständig, werden mittlerweile viele Flüchtlinge mit dem Bus durch Österreich gefahren. 430.000 sind es seit September, über 100.000 davon wurden mit Bussen des Bundesheers befördert. Rund 110 Soldaten werden als Fahrer eingesetzt. Sie fahren entweder längere Strecken von Spielfeld nach Innsbruck oder mehrere Kurzstrecken, wie von der Grenze zum Grazer Hauptbahnhof.

Es gibt einen Plan B. Vorarlberg ist für den Notfall gerüstet.

Erich Schwärzler