Wolken über den Solaranlagen

Vorarlberg / 10.11.2015 • 21:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hoch gefördert, viele Mängel: Solaranlagen in Vorarlberg. VN/Hofmeister
Hoch gefördert, viele Mängel: Solaranlagen in Vorarlberg. VN/Hofmeister

Mangelhaft installierte Solaranlagen: Installateurinnung ärgert sich über schwarze Schafe.

Bregenz. In Vorarlberg gibt es kein Öl. Dennoch will das Land bis 2050 in Energiefragen unabhängig sein. Stichwort: Energieautonomie. Eine Schlüsselrolle spielt die Sonnenenergie, weshalb entsprechende Anlagen gefördert werden. Von 2010 bis 2014 waren es über 5200 thermische Solaranlagen mit über 13 Millionen Euro. Damit sie gefördert werden, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Im Jahr 2001 begann das Energieinstitut Vorarlberg, dies mit Stichproben zu prüfen. 2001 wurden 72 Anlagen geprüft, drei Viertel wiesen Mängel auf. Die Ergebnisse wurden nicht besser. 2013 haben 72 Prozent der 29 überprüften Anlagen nicht den Förderkriterien entsprochen. Bei den Wärmepumpen etwas mehr als ein Viertel.

Adi Gross (53) ist seit über einem Jahr Klubobmann der Grünen im Landtag. Sein Job zuvor: Leiter des Energieinstituts, und als solcher für die Prüfungen mitverantwortlich. Meistens habe es an den Arbeiten gemangelt, nicht am Material. Die Ergebnisse stellte das Institut in der Solararbeitsgruppe des Landes vor. Da drin sitzen Bauplaner, Installateure, Bauträger, die Wirtschaftskammer. Gross habe schärfere Kontrollen gefordert, heißt es aus dem Landhaus. Ohne Erfolg.

Karl-Heinz Strele (43) ist Innungsmeister der Vorarlberger Installateure. Er nennt jene Kollegen, die mangelhaft arbeiten, „schwarze Schafe“. Die jährlichen Ergebnisse seien natürlich diskutiert worden. „Seit ich Innungsmeister bin, haben wir Maßnahmen umgesetzt“, erklärt er. Strele ist seit drei Jahren in diesem Amt.

Seit eineinhalb Jahren arbeite die Innung an einer eigenen freiwilligen Qualitätskontrolle. Zertifizierung gibt es keine, aber: „Solche Kontrollen könnte man durchaus kommunizieren“, sagt Strele. In sechs bis acht Monaten könnten diese Kontrollen starten. Die Innung wolle so die Spreu vom Weizen trennen. Strele dazu: „Bei 150 Installateuren sind ein paar Unbelehrbare dabei.“ Es sei schade, dass wenige den Großteil gut arbeitender Installateure in Verruf bringen.

Ohne Prüfung keine Fehler

Diese Befürchtung äußert auch Adi Gross: „Es gibt viele Installateure, die höhere Qualität durchsetzen wollen.“ Einer der Gründe für die vielen gefundenen Fehler sei die Prüfung an sich. „Wer nicht kontrolliert, findet auch keine Mängel“, beschreibt es Gross. Und Strele: „Weil so scharf kontrolliert wird, treten Fehler zutage.“ Gross will dennoch weitergehen und erneuert einen Vorschlag: Er will Betriebe zertifizieren und veröffentlichen, die sich hoher Qualität verpflichten. Strele kann der Idee etwas abgewinnen, sagt aber: „Die Installateure haben eine Lehre und eine Meisterprüfung gemacht. Das wäre eigentlich das Qualitätssiegel Nummer eins. Ist es auch bei den meisten. Leider nicht bei allen.“

Die politische Opposition ärgert sich. Der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Joachim Weixlbaumer (48) richtet 15 Fragen an Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP, 62). Unter anderem will er wissen, seit wann Schwärzler die Ergebnisse kennt und welchen Einfluss die Causa auf das Energieziel des Landes hat. SPÖ-Abgeordneter Reinhold Einwallner (42) fordert Aufklärung und volle Transparenz. Sabine Scheffknecht (37) von den Neos will Förderungen auf ihren Sinn überprüfen. Auch die Arbeiterkammer fordert Konsequenzen. Alle ärgern sich, dass die Politik nicht sofort gehandelt habe.

Sofort gehandelt haben die Installateure nach einer Prüfung. Wurden Mängel festgestellt, wurden diese laut Adi Gross rasch beseitigt. 

Wer nicht kontrolliert, findet auch keine Mängel.

Klubobmann Adi Gross, Grüne